"Die Höhle der Löwen"Die übergangene Dagmar Wöhrl

Eine Gründerin bricht in Tränen aus. Ralf Dümmel räumt für einen 17-Jährigen seinen Investorensessel. Und eine Löwin runzelt genervt die Stirn. In der letzten Folge der 20. "Die Höhle der Löwen"-Staffel ist noch einmal richtig Feuer drin.
Nach einer wochenlangen Reise durch die unterhaltsame Welt der Tüftler und Erfinder ziehen die Format-Verantwortlichen im großen Staffelfinale von "Die Höhle der Löwen" (abrufbar auf RTL+) noch einmal alle Register. Den Anfang machen die beiden "allpacka"-Gründer Jonathan Vincentz und Lukas Ludwig aus Leipzig. Mit der selbstentwickelten faltbaren Transportbox verwandelt das Duo jedes herkömmliche Fahrrad in Sekundenschnelle in ein Lastenrad. Die Gründer haben an alles gedacht. Klicksystem, Regenhaube, Spanngurt, Spannnetz: Nach einer kurzen Radtour durchs Studio ist nicht nur Löwin Janna Ensthaler begeistert.
Auch die anderen Investoren adeln Produkt und Gründer. Die knackige Bewertung (250.000 Euro für 10 Prozent der Firmenanteile), der hohe Endpreis für den Kunden (169 Euro) und der bis dato noch nicht vorhandene Umsatz schrecken Johannes Kliesch und Janna Ensthaler nicht davon ab, ein Angebot abzugeben. Allerdings wollen die beiden Löwen wesentlich mehr Anteile als die Gründer ihnen anbieten. Johannes fordert satte 40 Prozent. Janna hätte gerne 27,5 Prozent.
Nun liegt der Ball bei den Gründern. Nach zwei zähen Beratungsrunden treffen die Leipziger eine Entscheidung, mit der niemand gerechnet hat. Die "allpacka"-Gründer verzichten auf einen möglichen Deal. Im Nachgang gerät das Duo noch einmal ins Grübeln: "Es waren unsere beiden Wunschlöwen - vielleicht hätte wir noch einmal nachverhandeln sollen", seufzt Jonathan Vincentz.
"Du bist hier nicht ganz ehrlich gewesen!"
Nach dem ersten Aufreger des Abends folgt gleich der nächste. "nüchtern"-Gründerin Isabella Steiner aus Berlin hatte sich für ihren großen Moment in der Löwenhöhle so viel vorgenommen. Aber bereits nach der Verkostung ihrer mitgebrachten alkoholfreien Drinks in flüssigen Einzelportionen kippt die mühsam aufgebaute Summertime-Vibes-Stimmung. Der Geschmack überzeugt nicht jeden.
Und auch die unternehmerische Struktur sorgt für zusammengezogene Augenbrauen. Mit den geforderten 300.000 Euro würden die Löwen in den kompletten Online-Shop der Gründerin mit einsteigen, der nach Ansicht von Frank Thelen aber "nicht so richtig läuft". Dann gibt es noch zehn weitere Investoren in der Fremde, die bereits hungrig und fordernd am Unternehmertisch sitzen. Das alles bringt Frank Thelen ziemlich auf die Palme. "Du bist hier nicht ganz ehrlich gewesen!", tadelt der Tech-Experte.
Als sich Andreas Herb auch noch kritisch zum Firmennamen äußert, brechen bei der Gründerin alle Dämme. Tränen fließen. Dagmar Wöhrl kommt zum Trösten. Aber es hilft nichts. Der Drops ist gelutscht. Alle Löwen steigen aus. Und Isabella Steiner steht irgendwann alleine da. Nicht einfach. "Ich brauch jetzt erstmal 'n Drink!", schluchzt die Berlinerin.
Die beiden "meinhaus.digital"-Gründerinnen Leonie Dowling und Carolin Krebber aus München wollen es unbedingt besser machen. Und die kompetenten Damen lassen sich auch nicht aus der Ruhe bringen. "Wir haben den digitalen Architekten für die Hosentasche dabei!", tönt das Duo. Die vorgestellte Verbindung aus Architektur und künstlicher Intelligenz soll Sanierungen einfacher und bezahlbarer machen.
Die Bewertung ist nicht ohne (425.000 Euro für 5 Prozent der Firmenanteile). Aber dahinter stecken auch viel Wissen und Expertise. Im ersten Jahr konnte man bereits 300.000 Euro Umsatz generieren. Bereits im dritten Jahr rechnen die Gründerinnen mit Umsatzzahlen im zweistelligen Millionenbereich. Mit derartigen Fakten und Visionen sorgt man schnell für offene Ohren in der Löwenhöhle.
Dagmar Wöhrl ist genervt
Janna Ensthaler ist die erste Löwin, die aus der Deckung kommt und den Gründerinnen ein Angebot macht. In der Zwischenzeit haben auch Carsten Maschmeyer und Dagmar Wöhrl die Köpfe zusammengesteckt. Kommt es zu einem Dreikampf oder ziehen Carsten und Dagmar als Duo in die Schlacht? Es geht hin und her. Carsten überlegt. Dagmar lächelt - noch. Denn kurz darauf schmeißt der Großunternehmer all seine vorherigen Überlegungen über den Haufen und schließt sich mit Janna zusammen. Dagmar kann sich einen scharfen Blick nach rechts nicht verkneifen.
Sekunden später ballen Carsten und Janna auch noch jubelnd die Fäuste. Die Gründerinnen haben sich für das Löwen-Duo entschieden. Dagmar Wöhrl geht leer aus. Von ihrem Kollegen und den Gründerinnen übergangen, reagiert die Familienunternehmerin sichtlich genervt: "Ich bin überzeugt, dass ich die bessere Wahl gewesen wäre", zischt die einstige Staatssekretärin.
Zum Ende des Abends und zum Schluss der Staffel breitet Ralf Dümmel noch einmal seine Arme aus. Erst beschert der Herr der Regale dem 17-jährigen Sohn von "LifeSaveAir"-Mitgründer Nabil Chehade einen unvergesslichen Fernsehmoment, in dem er ihn kurzerhand zum "Junglöwen" krönt. Ein paar Minuten später macht Ralf Dümmel dann auch noch den Rest der Dortmunder Gründer-Familie glücklich. Mit ihrem Erste-Hilfe-Gerät, das bei lebensgefährlichen Atemwegsblockaden helfen soll, rennen sie bei dem Kult-Löwen offene Türen ein.
"Ruf mich einfach an!"
Einmal in Deal-Laune schlägt Ralf Dümmel auch bei "Kippo"-Gründer Patrick Waligorski zu. Der Schrottplatzhändler, der einen drehbaren Griff für Schub- und Sackkarren entwickelt hat, legt einen emotionalen Auftritt hin. Abermals fließen Tränen. Diesmal eilt Judith Williams zur umarmenden Tröstungszeremonie. Und Ralf Dümmel macht kurz darauf den Deal-Deckel drauf. Sehr schön.
Da freut sich auch Getränke-Mogul Andreas Herb. Der kantige Löwe zieht zwar im Rennen um den letzten Deal der Staffel den Kürzeren. Kurz zuvor darf er sich aber über eine kulinarische Überraschung freuen, die genau in sein "spicy Geschmacksmuster" passt. Beim spontanen Wiederbesuch von "Mexican Tears"-Gründer David Weyhe leckt sich Andreas Herb genüsslich die Lippen.
Nach der Verkostung der scharfen Dips bietet der Löwe doch glatt seine Dienste an. "Braucht ihr noch einen Partner? Hast du ein Angebot?", fragt Andreas Herb. Am Ende bleibt es bei einer vielleicht zukunftsweisenden und vielversprechenden Verabredung: "Ruf mich einfach an!", verabschiedet der Löwe den "Mexican Tears"-Gründer.