Panorama

Daten und Fakten zum Coronavirus So brenzlig ist die Lage an der Laborfront

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Seit dem Frühjahr veröffentlicht das RKI wöchentlich die deutschen Corona-Testzahlen.

(Foto: dpa)

Deutschland setzt auf eine neue "Nationale Teststrategie", um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen. Steigen die Fallzahlen schneller, wenn mehr Menschen getestet werden? ntv.de liefert die Daten zur Debatte um die Corona-Tests.

Die Situation verschärft sich plötzlich dramatisch: Das Coronavirus breitet sich nach dem vergleichsweise niedrigen Fallaufkommen während des Sommers nun im Herbst mit rapide anwachsender Dynamik in der Bevölkerung aus.

Teil der Maßnahmen, mit denen sich Bund und Länder gegen die Ansteckungswelle stemmen, ist die seit 15. Oktober geltende neue "Nationale Teststrategie". Diese sieht grundsätzlich eine Ausweitung der Tests vor – auch unter Einsatz von schnelleren und günstigeren Antigentests, um drohende Engpässe in den Laboren zu vermeiden.

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Das Robert-Koch-Institut (RKI) drängt auf eine möglichst rasche Entdeckung möglichst aller infizierten Personen. Nur so könnten Infektionsketten unterbrochen und die weitere Ausbreitung des Virus eingedämmt werden, heißt es. Doch was heißt das in der Praxis? Seit dem Frühjahr erfasst das RKI die Sars-CoV-2-Testzahlen in Deutschland und veröffentlicht diese wöchentlich in seinen Situationsberichten. ntv.de bereitet diese Daten regelmäßig in Einzelgrafiken auf.

Zahl der Labortests nach Kalenderwoche

Im Vergleich zum Frühjahr wird in Deutschland inzwischen deutlich mehr getestet. Der Grund sind erhöhte Laborkapazitäten, die in den vergangenen Monaten massiv ausgeweitet wurden. Aber auch Änderungen bei der Teststrategie trugen zu höheren Testzahlen bei, wie beispielsweise die phasenweise Einführung verpflichtender PCR-Tests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten. Genau diese Test-Pflicht aber führte zwischenzeitlich zu einer Überlastung der Labore. Für die anstehenden Monate im Herbst und Winter wurden die Vorgaben daher wieder geändert und die Teststrategie neu ausgerichtet.

Entwicklung der Positivenquote

Während der ersten Welle im Frühjahr lag der Anteil positiver Befunde - also jene Fälle, in denen das Virus nachgewiesen wurde - an der Gesamtzahl der durchgeführten Tests phasenweise bei etwa 10 Prozent. Mit der Entspannung der Corona-Lage ab Mai sank die Positivenquote, während die Zahl der Tests kontinuierlich anstieg.

Seit Anfang September (Kalenderwoche 36) ist eine Umkehr dieses Trends zu beobachten: Obwohl die Zahl der Tests weiter steigt, bewegt sich auch die Positivenquote wieder nach oben. Mitte Oktober erreichte sie den inzwischen höchsten Stand seit Anfang Mai.

Probenrückstau in Testlaboren

Seit Ende März, Anfang April (Kalenderwoche 14) weist das RKI in seinen Situationsberichten auch die Zahl der Labore aus, die einen Probenrückstau aufgrund zu geringer Testkapazität melden. Zudem wird auch die Zahl der Labore angegeben, die Engpässe bei der Belieferung mit Reagenzien melden.

Rückgrat der deutschen Teststrategie waren bisher die sogenannten PCR-Tests, die Erbgut des Virus vergleichsweise gut nachweisen. Das Verfahren gilt als hochsensibel und vergleichsweise aufwändig. Die Proben muss medizinisch ausgebildetes Personal entnehmen, den Rest übernimmt dann ein entsprechend ausgestattetes Labor. Und hier zeichnen sich neue Engpässe ab: "Insgesamt hat der Rückstau an PCR-Proben seit KW 32 stark zugenommen", stellt das RKI fest.

Für die kommenden Wochen warnen Experten explizit vor weiteren Schwierigkeiten - nicht nur beim Materialnachschub, obwohl die theoretische wöchentliche Testkapazität in Deutschland noch nicht annähernd ausgeschöpft ist: "Das RKI erreichen in den letzten Wochen zunehmend Berichte von Laboren, die sich stark an den Grenzen ihrer Auslastung befinden."

Dies hat zur Folge, dass Abstrichproben, die nicht zeitnah bearbeitet werden können, aus überlasteten Laboren weiterverschickt werden müssen, was zu verlängerten Bearbeitungszeiten und Verzögerungen bei der Ergebnisübermittlung an die Gesundheitsämter führen kann. "Die Mitarbeitenden der Labore arbeiten seit Beginn der Pandemie teils sieben Tage die Woche", beschreibt das RKI die Lage. "Sie sind fachlich sehr gut ausgebildet und können nicht ohne weiteres ersetzt werden. Es ist damit zu rechnen, dass es in den kommenden Herbst- und Wintermonaten auch hier zu krankheitsbedingten Personalausfällen kommen wird."

"Übergeordnetes Ziel" der neuen Strategie ist nach RKI-Angaben die Versorgung symptomatischer Covid-19-Fälle, der Schutz besonders gefährdeter Risikogruppen wie etwa älteren Menschen oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem sowie die möglichst effektive Eindämmung der Ansteckungswelle. Neu ist dabei auch der "zielgerichtete Einsatz" der sogenannten Antigentests, deren Ergebnisse schneller verfügbar sind. Das soll einerseits die Labore, die mit den PCR-Tests beschäftigt sind, entlasten und andererseits das Testangebot zum Beispiel für Besucher in Seniorenheimen oder Krankenhäusern erweitern.

Internationale Testquoten

Die folgende Grafik zeigt Teststatistiken aus europäischen Ländern, die von der ECDC gesammelt und wöchentlich veröffentlicht werden. Die Tabelle ist sortiert nach der Positivenquote gemäß den jeweils aktuellsten Daten, die aus den Ländern vorliegen. Die Angaben lassen sich aber per Klick auf den Spaltenkopf auch nach den übrigen Kategorien ordnen, wie etwa Tests je 100.000 Einwohner oder Tests gesamt.

Weltweite Testdaten werden von dem Datenprojekt "Our World in Data" erhoben. Allerdings werden dort nicht nur einzelne PCR-Tests ausgewertet, sondern je nach Land die unterschiedlichen Testeinheiten anhand verschiedener Kategorien (siehe Farbmarker) aufgeführt und ausgewertet. Mitunter werden Länder deshalb doppelt aufgeführt, da sich verschiedene Testkategorien nicht aufsummieren lassen.

Wer aus einer offiziell als Risikogebiet eingestuften Region nach Deutschland einreist, muss sich je nach Quarantäneverordnungen der Bundesländer in Quarantäne begeben und das zuständige Gesundheitsamt am eigenen Wohnort informieren. Zusätzlich besteht seit Anfang August eine Test-Pflicht.

Sollte bereits ein Testergebnis aus dem Ausland vorliegen, verweist das Bundesgesundheitsministerium auf zwei Kriterien: Der Test muss demnach "in einem Mitgliedstaat der Europäischen Union oder in einem sonstigen durch das Robert Koch-Institut aufgeführten Staat durchgeführt worden sein". Zudem darf der Test höchstens 48 Stunden vor der Einreise nach Deutschland vorgenommen worden sein. Im Falle eines nachgewiesen negativen Ergebnisses darf die Quarantäne vorzeitig verlassen werden.

Für die Zeit ab 8. November sieht eine neue Quarantäneverordnung der Bundesregierung allerdings geänderte Vorgaben vor. Demnach müssen sich Einreisende aus Risikogebieten grundsätzlich in eine zehntägige Quarantäne begeben. Ein Test ist weiterhin verpflichtend, allerdings frühestens am fünften Tag nach der Einreise erlaubt. Bei einem negativen Befund darf die Selbstisolation unter Vorbehalt verlassen werden. Bei Auftreten von Symptomen einer Covid-19-Erkrankung zehn Tage nach der Rückkehr ist ein weiterer Test verpflichtend.

Quelle: ntv.de