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Aufmerksamkeit nicht nur für den IS Aktivisten schocken mit Käfig-Foto

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Mit dieser verstörenden Szene wollen die Aktivisten in Syrien auf das Leid im Bürgerkrieg aufmerksam machen.

REUTERS

Es sieht aus wie eine Hinrichtung, ist aber eine Online-Kampagne. Aktivisten aus Syrien wollen mit der umstrittenen Aktion die Aufmerksamkeit auf das Leid der Menschen im Bürgerkrieg lenken - und setzen auf die Bildsprache des IS.

Es ist ein verstörendes Bild, das zunächst in die Irre leitet. Jungen und Mädchen, nicht älter als zehn Jahre, stehen eingepfercht in einem Käfig. Sie tragen orangefarbene Anzüge - wie die Geiseln der radikal-islamischen Terrormiliz Islamischer Staat. Im Vordergrund des Fotos ist eine brennende Fackel zu sehen. Sofort werden Erinnerungen an die grausame Hinrichtung des jordanischen Piloten Muaz al-Kasasbeh wach. Der 26-Jährige ist vor einigen Wochen von IS-Kämpfern in Syrien lebendig verbrannt worden. Die Hinrichtung wurde per Video über das Internet verbreitet.

Doch das vor zwei Tagen bei Twitter veröffentlichte Foto mit den Kindern zeigt keine neue Hinrichtung der IS-Kämpfer. Aktivisten der syrischen Gruppe "Raqqa is being slaughtered silently" haben diese verstörende Szene im zuletzt von der syrischen Luftwaffe heftig bombardierten Damaszener Vorort Duma nachgestellt.

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Mit ihrer Aktion, so berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, wollen die Aktivisten die Aufmerksamkeit wieder auf den Bürgerkrieg in ihrem Land lenken. Denn dort sterben beinahe täglich Menschen durch die Bomben von Präsident Assads Armee. Der Vorwurf der Gruppe lautet: Durch den blutigen und aggressiven Feldzug des IS in Syrien und dem Irak gerät der tödliche Bürgerkrieg in Vergessenheit. "Wir wollen den Menschen zeigen, was in Duma passiert und wie seine Bewohner sterben. Sie verhungern oder sterben in den Flammen der Häuser, die Assads Armee bombardiert hat", erklärt Azoz al-Raqqawi von der Akitivistengruppe.

55 Frauen und Kinder durch Luftschläge getötet

In den ersten zehn Februar-Tagen sollen nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte 183 Menschen in der von Rebellen kontrollierten Stadt durch Luftschläge getötet worden sein. Darunter seien 55 Frauen und Kinder gewesen, berichtet die libanesische Zeitung "The Daily Star".

Die Aktion der Aktivisten ist der Teil einer groß angelegten Online-Kampagne. Unter den Twitter-Hashtags #DoumaExterminated (Duma wird ausgerottet) und #AssadHolocaust verbreiten die Menschenrechtler regelmäßig Fotos und Videos, die das Leid und den Horror des Krieges in ihrer Heimat dokumentieren. Doch mit ihrer aktuellen Inszenierung stoßen die Aktivisten auch auf heftige Kritik in den sozialen Netzwerken. Vielen geht die Anspielung auf die Hinrichtung des jordanischen Piloten zu weit. So heißt es bei Twitter unter anderem: "So eine Aktion ist scheiße. Sie hilft den Leuten vor Ort nicht weiter."

Al-Raqqawi jedoch verteidigt die Aktion. Er erklärt gegenüber der "Bild"-Zeitung: "Wir wollen den Leuten klarmachen: Als IS einen Piloten ermordet hat, hat die ganze Welt übers Internet Anteil genommen. Aber auch in Duma sterben viele Frauen, Kinder. Auch sie verbrennen, und zwar in den Gebäuden, die von Assads Bomben getroffen wurden – aber das interessiert niemanden."

Seit es um den syrischen Bürgerkrieg international stiller geworden ist, habe sich die Situation im Land extrem verschlechtert, berichtet Al-Raqqawi . Wenn der IS ein oder zwei Leute ermorde, würden alle Medien berichten. "Aber wenn Assad und seine Armee vor euren Augen Hunderte töten, schaut ihr einfach nur zu."

Quelle: n-tv.de

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