Politik

"Erwarte Dank von Laschet" AfD beklagt Ideen-Klau der CDU

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Frauke Petry und Marcus Pretzell wollen die AfD auf einen Kurs der Realpolitik bringen. Dafür sind sie innerhalb der Partei umstritten.

(Foto: imago/Christian Thiel)

Die AfD bleibt in NRW hinter den eigenen Erwartungen zurück und gibt sich dennoch optimistisch für die Bundestagswahl. Auch für das gute Abschneiden der CDU haben die AfD-Spitzenvertreter eine Erklärung.

Die Parteispitze der AfD hat sich nach der Landtagswahl in NRW trotz eines Wahlergebnisses, das hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, optimistisch gegeben und sich kämpferisch für die Bundestagswahl gezeigt. Das starke Ergebnis der CDU haben die Spitzenvertreter bei einer Pressekonferenz in Berlin darauf zurückgeführt, dass die Partei letztlich AfD-Inhalte übernommen habe und rhetorisch an die Rechtspopulisten gerückt sei.

Erklärtes Ziel der Partei war es, die Zehn-Prozent-Marke in NRW zu knacken. Mit rund sieben Prozent ist der Landesverband von Marcus Pretzell davon recht weit entfernt. Dass die AfD weniger stark abgeschnitten hat als etwa in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg führte Pretzell vor allem auf jüngste Entwicklungen in der Bundespartei zurück: "In Landtagswahlen können sie sich nie so ganz vom Bundestrend abkoppeln."

"Linke Mehrheiten in weiter Ferne"

Pretzell verbucht den Einzug der AfD in das Düsseldorfer Parlament dennoch als großen Erfolg: "Wir haben den 13. Landtag mit blauen Abgeordneten gefüllt. Das kann hoffnungsfroh stimmen." Im Hinblick auf den Sieg der CDU sagte der Ehemann der Bundesvorsitzenden Frauke Petry, seine Partei habe den Christdemokraten zu einem Wahlsieg verholfen. "Ich erwarte immer noch ein Dankesschreiben von Armin Laschet." Seine Partei habe einen Beitrag dazu geleistet, dass die SPD in NRW nur zweitstärkste Kraft geworden ist. "Wir haben es geschafft, dass in NRW linke Mehrheiten in weite Ferne gerückt sind", sagte Pretzell.

Was ihre politischen Gegner angeht, sieht sich die Partei offenbar inzwischen auf Augenhöhe mit der CDU. Spitzenkandidat Alexander Gauland sagte, nach dem aktuellen Wahlergebnis sei die SPD keine "ernsthafte Konkurrenz" mehr. Insofern sei Kanzlerin Angela Merkel "wieder Hauptgegner, ja, ich würde sagen Hauptfeindin der AfD".

Aufwind habe die CDU letztlich dadurch bekommen, dass die Partei unter ihrem Landesvorsitzenden Laschet Inhalte und Ideen von der AfD übernommen habe. Laschet habe das "Kunststück" vollbracht, das Thema Innere Sicherheit ganz oben auf die Agenda zu setzen und den Eindruck zu vermitteln, er stünde auf Distanz zu Merkels Politik der offenen Grenzen - die innerhalb der AfD als ursächlich für eine veränderte Sicherheitslage wahrgenommen wird. "Schwarz-Gelb kann eine Koalition bilden und ist rhetorisch an die AfD herangerückt. Doch das ist keine Alternative zur AfD." Die Spitzenkandidatin Alice Weidel ergänzte diesbezüglich: "Eine Kopie kann kein Ersatz für das Original sein."

"Zu stark als Protestpartei wahrgenommen"

Den Einzug ihrer Partei in den Düsseldorfer Landtag haben die versammelten Spitzenvertreter als Rückenwind für die Bundestagswahl gewertet. "Wir haben alle Voraussetzungen für einen erfolgreichen Bundestagswahlkampf geschaffen", kommentierte der Co-Vorsitzende Jörg Meuthen. Frauke Petry erklärte, sie erhoffe sich für die Bundestagswahl "noch ein bisschen mehr Luft nach oben".

Petry verwies darauf, dass die AfD in NRW 120.000 Nichtwähler mobilisiert und viele Wähler von der SPD geholt habe. Außerdem habe es 300.000 mutmaßliche Protest- und Wechselwähler gegeben. Das zeige den Verantwortlichen, "dass wir vor allem immer noch zu stark als Protestpartei wahrgenommen werden". Hier müsse und werde sich die Strategie noch ändern.

Petry war beim Bundesparteitag in Köln mit ihrem Zukunftsantrag gescheitert, mit dem sie die Partei auf einen realpolitischen Kurs einschwören wollte. Auch Pretzell hatte bei dem Treffen Distanz zur Bundespartei genommen: "Wir haben uns in NRW klar für einen realpolitischen Kurs - sowohl personell wie auch inhaltlich - entschieden", sagte er damals. Nach der Wahl hatte Pretzell angekündigt, eine unangenehme Opposition im Düsseldorfer Landtag bilden zu wollen.

Quelle: n-tv.de

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