Panorama

Resistenter Krankenhauskeim Jüngster Infizierter ist 14

Am Kieler Universitätsklinikum wütet ein Keim, gegen den kein herkömmliches Mittel mehr hilft. Fünf Menschen sind bereits daran gestorben. Unter den Infizierten ist auch 14-Jähriger.

Der jüngste Patient mit einem multiresistenten Keim, der im Universitätsklinikum (UKSH) in Kiel behandelt wird, soll ein 14-Jähriger sein. Dies berichtete das NDR Fernsehen unter Berufung auf die Klinik. Klinikchef Jens Scholz sagte in der TV-Sendung, es sei nicht auszuschließen, dass weitere der aktuell 14 Patienten, bei denen der gegen praktisch alle Antibiotika resistente Keim Acinetobacter baumannii nachgewiesen worden sei, noch sterben könnten. Allerdings müsse dies nicht eine Folge des Keims sein, sondern der ohnehin sehr schweren Erkrankungen der Patienten.

Unter den fünf Verstorbenen ist auch der mutmaßliche Überträger der Infektion. Der 74-Jährige hatte zuvor seinen Urlaub in der Türkei verbracht. Ein Sprecher des Klinikums sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Altersgruppe der Gestorbenen reiche von "jung bis alt". Genauere Angaben machte er nicht.

Nicht alle Patienten bei denen das Bakterium nachgewiesen wurde, sind auch daran erkrankt. Der Sprecher des UKSH, Oliver Grieve, hatte am Freitag gesagt, die gestorbenen Patienten seien zwischen 25 und 80 Jahre alt gewesen.

Warten auf die Testergebnisse

Das Klinikum hat eine Reihe von Sicherheitsmaßnahmen getroffen, damit sich der Erreger nicht weiter verbreitet. Dazu gehört, dass der Campus in Kiel bis auf weiteres künstlich beatmete, internistische Notfallpatienten nicht aufnimmt. Die internistische Intensivstation bleibt bis auf weiteres geschlossen. Außerdem ist eine von insgesamt drei Einheiten der operativen Intensivstation isoliert, um die dort liegenden Patienten, die auch den Keim in sich tragen, gesund zu pflegen.

Laut UKSH werden zurzeit alle Patienten aus dem Umfeld der infizierten Menschen auf den Keim getestet. Bis die Ergebnisse der Abstriche vorliegen, dauert es normalerweise fünf Tage.

Der Umweltkeim Acinetobacter baumannii und andere Arten aus dieser Bakteriengruppe entwickeln derzeit in zunehmendem und besonders ausgeprägtem Maße Resistenzen, die therapeutischen Möglichkeiten werden knapp. Bei Patienten verursachen die Erreger vor allem Lungenentzündungen, Wundinfektionen und Sepsis. In Deutschland spielt der Keim bisher eine vergleichsweise geringe Rolle, in vielen Ländern zählt er jedoch zu den wichtigsten Krankenhauskeimen überhaupt, vor allem auf Intensivstationen.

Quelle: ntv.de, sba/dpa

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