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Mittwoch, 01. Februar 2012

"Das ist Krieg und kein Fußball": Mehr als 70 Tote bei Fußball-Krawallen in Ägypten

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Fußball-Drama mit vielen Toten in Ägypten: Hunderte Fußballfans haben nach einem Erstligaspiel in der Küstenstadt Port Said Jagd auf Spieler und gegnerische Anhänger gemacht. (Foto: AP)

Fußball-Drama mit vielen Toten in Ägypten: Hunderte Fußballfans haben nach einem Erstligaspiel in der Küstenstadt Port Said Jagd auf Spieler und gegnerische Anhänger gemacht.

Fußball-Drama mit vielen Toten in Ägypten: Hunderte Fußballfans haben nach einem Erstligaspiel in der Küstenstadt Port Said Jagd auf Spieler und gegnerische Anhänger gemacht.

Dabei kamen mindestens 73 Menschen ums Leben.

Viele Menschen wurden erdrückt, einige wohl auch erstochen. Rund 1000 Menschen sollen verletzt worden sein.

Der Abpfiff war gerade ertönt, als in dem Stadion der nordägyptischen Stadt das Chaos losbrach: Feuerwerkskörper schossen auf den Rasen.

Hunderte Fans der siegreichen Heimmannschaft Al-Masri stürmten auf das Spielfeld. Die Akteure des Erfolgs-Teams Al-Ahly aus Kairo (in Rot) versuchten, sich in der Kabine in Sicherheit zu bringen.

Mehrere Spieler von Al-Ahly riefen in Panik beim vereinseigenen TV-Kanal an, um ihre Situation zu schildern. "Die Sicherheitskräfte haben uns verlassen, sie haben uns nicht verteidigt", schrie Mohamed Abou-Treika in einem dieser Telefonate. "Ein Fan ist gerade im Umkleideraum vor mir gestorben."

Schließlich kündigte der regierende Militärrat an, zwei Militärflugzeuge nach Port Said zu schicken, um die Spieler von Al-Ahly abzuholen, wie das Staatsfernsehen berichtete.

Der ägyptische Fußballverband EFA setzte vorerst alle Spiele aus.

Das ägyptische Parlament kommt an diesem Donnerstag zu einer Sondersitzung zusammen.

Der portugiesische Al-Ahly-Trainer Manuel José (r.) sagte, er habe Dutzende von Toten gesehen. Zahlreiche schwerverletzte Fans seien von Ärzten seines Vereins behandelt worden, viele seien dabei in der Umkleidekabine gestorben.

"Die Schuld hat einzig und allein die Polizei. Es waren Dutzende im Stadion, aber die sind plötzlich alle verschwunden oder haben gar nichts unternommen", sagte der 65-Jährige empört kurz nach den Zwischenfällen im Telefon-Interview mit dem portugiesischen TV-Sender SIC.

Schon die Vorzeichen des Treffens der rivalisierenden Clubs mit ihren Ultra-Fans waren brisant: Vom "Treffen der Vergeltung" sprachen regionale Zeitungen vorab.

Diese Prophezeiung bewahrheitete sich: Kaum war das Spiel mit 3:1 für das Heimteam Al-Masri entschieden und beendet, brachen die Krawalle los.

Unter den Toten sollen auch Sicherheitskräfte sein. Der Leiter eines Krankenhauses in Port Said, Hassan al-Isnawi, sagte der Zeitung "Al-Ahram", viele seien erdrückt worden.

Der Mannschaftsarzt von Al-Ahly wurde von der Zeitung "Al-Masri Al-Youm" mit den Worten zitiert: "Das ist Krieg und kein Fußball."

Trainer José sagte, man habe das Unheil kommen sehen, denn Fans des Heimteams hätten schon vor Spielbeginn das Feld gestürmt und so den Anpfiff um rund eine halbe Stunde verzögert.

Auch in der Halbzeit und nach jedem Tor seien Zuschauer der Heimmannschaft aufs Feld gelaufen. Er selbst sei mit Tritten und Faustschlägen attackiert worden.

"Mir und all unseren Spielern und Trainern geht es aber gut", sagte er von einer Polizeiwache aus. Man müsse die ägyptische Meisterschaft unterbrechen, denn "so kann man nicht spielen".

Er selbst erwäge, das Land zu verlassen. Al-Ahly zählt zu den bekanntesten und wichtigsten Fußballvereinen in Ägypten und war lange Zeit ungeschlagen. (Hier kümmert sich ein Polizist um einen Al-Masri-Fan.)

Der englische Premier-League-Club Liverpool übermittelte auf seiner Homepage sein Beileid. "Wir sind heute Abend in Gedanken bei euch", heißt es auf der Facebook-Seite der "Reds".

Der FC Liverpool war selbst zwei Mal in eine Stadionkatastrophe verwickelt: Im April 1989 starben im Hillsborough-Stadion beim Pokal-Halbfinale gegen Nottingham Forest 95 Menschen, im Mai 1985 starben 39 Menschen im Heysel-Stadiom beim Europacup-Endspiel gegen Juventus Turin.

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