Panorama

Karten zeigen Bedrohung weltweit Brände wüten nicht nur in Brasilien

Der Regenwald am Amazonas brennt, Brasiliens Präsident Bolsanero steht international als Buhmann da. Dabei droht die akute Lage in Südamerika eine sehr viel größere Entwicklung zu überdecken. Eine Karte der Nasa zeigt, wo die Welt überall in Flammen steht.

Die Brände in Brasilien haben die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die dramatische Situation der Regenwälder im Amazonasbecken gelenkt. Dort, in der "grünen Lunge" der Erde, kommt es in diesem Jahr tatsächlich zu sehr viel mehr Bränden als im Vorjahr. Riesige Mengen an CO2 und Rauchgasen steigen die Atmosphäre auf. Der Klimaschutz erleidet - von der offiziellen brasilianischen Regierungspolitik ungehindert - einen empfindlichen Rückschlag.

Allerdings brennt es bei Weitem nicht nur in Brasilien. Und längst nicht erst seit dem Amtsantritt von Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro. Das Problem ist tatsächlich sehr viel umfangreicher: Überall auf der Welt dringen Menschen in bislang weitgehend unberührte Waldgebiete vor, um Land urbar zu machen und für den Ackerbau oder die Viehzucht zu nutzen.

Wie viele Feuer derzeit wüten, führt aktuelles Kartenmaterial der Nasa erschreckend deutlich vor Augen:

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Feuer nicht nur am Amazons: Übersicht über alle weltweit von FIRMS registrierten Brände im Zeitraum 25. bis 27. August 2019. Jeder rote Punkt steht für einen größeren Brand.

(Foto: erstellt mit Tableau Public © Mapbox, OpenStreetMap)

Die Daten der regelmäßig aktualisierten Karten des FIRMS-Projekts zeigen Feuer auf beinahe allen Kontinenten. Um die Brandlage in aller Welt zu erfassen, betreibt die US-Raumfahrtbehörde ein speziell auf die Überwachung natürlicher Ressourcen ausgelegtes Satelliten-Netzwerk. Kameras und Infrarotsensoren tasten dabei die Erdoberfläche nach Brandereignissen aller Art ab. Den Tag und Nacht um die Erde kreisenden Beobachtern entgeht so keine einzige größere Flammenquelle, egal ob natürlich entstandenes Feuer oder absichtlich gelegter Waldbrand.

Das aktuelle Kartenmaterial zeigt deutlich: In allen Weltregionen, in denen saisonale Trockenperioden Wald- oder Buschbrände begünstigen, kommt es derzeit zu ausgedehnten Feuern. Besonders intensive Brandereignisse lassen sich aktuell in Afrika, auf Madagaskar und in Indonesien erkennen. Der Vegetation dort drohen dabei ähnliche Faktoren zum Verhängnis zu werden wie im Fall des brasilianischen Regenwalds: Mit den steigenden Preisen für Agrarrohstoffe werden landwirtschaftlich nutzbare Flächen immer wertvoller. Immer mehr Menschen suchen ihr Auskommen - oder ihren Profit - in den bisher unberührten Waldgebieten.

Denn die mit Abstand schnellste und kostengünstigste Methode der Urbarmachung ist noch immer die Brandrodung. Entsprechend intensiv werden künstliche gelegte Waldbrände daher in jenen Weltregionen genutzt, in denen der wirtschaftliche Druck auf die Bevölkerung am größten ist - oder der politische Wille, diese Entwicklung aufzuhalten, am geringsten. Im Süden der Demokratischen Republik Kongo zum Beispiel, wo der Dschungel des Kongobeckens in ausgedehnte Savannenlandschaften übergeht, wüten die Flammen derzeit in ähnlich dramatischen Ausmaßen wie am Amazonas.

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Auch in Indonesien wird rücksichtslos gerodet: Hier ist es allerdings nicht die Nachfrage nach Rindfleisch und Sojaprodukten, mit der der Weltmarkt die Entwaldung ankurbelt. Die neu gewonnnenen Flächen in Indonesien dienen vor allem der Palmöl-Produktion.

Die Karten des Nasa-Projekts zeigt allerdings auch leuchtend rote Punkte weit abseits bewaldeter Weltregionen. Brandherde registrierten die Satelliten ebenso in Nordamerika, im Nahen Osten und selbst in der Sahara, wie die Übersicht der Brandherde nach Kontinenten aufzeigt (unter dem Text). Dort brennen keine Urwaldriesen, sondern hier leuchten jene Feuer auf, die bei der Öl- und Erdgasförderung durch das Abfackeln überschüssiger Nebenprodukte entstehen.

Die von der Nasa ausgewerteten Daten sind tatsächlich so genau, dass sie auch einzelne natürlich entstandene Waldbrände in Deutschland erfassen wie etwa zuletzt das Feuer bei Jüterbog in Brandenburg. Allerdings liefert die Nasa-Karte generell nur eine grobe Übersicht, an welchen Stellen der Erdoberfläche die Sensoren ein Feuer registriert haben - egal welcher Größe. Hinweise zum tatsächlichen Umfang der einzelnen Brandherde ergeben sich aus dieser Darstellung nicht.

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Waldsterben im Zeitraffer

Mit welchem Tempo der Regenwald Brasiliens verschwindet, lässt sich auf allgemein zugänglichen Satellitenbildern mit bloßem Auge erkennen. Schon vor Jahren etwa stellte der US-Internetriese Google ein Projekt vor, das die Abholzung der Urwälder in verschiedenen Regionen Südamerikas im Zeitraffer darstellt.

Eine dieser Animationen zeigt zum Beispiel eine Region im brasilianischen Bundesstaat Rondonia, die direkt an das Amazonasbecken anschließt. Hier schreitet die staatlich geförderte Erschließung besonders schnell voran:

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Warum alle Welt nach Brasilien schaut

Dass sich die Welt derzeit vor allem auf die Brände in Brasilien konzentriert, lässt sich mit politischen Faktoren erklären. Seit dem Amtsantritt des ultrarechten Staatschefs Bolsonaro zu Jahresbeginn hat sich die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes wieder deutlich beschleunigt. Mit der einsetzenden Trockenzeit in Brasilien stieg dann auch die Zahl der saisonal üblichen Brände massiv an.

Kritiker im In- und Ausland machen dafür vor allem den rechtspopulistischen Kurs der brasilianischen Regierung verantwortlich. Bolsonaro ist erklärter Klimawandelskeptiker und pflegt Kontakte zur Agrarindustrie, die neue Flächen für den Anbau von Soja und die Rinderzucht benötigt - auch für das lukrative Exportgeschäft mit Abnehmern in Europa. Das Ausmaß der legalen und illegalen Abholzung im brasilianischen Tempo legte zuletzt kräftig zu.

Besonders wütend reagierten Umweltschützer, dass Bolsonaro Warnungen der brasilianischen Raumfahrtbehörde INPE - die auch für die Auswertung von Satellitendaten verantwortlich ist - zunächst als abwegig und übertrieben abtat. Zeitweise unterstellte er Klimaschützern, die Brände im Kampf gegen seine Politik selbst gelegt zu haben.

Für das empfindliche Ökosystem Regenwald stellen Abholzung und Brandrodungen eine existenzielle Bedrohung dar. Allein in den ersten acht Monate des laufenden Jahres verzeichnete Brasilien bereits mehr als 82.000 Einzelfeuer. Damit liegt die Anzahl der Brände in der Region schon jetzt weit über den Vorjahreswerten und auf dem höchsten Stand seit 2010.

Und: Die Trockenzeit, in der die Brände sich auch in bislang intakte Waldflächen ausdehnen können, dauert in der Region noch bis Oktober. Seit 1998 war die Zahl der von INEP registrierten Brände in Brasilien im September fast immer höher als im August. Die einzige Ausnahme war das Jahr 1999.

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Anmerkung: In einer früheren Fassung dieses Beitrags fehlte die Erklärung, dass die Daten des Nasa-Projekts lediglich eine Übersicht zur Anzahl und der Lage aller aktuell registrierten Brände darstellen und keine Rückschlüsse zum Ausmaß des jeweiligen Feuers ermöglichen. Wir haben diese Angaben ergänzt und den Titel gekürzt.

Hinweis zu den Grafiken

Aufgrund der großen Datenmengen, die hinter den Brand-Karten liegen, kann es vor allem bei Mobilnutzern zu langen Ladezeiten der Grafiken kommen. Über die folgenden Links können Sie die einzelnen Karten auch direkt aufrufen und die gesamte Bildschirmgröße zur Ansicht nutzen:

 

 

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Quelle: n-tv.de

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