Panorama

Medikamentöser Schutzmantel Ärzte machen Höhlenforscher transportfähig

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Vor der Höhle ist ein Basislager für die Retter eingerichtet worden.

(Foto: dpa)

Seit Tagen liegt der Höhlenforscher Westhauser mit einem Schädel-Hirn-Trauma in etwa 1000 Metern Tiefe. Jetzt erreichen Ärzte die Unglücksstelle und können den Patienten versorgen. Doch die schwerste Etappe liegt noch vor den Rettern.

In der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden haben Ärzte mit der Versorgung des schwer verletzten Höhlenforschers Johann Westhauser begonnen. In der Nacht traf auch der zweite entsandte Arzt bei dem verletzten Stuttgarter ein. Westhauser wird nun von einem österreichischen und einem italienischen Mediziner versorgt.

Der Schwerverletzte ist nach Angaben der Bergwacht Bayern transportfähig, muss jedoch zuvor behandelt werden. "Die Ärzte werden jetzt einen medikamentösen Schutzmantel um den Mann legen", sagte ein Sprecher. Dazu hätten sie spezielle Medikamente angefordert, die noch im Lauf des Tages bei dem Forscher eintreffen sollen. Sobald der Zustand des Patienten es erlaubt, soll mit der Hilfe von sechs internationalen Höhlenretter-Teams die Bergung des Mannes aus der Höhle starten.

Rettung mit vielen Risiken

Viel ist nicht bekannt über den Zustand des verletzten Höhlenforschers - trotz des Höhlen-Kommunikationssystems Cavelink, das Helfer für die Rettung aufgebaut haben. Er sei stabil, fast immer ansprechbar, könne zeitweise mit Hilfe stehen, sagt der Frankfurter Neurochirurg und erfahrene Höhlenarzt Michael Petermeyer, der das Einsatzteam verstärkt. Wie es dem Verunglückten psychisch geht nach Tagen in Dunkelheit und bei Kälte, schwer verletzt und ohne medizinische Hilfe? Zumindest weiß der verunglückte Westhauser, was die Aktion bedeutet. Er ist Höhlenretter, hat an vielen Übungen teilgenommen - und geprobt, was nun für ihn selbst gefährlicher Ernstfall ist.

Inzwischen haben Helfer den Weg für die Rettung präpariert, Fußtritte aus Metallstiften gebaut, Haken gebohrt und zusätzliche Seile gezogen. Experten prüfen Meter für Meter der sieben Kilometer langen Strecke. "Wir haben einige Engstellen, aber keine Stellen, die wir als extrem kritisch erachten", sagt Einsatzleiter Nils Bräunig. Die Frage, ob Stellen für die Rettung zu eng sind, scheint geklärt: "Wir gehen davon aus, dass wir die Passagen ohne Erweiterung passieren können." Wann der Höhenforscher wieder am Tageslicht sein wird, ist trotz allem offen. Es gebe da unten zu viele Unwägbarkeiten, sagt Bräunig. "Wir haben keine Prognose."

Der 52-jährige Forscher war am Sonntagmorgen in rund tausend Metern Tiefe in der schwer zugänglichen Höhle durch einen Steinschlag am Kopf verletzt worden. Die Riesending-Schachthöhle ist die größte und tiefste Höhle Deutschlands. Sie besteht aus engen Gängen, aus über hunderte Meter fast senkrecht abfallenden Kaminen und umwegsamen Canyons, die sich über eine Länge von 19 Kilometer erstrecken. In ihr herrschen Temperaturen von lediglich ein bis drei Grad Celsius. Selbst erfahrene Profis mit entsprechender Ausrüstung bringt die Höhle an den Rand der körperlichen und seelischen Belastungsfähigkeit.

Quelle: n-tv.de, sba/dpa