Musik

Ein Haufen Sommerhits Marlon Roudette macht "Electric Soul"

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Marlon Roudette an seiner geliebten Steel Pan.

(Foto: imago/Revierfoto)

Mit dem Song "New Age" landete Marlon Roudette 2011 einen  Überraschungshit: Ganze acht Wochen führte er die deutschen Charts an. Nun ist der 31-jährige Brite, der seine Musikkarriere in der Band Mattafix begann, mit seinem zweiten Soloalbum "Electric Soul" zurück. R&B, Pop, Reggae und Soul mischt er darauf mit HipHop-Einflüssen. Und im Gegensatz zu seinem Debüt "Matter Fixed", das nach einer zermürbenden Trennung entstanden ist, gibt Roudette sich dieses Mal deutlich positiver. Im Interview spricht er über seine Verbindung zu Berlin, wo Teile des Albums entstanden, die Geburt seines Sohnes und sein Lieblingsinstrument, die Steel Pan.

Marlon, Ihr neues Album ist zum Teil in Berlin entstanden. Haben Sie sich wohlgefühlt in der deutschen Hauptstadt?

Marlon Roudette: Und wie! Ich war eine ganze Weile hier und hatte eine Wohnung in Prenzlauer Berg. Ich liebe die Gegend. Wer super sozial sein und ständig feiern will, kann das dort tun, man kann sich aber auch einfach in einem gemütlichen Restaurant verstecken und seine Ruhe haben. Berlin ist eine sehr künstlerfreundliche Stadt, was vor allem an den günstigen Mieten liegt, und ich habe mittlerweile eine Menge Freunde hier. Aber auch für meine Karriere spielte Berlin eine wichtige Rolle.

Inwiefern?

Als ich mein erstes Soloalbum "Matter Fixed" fertig hatte, wollte mir niemand einen Plattenvertrag geben. Einerseits kann ich das sogar verstehen, denn die Musikbranche ist mittlerweile unberechenbar und alle haben Angst um ihren Job. In Deutschland allerdings hat man an mich geglaubt. Universal Berlin waren die ersten, die mich unter Vertrag nahmen. In England hingegen hätte keiner gedacht, dass meine Single "New Age" Potenzial hatte.

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In Deutschland beliebt: Marlon Roudette am 12. Mai 2013 mit Bastian Schweinsteiger, Arjen Robben und Thomas Müller bei der Meisterfeier des FC Bayern München im Münchner Postpalast.

(Foto: REUTERS)

Am Ende landete der Song in Deutschland auf Platz 1 der Jahresradiocharts. Eine süße Revanche?

Ja, das war sehr befriedigend. Es gibt einige verrückte Statistiken über diesen Song. Zum Beispiel war keine andere Single in den 30 Jahren zuvor länger an der Spitze der deutschen Charts. Ich bin mir sicher, davon haben auch die Plattenfirmen gehört, die mich abgelehnt haben (lacht). Frank Sinatra hat mal gesagt "Erfolg ist die beste Art der Rache"!

Ihr zweites Album trägt nun den Titel "Electric Soul". Darf man das als neue Genrebezeichnung für Ihre Musik verstehen?

So weit würde ich nicht gehen. In Sachen Musik wurde schließlich alles schon einmal gesagt. Das Wort Soul steht in diesem Fall für die Inhalte, das Gefühl und die Ehrlichkeit in den Songs. Und Electric, weil die Songs lebendiger und schneller sind. Ich habe dieses Mal viel mit analogen Instrumenten und vor allem der Steel Pan experimentiert.

Die Steel Pan spielen Sie bereits seit dem zwölften Lebensjahr. Wie kamen Sie dazu, ein so ungewöhnliches Instrument zu lernen?

Zwischen meinem 10. und 17. Lebensjahr habe ich auf St. Vincent in der Karibik gelebt und dort ist die Steel Pan sehr populär. Wir haben in der Schule gelernt, wie man sie spielt, und als ich 13 oder 14 war, trat ich bereits in Hotels und auf Musikfestivals auf. Die Steel Pan ist das Instrument, auf das ich zurückkomme, wenn ich mich erden will. Wenn ich sie spiele, wird mir jedes Mal wieder bewusst, was Musik mir bedeutet. Außerdem ist die Geschichte der Steel Pan großartig.

Erzählen Sie!

Sie wurde in den 1930er-Jahren auf Trinidad erfunden und aus politischem Kampf geboren. Die britischen Kolonialherren haben den Einheimischen damals das Trommeln auf afrikanischen Schlaginstrumenten verboten. Deshalb suchten Letztere nach neuen Möglichkeiten, ihrer Musikalität und Identität Ausdruck zu verleihen. Die Steel Pan wurde schließlich aus Ölfässern hergestellt. Erdöl steht in meinen Augen für all den Geiz und das Böse in unserer Welt und ich liebe die Tatsache, dass ausgerechnet daraus ein Musikinstrument entstanden ist. Ich habe sie bisher auf jedem Album gespielt, aber dieses Mal wollte ich sie noch mehr in den Fokus rücken.

Im Vergleich zu Ihrem letzten Album, auf dem es

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primär um eine zermürbende Trennung geht, ist "Electric Soul" textlich deutlich positiver ausgefallen. Befinden Sie sich an einem positiveren Punkt in Ihrem Leben?

Absolut, positiver und auch selbstsicherer. Das hat mir erlaubt, dieses Mal über viele verschiedene Themen zu singen. In "Come Along" zum Beispiel geht es darum, ein Mädchen in einem Flughafen zu treffen und eine spontane Affäre zu haben.

Wie in dem Film "Before Sunrise"?

So ungefähr, bloß dass es bei der Fantasie bleibt. Ich habe mir nämlich einen Korb eingefangen. Ich sollte dazu sagen, dass ich damals noch Single war, ich war also vogelfrei. Ich wartete am Flughafen in Heathrow auf einen Anschlussflug nach Prag, wo wir abends eine Show hatten, und sah dieses Mädchen am Gepäckband. Also fragte ich sie, ob sie nicht mitkommen möchte. Sie hat mich zwar für verrückt erklärt, hätte aber ja gesagt, wenn sie nicht eine Verabredung in London gehabt hätte. Wo immer sie jetzt ist, ich wette, sie bereut es bis heute (lacht).

Mittlerweile sind Sie in einer festen Beziehung und Vater eines Sohnes. Haben Sie ihm auch einen Song gewidmet?

Keinen ganzen Song, aber einige Zeilen sind von ihm inspiriert, zum Beispiel in dem Song "When The Beat Drops Out", in dem es heißt "life happens when you're making plans". Denn es war eine wunderbare Überraschung, Vater zu werden. Mein Sohn wurde im letzten September geboren und ist mein ganzer Stolz. Seit er auf der Welt ist, habe ich nicht nur eine ganz neue Lebensfreude und Energie, sondern bin auch meinem eigenen Vater wieder nähergekommen.

Ihre Eltern haben sich getrennt, als Sie ein Jahr alt waren. Hat das Verhältnis zu Ihrem Vater Cameron McVey (Produzent von Bands wie Massive Attack und Portishead) darunter gelitten?

Ohne zu sehr ins Detail zu gehen - schuld war eher eine Kombination verschiedener Faktoren. Eltern müssen nicht zusammensein, um gute Eltern zu sein. Es geht um die emotionale Präsenz. Ich habe viel Zeit mit meinem Vater verloren. Aber vielleicht war das sogar nötig, um meinen Weg in der Welt zu finden und meinen eigenen Charakter zu formen.

Lassen Sie uns zum Schluss noch über den Song "America" reden. Darin geht es um den amerikanischen Traum. Würden Sie es gerne in Amerika schaffen?

Absolut! Es ist der größte Musikmarkt der Welt – und wohl der schlimmste, rücksichtsloseste zugleich. Einerseits hat ein Teil von mir genau davor Angst, andererseits bin ich irgendwie fasziniert davon. In den USA zu touren wäre schon ein Traum.

Und wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Ich glaube, dieses Album ist auf jeden Fall meine bisher beste Chance (lacht).

Mit Marlon Roudette sprach Nadine Lischick

Das Album "Electric Soul" erscheint am 8. August 2014 - bei Amazon bestellen

Quelle: ntv.de

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