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Back to the roots Oliver Koletzki ist mehr als OK

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No Man No Cry!

Ruhe kennt Oliver Koletzki nicht. Er produziert, legt auf und macht eigene Alben. Sein Label "Stil for Talent", das ursprünglich als Plattform für die eigenen Produktionen gedacht war, erweist sich mittlerweile als Sprungbrett für junge Nachwuchstalente. Doch natürlich kommt auch die eigene Musik nicht zu kurz: Heute erscheint "I am OK", das fünfte Album Koletzkis. Wie er mit dem Stress umgeht und was ihn zu dem Albumtitel bewogen hat, erklärt er im Interview.

n-tv.de: Der zweideutige Titel deines neuen Albums "I am OK" ist ziemlich cool. Hattest du die Idee selbst?

Oliver Koletzki: Ja! Mir war schon viele Jahre bewusst, dass ich aus meinen Initialen was machen kann – entweder OK oder KO – und das wollte ich schon immer mal benutzen. Bei meinem fünften Album dachte ich einfach, dass ich das mal rausholen kann. Außerdem war klar, dass ich für das Cover ein Bild von mir als 13-Jährigem benutzen würde und da hatte ich natürlich eine Brille, eine Zahnspange, einen Ringelpullover und Pickel – eine ziemlich schwierige Zeit also – und damit will ich den heutigen 13-Jährigen Mut machen. Ich sehe zwar aus wie ein Nerd, aber I am OK!

Auf dem Cover ist also wirklich ein altes Foto von dir?

Genau. Es gibt dieses Bild von mir und unser Comiczeichner hat es eins zu eins abgezeichnet.

Einer deiner Songs heißt "No Man No Cry". Ist der Song eine Hommage an Bob Marley?

Dazu muss ich sagen, dass ich zwar ein Musiker bin, aber ein ganz schlechter Texter. Daher haben die Sänger der Songs die jeweiligen Texte geschrieben. Ich habe zwar ab und zu mitgeschrieben, aber die Sänger sind eigentlich für die Texte verantwortlich. In dem Fall müsstest du Leslie Clio fragen, die diesen Song gemacht hat. Aber allein schon wenn man den Text liest, merkt man, dass es eine Anspielung auf Bob Marley ist.

Wenn wir schon bei dem Song sind: Wer leidet denn nun schlimmer, Männer oder Frauen?

Wow, das ist eine Frage. Ich will jetzt nicht mit Klischees kommen. Ich würde sagen, es kommt nicht auf das Geschlecht an, sondern auf den Menschen. Der eine ist wehleidiger als der andere.

Für "No Man no cry" hast du dir Leslie Clio ins Boot geholt. Außerdem sind auch Nörd, Yasha und weitere Künstler dabei. Wieso hast du gerade sie ausgewählt?

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He's okay!

Die meisten kenne ich persönlich. Denn ich arbeite lieber mit Menschen zusammen, die ich gut kenne. Ich könnte natürlich auch extrem bekannte Leute fragen, das ist aber nicht so mein Ding. In meinem Freundeskreis sind viele Sänger, ich habe also eine persönliche Bindung zu ihnen und so kann ich dann auch viel besser mit ihnen im Studio zusammenarbeiten.

Gibt es denn "Traumpartner", mit denen du in Zukunft mal zusammenarbeiten möchtest?

Ja, na klar! Marteria und Casper, unsere Vorzeige-Rapper! Marteria hätte auch fast geklappt, aber das ist dann mit seinem eigenen neuen Album kollidiert.

Deine letzten Alben waren eher poppig. Was hat dich wieder mehr in die Elektro-Richtung gebracht?

Das Album ist zwar danciger, aber es ist trotzdem noch ganz schön poppig. Ich bin ein Typ, der Melodien und Gesang liebt und ich könnte nie so ein monotones Techno-Album machen. Ich wollte auch mal wieder ein paar Songs haben, die ich als DJ auflegen kann, denn bei Großstadtmärchen war das kaum möglich. Ich wollte einfach mal wieder Songs spielen, die ich selbst geschrieben habe. Und da sind jetzt ein paar dabei. Außerdem habe ich immer Lust auf Abwechslung und wollte zeigen, dass ich House- und Technomusik nicht nur auflegen, sondern auch produzieren kann.

Was ist denn dein All-time-favorite Dance-Song?

Oh, das ist schwierig. Dann sage ich mal was ganz Klischeehaftes: Daft Punk mit "Around the world".

Das kennt wenigstens jeder.

Stimmt. (lacht)

Wie schaffst du es eigentlich, so viele Dinge unter einen Hut zu bringen – dein Label "Stil for Talent", dein eigenes Album, Auftritte und deine Familie?

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Die Pubertät ist für keinen von uns einfach ...

Zeitmanagement, gutes Zeitmanagement. Das habe ich mir über die Jahre antrainiert. Vor allem, seitdem ich verheiratet bin. Mein Büro habe ich direkt neben meine Wohnung gelegt. Unter der Woche gehe ich also morgens erstmal zwei Stunden dort hin und bespreche, was zu tun ist. Dann fahre ich zu den Studios und mache den Tag über Musik. Abends kocht dann meistens meine Frau. Es ist ganz wichtig, dass man Regelmäßigkeiten einhält, sonst ist irgendjemand unglücklich. Der Laptop ist dann abends auch zu. Und am Wochenende bin ich viel unterwegs, um aufzulegen. Aber ich darf es nicht übertreiben, sondern die Zeit mit meiner Frau und der Arbeit muss sich die Waage halten.

Du hattest in 211 Städten in 39 Ländern Auftritte. Verliert man da nicht irgendwann den Überblick?

Ich spiele jetzt seit acht Jahren hauptberuflich. Im Schnitt hatte ich dabei 150 Auftritte pro Jahr. Das ist schon viel und da kommt man eben rum. Jedes Jahr mache ich eine Australien-, Südamerika- und eine Asientour. Vor zwei Wochen habe ich meine erste USA-Tour gemacht, das war auch toll. Da gibt es schon Wochenenden, an denen man aufwacht und nicht mehr weiß, wo man gerade ist. Man hat so viele Eindrücke – von den Ländern, den Flughäfen, den Clubs – dass man dann auch mal Pausen braucht, um diese alle zu verarbeiten.

Was war denn rückblickend der beste Gig? Und wo?

Es gibt nicht den einen besten Auftritt, aber ich spiele gerne bei Open Airs, bei Festivals. Einerseits, weil sie sich draußen in der Natur abspielen und nicht in verrauchten Clubs. Andererseits, weil sie tagsüber stattfinden. Denn immer nachts aufzutreten ist körperlich wirklich anstrengend. Deshalb finde ich es Klasse, tagsüber auftreten zu können.

2000 bist du nach Berlin gezogen. Könntest du dir vorstellen, wieder in einer anderen Stadt zu leben? Oder möchtest du für immer hier bleiben? Schließlich die Techno-/Houseszene hier ziemlich groß.

Berlin ist auf jeden Fall meine Stadt. Ich liebe es, wenn vor der Haustür viel los ist. Und du hast natürlich recht, dass Berlin die Hauptstadt der elektronischen Musik ist. Ich denke zwar nicht darüber nach, wegzuziehen, aber wenn ich irgendwann mal nicht mehr so viel auftrete, dann kann ich mir schon vorstellen, aus der Stadt wegzugehen und ländlicher in einem Haus zu wohnen.

Gibt es eine Frage, die man dir stellen sollte, weil du sie gerne beantworten würdest, sie dir aber noch nie gestellt wurde?

Boah, das ist echt eine gute Frage. (lacht) Lass mich mal überlegen. Was würde ich denn gerne gefragt werden? Tut mir leid, da muss ich passen.

Mit Oliver Koletzki sprach Saskia Nothofer

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Quelle: n-tv.de

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