Panorama

Sprengen in der Hitze Lasst den Rasen ruhig braun werden

Ein Rasensprenger im Einsatz. Foto: Hauke-Christian Dittrich/Archivbild

Rasensprenger verbrauchen eine Menge Wasser - daher sollte man bei ihrem Gebrauch einiges beachten.

(Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa)

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Sie gehören in Deutschland zum Garten einfach dazu: Rasensprenger. Doch wird dabei nicht Wasser verschwendet? Sollten Gartenbesitzer das Grün braun werden lassen? Noch ist Wasser zwar nicht knapp, doch einiges spricht dafür.

An heiteren Sommerabenden sind sie überall in deutschen Gärten zu sehen: Rasensprenger, die das Leitungswasser über den Garten spritzen und hindurchspringende Kinder glücklich machen. Doch ist das eigentlich noch zeitgemäß? Gerade erst brannte in Brandenburg tagelang der Wald und in den kommenden Tagen rollt die nächste Hitzewelle übers Land. Können wir es uns da noch erlauben, Trinkwasser nur fürs schöne Grün zu nutzen?

Die kurze Antwort: Ja, aktuell in der Regel schon. Denn noch hat Deutschland kein flächendeckendes Wasserproblem. Die lange Antwort: Nein, denn die Lage ist komplizierter. Die Privathaushalte werden zu 60 bis 100 Prozent aus dem Grundwasser versorgt. Die Pegel sinken aber seit Jahren. Insofern ist es sinnvoll, Wasser zu sparen. "Das ist eine vernünftige Vorsichtsmaßnahme, damit das Wasser auch morgen noch auskömmlich vorhanden ist", sagt Jörg Rechenberg vom Umweltbundesamt (UBA) ntv.de. Man solle es ernst nehmen, wenn die eigene Stadt oder Gemeinde verbietet, zu bestimmten Zeiten zu wässern. Das bedeute, dass bereits jetzt dort eine Wasserknappheit drohe. In Brandenburg ist das teils schon der Fall. So deckelte der Wasserverband Strausberg-Erkner den Verbrauch von Neukunden auf 105 Liter pro Person.

Auf den ersten Blick ist Deutschland aber weit von Wassermangel entfernt. So geht man davon aus, dass jedes Jahr 188 Milliarden Kubikmeter Wasser zur Verfügung stehen und nur 24 Milliarden benötigt werden. Das seien 12,8 Prozent, rechnet Rechenberg vor. Erst bei einem Verbrauch von 20 Prozent spreche man von "Wasserstress", so der Experte für Wasserversorgung. Die gute Nachricht dabei: Seit 1991 ist der Gesamtwasserverbrauch in Deutschland fast um die Hälfte gesunken. Hinzu kommt, dass mehr als die Hälfte, 52,9 Prozent des Wassers, als Kühlwasser für Atom- und Kohlekraftwerke verwendet wird. Dieser Verbrauch dürfte mittelfristig wegfallen, wenn die Meiler wie angekündigt vom Netz gehen.

Bis zu 50.000 Liter für den Rasen

Also alles paletti? Nicht ganz, denn die Zahlen führen in die Irre - zunächst einmal stammen die 188 Milliarden Kubikmeter Gesamtangebot aus dem 30-jährigen Mittel, das zwischen 1961 und 1991 ermittelt wurde. Rechenberg zufolge lag die Gesamtwassermenge seit 2003 aber jedes Jahr, außer 2007, darunter. Im trockenen Jahr 2018 seien es sogar nur 119 Milliarden Kubikmeter gewesen. Deutschland ist dem "Wasserstress" also näher, als die offiziellen Zahlen nahelegen. Das Kühlwasser für die Kraftwerke entstammt außerdem meist Flüssen und wird auch dorthin zurückgeleitet. Wird die Kühlung nicht mehr benötigt, bringt das nur wenig für das Grundwasser. Auf Industrie und Bergbau entfällt knapp ein Viertel des deutschen Wasserverbrauchs, wovon wiederum "nur" rund ein Drittel aus Grundwasser gedeckt wird.

Das Grundwasser aber ist besonders wichtig für die Natur, für Wälder und Feuchtgebiete - und die Verbraucher. Die Pegelstände sinken aufgrund ausbleibender oder sich verschiebender Niederschläge seit Jahren. Sie verlagern sich zum Winter hin und kommen immer öfter als Starkregen herunter. Das kommt dem Grundwasser kaum zugute, weil das Wasser im Schwall oberflächlich abfließt und nur zu kleinen Teilen versickert. Hinzu kommt: Je wärmer es wird, desto mehr verbrauchen die Privatleute - fürs Duschen, fürs Planschbecken und für den Rasensprenger. Wie sich die Privatleute verhalten, ist also relevant. Insgesamt machen sie 22 Prozent des deutschen Wasserverbrauchs aus. "Dabei darf man auch Qualität und Quantität nicht separat denken", sagt Rechenberg. Denn oftmals sei das vorhandene unterirdische Wasser nicht nutzbar, weil die Nitratbelastung zu hoch sei - infolge landwirtschaftlicher Düngung.

Ist der Rasensprenger nun also eine Umweltsünde oder nicht? Wie so oft lautet die Antwort: Kommt drauf an. Rechenberg zufolge, kann man konservativ gerechnet 18.000 bis 30.000 Liter Wasser im Jahr nur für den Rasen verbrauchen - wenn man von 100 Quadratmetern Fläche und einem Verbrauch von 15 bis 25 Litern pro Quadratmeter und drei Monate Sprengzeit ausgeht. Bei fünf Monaten seien es schon bis zu 50.000 Liter. Zum Vergleich: Pro Kopf und Jahr liegt der Wasserverbrauch in Deutschland bei rund 47.000 Litern.

"Der Rasen kommt wieder"

Was für Wassermassen da zusammenkommen, zeigt sich beispielsweise in der Hauptstadt. "In Berlin ist die Wassernutzung eng mit der Wettervorhersage verbunden", wie Astrid Hackenesch-Rump von den Berliner Wasserbetrieben ntv.de sagt. Sei Regen angesagt, sinke der Wasserverbrauch um rund 100.000 Kubikmeter, weil die Leute dann ihre Gärten nicht wässerten. Das ist ein beträchtlicher Teil des hauptstädtischen Gesamtverbrauchs, der in der Spitze bei rund 800.000 Kubikmeter liege. Am Sonntag seien es bei gut 20 Grad beispielsweise 642.000 gewesen.

Die große Frage beim Rasensprengen ist, wann man es tut. "Die beste Zeit, den Rasen zu sprengen, ist der frühe Morgen zwischen vier und sechs Uhr", sagt Sprecherin Hackenesch-Rump. "Dann sind Boden und Luft kühl und es verdunstet nur wenig Wasser." Außerdem solle man den Rasensprenger nicht für das Beet nutzen, weil das Wasser dann nur die Oberfläche erreiche. Ein Bewässerungssystem mit Zeitschaltuhr eigne sich da besser. Dann muss man auch nicht so früh aufstehen.

UBA-Experte Rechenberg fügt hinzu, dass man lieber einmal die Woche stark als täglich wenig bewässern sollte. Denn dann wachsen die Wurzeln des Rasens stärker in die Tiefe, statt nur an der Oberfläche zu bleiben, wo das Wasser ankommt. Wird der Rasen am Tag gesprengt, verdunste mitunter mehr Wasser als im Boden und bei den Pflanzen ankomme. Er plädiert dafür, den Rasen braun werden zu lassen. "Der kommt wieder." Sinnvoller sei es, Bäume und Büsche zu gießen. Hackenesch-Rump von den Berliner Wasserbetrieben fragt zudem, ob es wirklich immer der englische Rasen sein muss. "Kann ich nicht stattdessen schauen, welche Pflanzen gut mit größerer Hitze zurechtkommen? Lavendel geht zum Beispiel super."

(Dieser Artikel wurde am Montag, 18. Juli 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de

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