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150 Menschen kommen ums Leben Die Geschichte von Unglücksflug 4U9525

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Screenshot von flightradar24.com

Um 10.53 Uhr bricht der Kontakt zum Airbus A320 ab, der auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf ist. Was bis dahin geschah, lässt sich rekonstruieren.

Eigentlich hätte Flug 4U9525 schon um 9.35 Uhr vom Flughafen El-Prat in Barcelona abheben sollen. Es kommt zu einer Verspätung, nichts Ungewöhnliches. Um 9.52 Uhr sind die Passagiere an Bord, von 147 Sitzplätzen sind 144 besetzt. Außerdem befinden sich zwei Piloten und vier Flugbegleiter im Flugzeug. Die Maschine rollt auf die Startbahn. Um 10.01 hebt sie in nordöstlicher Richtung ab, das Ziel ist Düsseldorf.

Unter den Passagieren befinden sich wohl 45 Spanier und 67 Deutsche. Darunter sind auch 16 Schüler aus Haltern und ihre beiden Lehrerinnen.

Der A320 ist ein bewährtes Flugzeug. Etwa 3700 davon gibt es weltweit, ein Erfolgsprodukt der Firma Airbus. Nahezu alle großen Airlines haben Flugzeuge der A320-Familie im Einsatz. Es ist ein Produkt mit einer "fantastischen Sicherheitshistorie", sagt ein Germanwings-Sprecher.

Flug 4U9525 wird an diesem Dienstag mit der Maschine namens "Mannheim" durchgeführt, ihre Kennung ist D-AIPX. Das Flugzeug hatte am 29. November 1990 seinen Jungfernflug, am 6. Februar 1991 wurde es an die Lufthansa ausgeliefert, vor kurzem ging es in die Flotte der Billigflugtochter Germanwings über. Der letzte Routinecheck der Maschine fand am Montag in Düsseldorf statt, der letzte reguläre C-Check, eine mehrtägige Untersuchung, wurde im Sommer 2014 vorgenommen.

Der Pilot, der die A320 steuert, ist seit über 10 Jahren für Lufthansa und Germanwings im Einsatz. Laut Germanwings hat er schon über 6000 Flugstunden auf Airbus-Maschinen absolviert.

Unerwarteter Sinkflug nach einer Minute

*Datenschutz

Er zieht die Maschine hoch, der Steigflug verläuft wohl normal. Weil Flugzeuge regelmäßig ihre Daten zum Boden funken, ist der Verlauf des Fluges gut nachzuvollziehen. Auf flightradar24.com kann man den Ablauf verfolgen: Um 10.45 Uhr ist die Reiseflughöhe von 38.000 Fuß, umgerechnet 11.500 Meter, erreicht. Da befindet sich das Flugzeug noch über dem Mittelmeer, kurz vor der französischen Küste.

Der Pilot sendet keinen Notruf und beantragt auch nicht, von der vorgesehenen Reisflughöhe abzuweichen. Dennoch sinkt die Maschine nach nur einer Minute wieder. Sie bewegt sich über das französische Departement Alpes-de-Haute-Provence, verliert immer schneller an Höhe und wird langsamer. Um 10.53 Uhr, bei 6000 Fuß (rund 1800 Meter), bricht der Funkkontakt ab. Die Berge in dieser Region sind teilweise höher.

Gut eine halbe Stunde später melden französische Medien den Absturz eines Airbus in der Region. Die Maschine ist in einem unwegsamen Gebiet, einem Ausläufer der französischen Alpen, aufgeschlagen. Mit Autos ist die Gegend nicht befahrbar. Der nächstgelegene Ort ist Prads-Haute-Bléone. Ein Hubschrauber überfliegt die Unfallstelle. Da ist dann klar: Überlebende kann es bei diesem Absturz nicht gegeben haben. Die Bergung der Opfer wird mehrere Tage dauern.

Wie die Vorgänge zu erklären sind, lässt sich nur mutmaßen. Im November hatte eine ähnliche Maschine, ein A321, Probleme mit dem Bordcomputer. Wegen vereister Sensoren leitete das Flugzeug einen Sinkflug ein, der die Piloten nur durch ein Abschalten des kompletten Computersystems aufhalten konnten. Germanwings teilte aber mit, im abgestürzten A320 sei der Computer ausgetauscht worden, der Fehler solle damit ausgeschlossen sein.

Das Wetter war gut, die Reiseflughöhe – und damit der sicherste Teil einer Flugreise – war schon erreicht. Experten haben bisher keine Hinweise darauf, was die Absturzursache sein könnte. Mit der am späten Nachmittag geborgenen Blackbox kann nun zumindest die Aufklärung beginnen.

Merkel, Steinmeier, Dobrindt und Kraft reisen nach Frankreich

Auf dem Düsseldorfer Flughafen warten schon Freunde und Verwandte darauf, ihre Angehörigen abzuholen. Als klar wird, dass die Maschine aus Barcelona nie in Düsseldorf landen wird, stellt ihnen der Flughafen die VIP-Lounge zur Verfügung und organisiert die Anwesenheit von Seelsorgern.

In Köln gibt Germanwings eine Pressekonferenz. Ein Team von Lufthansa, Airbus, Germanwings und Lufthansa-Technik sei auf dem Weg zur Absturzstelle um das bestmögliche zur Untersuchung beizutragen, sagt ein Sprecher.

Politiker aus Deutschland kondolieren den Angehörigen der Opfer. "Meine Gedanken und meine Anteilnahme und die der ganzen Bundesregierung sind bei den Angehörigen derer, die jäh ihr Leben verloren haben", sagt Angela Merkel. Bundespräsident Joachim Gauck bricht seine Staatsbesuche in mehreren lateinamerikanischen Staaten vorzeitig ab. Der spanische König Felipe VI. ist gerade beim französischen Staatspräsidenten Françoise Hollande in Paris zu Gast. Gemeinsam treten sie vor die Presse. Der König verkündet, seinen Staatsbesuch abzubrechen.

International richten viele Staats- und Regierungschefs den Deutschen und Spaniern ihre Anteilnahme aus. Auch der russische Präsident Wladimir Putin kondoliert: "Russland teilt die Trauer jener, die bei dieser Tragödie ihre Angehörigen verloren haben", so Putin.

Aus Deutschland machen sich Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Verkehrsminister Alexander Dobrindt auf den Weg in die Unglücksregion. Am Mittwoch werden auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, nach Frankreich reisen.

Quelle: n-tv.de

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