Panorama

Katastrophe in 5360 Metern Höhe Deutscher filmte den Tod am Everest

Als am Samstag kurz vor zwölf am Mount Everest die Erde bebt, zieht der deutsche Bergsteiger Jost Kobosch sein Smartphone aus der Tasche. Er filmt ein Jahrhundertereignis - eine gigantische Lawine, die vielen Menschen den Tod bringt.

Das Plateau für das nepalesische Everest-Basislager auf 5360 Metern galt bislang als sicher. So sicher, dass es in der Hochsaison am Mount Everest als Zeltstadt genutzt werden kann. An der Südseite des 8848 Meter hohen Berges gelegen, bietet es Schutz für etwa 1000 Bergsteiger, Sherpas, Guides, Helfer und Trekkingtouristen. Als sich am späten Samstagmorgen das wohl schwerste Erdbeben am Himalaya ereignete, wähnten sich die Bewohner des Basislagers in relativer Sicherheit - bis ein kräftiges Nachbeben einen Hang rund 800 Höhenmeter über dem Lager in Bewegung versetzt.

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Auf dem Sattel löste sich durch das Beben ein riesiger Eisblock, der auf einen darunter liegenden Hang stürzte und eine enorme Staub-, Schnee und Gerölllawine auslöste. Bergsteiger sprechen von einer Katastrophenlawine. Erstmals in der noch recht jungen Geschichte des Massentourismus am Mount Everest erreichte eine solche Lawine das sicher geglaubte Basislager. Mit hoher Geschwindigkeit stürzten Eis- und Schneemassen sowie große Mengen an Geröll auf die Zeltstadt zu. Augenzeugen berichten, die Lawine sei wie eine 50 Stockwerke hohe weiße Wand auf sie zugerast. Der deutsche, 22 Jahre alte Bergsteiger Jost Kobusch hat die Lawine gefilmt und die dramatischen Bilder auf Youtube veröffentlicht.

Wie viele Bergsteiger genau im Basislager ihr Leben verloren, ist noch immer nicht ganz klar. Nach Angaben des nepalesischen Tourismusministeriums wurden bisher 22 Tote aus der Region um den höchsten Berg der Erde geborgen: 17 direkt aus dem Basislager, fünf weitere aus tiefer gelegenen Gebieten. Über 200 Menschen würden aber noch in dem Gebiet vermisst.

Augenzeugen gehen davon, dass sich die Zahl der Opfer noch weiter erhöhen wird. Der 38 Jahre alte Meeresbiologe George Foulsham berichtete: "Ich rannte weg, und dann schmiss es mich hin. Ich versuchte aufzustehen und wurde wieder niedergestreckt. Ich konnte nicht atmen, ich dachte ich wäre tot." Ihre Rettung ist derzeit nur mit Hubschraubern möglich, da der Rückweg zum sogenannten Lager 2 von den Geröllmassen verschüttet ist. Zudem erschüttern immer noch Nachbeben die Hänge am Mount Everest.

"Absolut monströs"

"Auf eigene Faust wagt derzeit niemand den Abstieg", berichtet der US-Amerikaner Eric Simonson, Mitinhaber des Expeditionsanbieters International Mountain Guides auf Facebook. Simonson war zum Zeitpunkt des Unglücks im Lager. Die Gewalt der Lawine beschreibt er auf seinem Blog als "absolut monströs". Die Lawine habe zusammen mit einer starken Druckwelle den oberen Teil des Basislagers auf dem Khumbu Gletscher nahezu komplett zerstört. Viele Zelte seien zerfetzt und begraben. "Wegen der vielen Gesteinsbrocken, die mit der Lawine über das Lager rollten, gab es im oberen Teil des Basislagers sehr viele Schwerverletzte", berichtet er. Dass eine Lawine überhaupt bis zum Basislager habe vordringen können, sei ein Jahrhundertereignis.

Andere Bergsteiger berichten, dass mehr als 100, teils ebenfalls verletzte Bergsteiger, sich noch in den Hochlagern oberhalb des Camps befinden, so auch am sogenannten Eisfall. Die Gefahr besteht, dass die gigantischen Eistürme bei dem Beben eingestürzt sein könnten. Bis Montagfrüh konnte noch kein Kontakt zu der Gruppe aufgenommen werden. Aktuell sollen weitere Nachbeben zu Lawinenabgängen an drei Stellen rund um Camp 1 abgegangen sein.

Die Internetkonzerne Facebook und Google helfen mit zusätzlichen Funktionen bei der Suche nach Freunden im Erdbebengebiet im Himalaya. Das soziale Netzwerk Facebook startete einen "Safety Check": Damit können Nutzer ihren Status auf "sicher" stellen, um ihre Freunde wissen zu lassen, dass es ihnen gut geht. Googles "Personenfinder" lässt auch zu, dass Nutzer Informationen über Dritte angeben - etwa wenn sie mit jemandem im betroffenen Gebiet telefoniert haben.

Quelle: n-tv.de, ppo