Panorama
Der kleine Karim ist nur eines von vielen verzweifelten Opfern in Ost-Ghouta.
Der kleine Karim ist nur eines von vielen verzweifelten Opfern in Ost-Ghouta.(Foto: AP)
Mittwoch, 20. Dezember 2017

Karim von Splittern verstümmelt: Baby zeigt das Leid in Ost-Ghouta

Karim ist zwei Monate alt und schon ein sichtbar gezeichnetes Opfer des syrischen Krieges. Er verliert bei Beschuss ein Auge und seine Mutter. Kurz darauf wird er abermals schwer verletzt. Nun wird der kleine Überlebenskämpfer Gesicht einer Kampagne.

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Ein wenige Wochen altes und bereits verstümmeltes Baby aus der belagerten syrischen Region Ghouta ist Gesicht einer Twitter-Kampagne, die mehr Aufmerksamkeit für das Leid der Zivilbevölkerung dort erreichen soll. Der Junge heißt Karim und verlor beim Beschuss eines Marktes im Ort seine Mutter. Er selbst wurde schwer verletzt: Splitter bohrten sich in sein Auge und verletzten seinen Schädel.

Er wurde in einem örtlichen Krankenhaus notdürftig versorgt und erholte sich von der Verletzung – allerdings konnte das Auge nicht gerettet werden. Kurz nach seiner Entlassung nach Hause zum Vater und den Geschwisterkindern trafen Granatensplitter das Haus der Familie und Karim erlitt abermals schwere Verletzungen. Die Nachrichtenagentur AP berichtet, ein Sanitäter habe das bewusstlose Baby unter Raketenbeschuss wieder in ein Krankenhaus gebracht. Wieder überlebte der kleine Junge, der jetzt etwa zwei Monate alt sein soll.

In Ost-Ghouta leben rund 400.000 Menschen seit fünf Jahren unter Belagerung. Lebensmittel sind extrem knapp, in den vergangenen Wochen sollen laut Vereinten Nationen fünf Kinder deshalb gestorben sein. Die medizinische Versorgung ist ebenfalls unzureichend. Laut UN müssten 137 Kinder sofort aus Ghouta herausgeholt werden, um behandelt zu werden. Auch Karim benötigt spezialisierte neurologische Hilfe. Er hat ein Stück seines Schädelknochens verloren, beide Augen müssen professionell behandelt werden, das verlorene Auge braucht zudem eine kosmetische Operation.

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Solidarisierung im Netz

Der Chef für humanitäre Hilfe bei den Vereinten Nationen, Mark Lowcock, zeichnete Anfang dieser Woche im Sicherheitsrat in New York ein dramatisches Bild der Lage in Ghouta: "Kleinkinder, manche nur einen oder zwei Monate alt, werden sterben, wenn nicht sofort die Erlaubnis zur Evakuierung erteilt wird", warnte er. Laut Lowcock seien 16 Menschen gestorben, die aus Ghouta herausgebracht werden sollten, darunter ein 45 Tage altes Baby und ein neun Jahre altes Mädchen. "Alles, was es braucht, ist grünes Licht von den syrischen Behörden, damit diese Menschen nur ein paar Kilometer weiter in Krankenhäuser gebracht werden können."

Der kleine Karim ist also nur eines von vielen verzweifelten Opfern in Ost-Ghouta. Weil der Junge trotz der Verstümmelung so tapfer überlebt hat, und dies gleich zweimal, solidarisierten sich viele Menschen in der Region mit dem Säugling, dessen Vater sich mit Mühe und Not kümmert: Sie posten unter dem Hashtag #solidaritywithkarim in sozialen Netzwerken Fotos, auf denen sie sich das linke Auge zuhalten. Örtliche Ärzte versuchen derweil im Rahmen ihrer Möglichkeiten, die verletzungsbedingten Beschwerden des Babys zu lindern.

Quelle: n-tv.de