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Sicherheitslage bedenklich Abschiebeflug aus Deutschland landet in Kabul

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Insgesamt wurden seit Dezember 2016 rund 500 afghanische Asylbewerber abgeschoben. Einer von ihnen brachte sich Anfang Juli kurz nach der Landung in Kabul um.

(Foto: picture alliance/dpa)

Es ist die 20. Sammelabschiebung nach Afghanistan: Die Bundesregierung bringt trotz der prekären Lage vor Ort erneut Asylbewerber zurück nach Kabul. Allein dort kommen im vergangenen Jahr 550 Menschen bei Anschlägen ums Leben.

In der afghanischen Hauptstadt Kabul ist am Morgen ein weiterer Abschiebeflug aus Deutschland eingetroffen. Beamte am Flughafen teilten mit, dass die Maschine kurz vor 7 Uhr Ortszeit gelandet sei. Demnach seien 36 abgeschobene Afghanen an Bord gewesen.

Es war die 20. Sammelabschiebung seit dem ersten Flug im Dezember 2016. Bei den bisherigen 19 Abschiebungen hatten Bund und Länder 439 Männer nach Afghanistan zurückgebracht. Nach einer Sammelabschiebung Anfang Juli hatte einer der 69 Männer kurz nach seiner Ankunft in Kabul Suizid begangen.

Die fast 440 Afghanen wurden trotz der schwierigen Sicherheitslage im ganzen Land zurückgebracht. Der Krieg gegen die radikalislamischen Taliban und die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) weitet sich dort immer mehr aus und selbst in der Hauptstadt verüben die Taliban immer häufiger Anschläge.

2018 starben 550 Menschen bei Anschlägen

An Heiligabend wurden in Kabul bei einem mehrstündigen Angriff auf verschiedene Regierungsgebäude mindestens 43 Menschen getötet. Am Wochenende hatten die Taliban im Westen Afghanistans 15 Staatsbedienstete, die auf dem Weg zur Arbeit waren, gefangen genommen und verschleppt. Bei einem Überfall von Taliban auf eine Polizei- und Armeebasis in der nordwestlichen Provinz Badghis wurden in den vergangenen Tagen 14 Polizisten und sieben Mitglieder einer regierungsnahen Miliz getötet.

Insgesamt waren 2018 bei 22 großen Anschlägen in Kabul mehr als 550 Menschen ums Leben gekommen. Für Unruhe sorgten kürzlich auch Berichte, denen zufolge US-Präsident Donald Trump einen Teil der in Afghanistan stationierten US-Truppen abziehen könnte.

Gleichzeitig gibt es Bemühungen, den Konflikt politisch zu lösen. Bisher fanden mehrere Gesprächsrunden zwischen Vertretern der USA und hochrangigen Taliban statt. Diese sollen zu direkten Gesprächen zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban führen. Weitere USA-Taliban-Gespräche sind für Mitte Januar geplant.

Quelle: n-tv.de, hny/dpa

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