Panorama

Kündigte Charleston-Mörder Tat an? Internet-Manifest offenbart Rassen-Hass

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Dylann R. bei seiner Anhörung vor Gericht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Was geht in dem Kopf eines Menschen vor, der neun wehrlose Menschen erschießt? Auf einer Webseite taucht ein Manifest auf, das offenbar von dem Charleston-Attentäter verfasst wurde. Es liefert einen erschreckenden Blick in seine hasserfüllte Gedankenwelt.

Die Hinweise darauf, dass der mutmaßliche Charleston-Attentäter Dylann R. ein rassistisch motivierter Einzeltäter war, verdichten sich. Im Internet ist ein Manifest auf einer Webseite aufgetaucht, die aller Wahrscheinlichkeit nach von dem mutmaßlichen Todesschützen ins Leben gerufen wurde. Dem 21-Jährigen wird vorgeworfen, am Mittwoch in einer afroamerikanischen Kirche neun Menschen kaltblütig erschossen zu haben. Auf der Webseite stehen zahlreiche Fotos von R. zum Download bereit, auf denen er mit Waffen oder der Kriegsflagge der Konförderation posiert, die zum Beispiel auch vom rassistischen Ku-Klux-Klan als Symbol benutzt wird.

Nach Angaben der "New York Times" wurde die Webseite im Februar unter dem Namen Dylann R. registriert. Wie die "Washington Post" berichtet, prüfen die Ermittler derzeit, ob der Text tatsächlich von dem Angeklagten verfasst wurde.

Die auf der Webseite veröffentlichten Worte passen in das Bild, das man von dem mutmaßlichen Attentäter hat - und sie nehmen an einer Stelle sogar konkreten Bezug auf den Ort Charleston, wo sich die Bluttat ereignete. Der veröffentlichte Text zeichnet in kurzen Zügen den ideologischen Werdegang des Autors nach, um dann krude, rassistische Thesen zu verbreiten. "Ich bin nicht in einem rassistischen Umfeld aufgewachsen", beginnt das Manifest. "Das Ereignis, das mich wirklich wachgerüttelt hat, war der Trayvon-Martin-Fall", schreibt der Autor.

"Eine Erklärung"

Besonders viel Raum widmet er seinen Hass-Tiraden gegen Schwarze, schreibt aber auch über Juden, Lateinamerikaner und Asiaten. Schwarze, so der Verfasser, hätten generell einen niedrigeren IQ und einen höheren Testosteron-Level und seien deshalb gewalttätig. Der Text schließt mit einem Absatz, der überschrieben ist mit: "Eine Erklärung". Darin nimmt der Autor konkret Bezug auf das Attentat in Charleston: "Ich habe keine Wahl. Ich bin nicht in der Position, allein in ein Ghetto zu gehen und zu kämpfen. Ich habe Charleston ausgewählt, weil es die historischste Stadt in meinem Staat ist und zeitweise den höchsten Anteil von Schwarzen im Vergleich zu Weißen gehabt hat."

In der kruden Weltsicht des Autoren bestand offenbar Handlungsbedarf. Er schließt seinen Text mit den Worten: "Wir haben keine Skinheads, keinen echten Ku-Klux-Klan, niemanden, der irgendetwas tut, außer im Internet zu reden. Nun, irgendjemand muss den Mut besitzen, die Sache in die echte Welt zu tragen. Und ich schätze, das muss ich sein."

Quelle: ntv.de, fma