Panorama

Flüchtlingsboot kentert vor Libyen Retter befürchten Hunderte Tote

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Im Mittelmeer starben in diesem Jahr bereits mehr als 2000 Menschen.

(Foto: REUTERS)

Es könnte eines der schwersten Unglücke der vergangenen Monate sein: Vor der Küste Libyens kentert ein Flüchtlingsboot mit Hunderten Menschen an Bord. Nur 250 können bislang gerettet werden.

Nach einem erneuten Bootsunglück im Mittelmeer wird der Tod Hunderter Flüchtlinge befürchtet. Ihr Boot kenterte vor der Küste Libyens, wie die italienischen Küstenwache bestätigte. Möglicherweise hatten die Migranten das Boot selbst unbeabsichtigt zum Kentern gebracht, weil sich viele Menschen beim Anblick eines rettenden Schiffes auf eine Bordseite gedrängt hatten.

Etwa 250 Migranten seien in Sicherheit gebracht worden, sagte ein Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR unter Berufung auf die Küstenwache. Demnach sollen insgesamt 600 Menschen an Bord gewesen sein. 16 Leichen konnten geborgen werden. Es wäre eines der schlimmsten Flüchtlingsdramen im Mittelmeer der vergangenen Monate.

Die "Times of Malta" schrieb von 700 Menschen an Bord. Nach Angaben der maltesischen Hilfsorganisation Migrant Report könnten bis zu 600 Menschen ums Leben gekommen sein. "Es gibt die Befürchtung, dass viele Menschen noch an Bord waren", sagte der UNHCR-Sprecher. Die Rettungsaktionen an der Unglücksstelle waren am späten Nachmittag noch im Gange, mehrere Boote waren im Einsatz. Auch die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen und die private Rettungsmission MOAS aus Malta sowie die italienische Marine waren im Einsatz.

Tödlichste Route startet in Libyen

Ein irisches Schiff wollte dem Flüchtlingsboot zur Hilfe eilen, als sich das Unglück ereignete. Dann bewegten sich offenbar viele Menschen an Bord auf eine Seite des Schiffs, um die Retter zu erreichen. Daraufhin kenterte das Boot und sank schnell. Das Unglück soll sich etwa 28 Kilometer vor der libyschen Küste ereignet haben. Der Alarm war am Mittag ausgelöst worden, die Küstenwache schickte daraufhin mehrere Boote zur Unglücksstelle.

Es könnte das schlimmste Unglück im Mittelmeer der vergangenen Monate sein. Im April waren Hunderte Migranten ertrunken, als ihr Schiff kenterte. Am Dienstag hatte die Internationale Organisation für Migration (IOM) eine vorläufige Bilanz veröffentlicht, wonach in den ersten sieben Monaten des Jahres mehr als 2000 Flüchtlinge auf dem Mittelmeer ums Leben gekommen sind. Die tödlichste Route ist demnach die von Libyen nach Italien.

Fast 100.000 Bootsflüchtlinge sind in diesem Jahr bislang über das Mittelmeer nach Italien gelangt. In Griechenland sind es fast genauso viele, aber der Seeweg von der Türkei zu einer griechischen Insel ist erheblich kürzer. Schlepper setzen oft alte und kaum seetüchtige Boote ein, weshalb es immer wieder zu Unglücken kommt.

Quelle: ntv.de, ghö/dpa

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