Politik

"Deutsche sind dumme Kartoffeln" Böhmermann will kein Türkenfeind sein

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Wer kann bei diesem Dackelblick schon lange böse sein? ZDF-Satiriker Jan Böhmermann.

(Foto: imago/STAR-MEDIA)

Nach dem Wirbel um sein Erdogan-Schmähgedicht meldet sich Jan Böhmermann mit markigen Sprüchen zurück - und übt vorsichtige Selbstkritik. Dass man ihn als Rassisten beschimpft habe, sei schmerzhaft gewesen. An die Türken richtet er eine klare Botschaft.

Für ZDF-Satiriker Jan Böhmermann sind die vergangenen Wochen nach eigener Aussage ein "sehr guter Witz" gewesen. Und das, obwohl er nicht über alle Konsequenzen lachen konnte, die das Rezitieren seines Schmähgedichtes über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nach sich zog. Der "Zeit" sagte Böhmermann, er wolle nicht ins Detail gehen, aber diese Zeit sei für ihn "als Privatperson" und für sein Umfeld "ein wenig turbulent gewesen". "Ich habe gegenüber Freunden und meiner Familie in den letzten Wochen immer gesagt: 'Das war eine wahnsinnig gute Nummer - bloß schade, dass sie von mir war'."

Kritik äußerte Böhmermann vor allem am Umgang von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Satirestreit. Merkel habe ihn und seine künstlerische Arbeit "ohne Not gegenüber einem wannabe-Diktator zur Verhandlungsmasse erklärt", kritisierte der 35-Jährige. Das habe "dramatische und ganz reale Konsequenzen" gehabt - "in diesem Fall für meine Familie und mich. Das hätte ich nicht gedacht, aber da muss man eben durch", so Böhmermann weiter. Künstlerisch sei das "humoristische Proseminar Schmähkritik" aber ein voller Erfolg gewesen. "Es hat viele überfällige Diskussionen ausgelöst", sagte er. "Aber ich muss mich als Komiker auch nicht wundern, wenn da von der anderen Seite auch ordentlich was zurückkommt."

Böhmermann verwies auch darauf, dass türkische Journalisten "mit deutlich härteren Konsequenzen" zu kämpfen hätten als er selbst nach seiner Erdogan-Satire. Dass durch sein Schmähgedicht auch "da genauer hingeschaut" werde, empfindet er als Erfolg. Ohnehin gebe es keinen Grund, in Selbstmitleid zu zerfließen. Immerhin habe er seine Aufgabe erfüllt - und die bestehe eben nicht darin, "Kunst herzustellen, die Angela Merkel oder wer auch immer als angenehm empfindet", sondern "Fragen zu stellen, Debatten anzustoßen und auf Probleme aufmerksam zu machen".

Böhmermann setzt auf den Rechtsstaat

Zugleich aber warnte Böhmermann davor, das Gedicht aus dem Zusammenhang zu reißen. Jeder, der es "losgelöst von der ganzen Nummer vorträgt, hat nicht alle Latten am Zaun", so der 35-Jährige. Erdogan zu beleidigen, sei ihm "zu doof". Es sei ihm um die "Illustration einer Beleidigung" gegangen. Die Vorstellung, dass ihn "jemand wegen dieser Nummer ernsthaft für einen Rassisten oder Türkenfeind halten könnte", sei am schmerzhaftesten. An die Türken richtete er eine gesonderte Botschaft: "Das ist der Beweis!", sagte er auf Türkisch. "Die Deutschen sind dumme Kartoffeln und haben überhaupt kein Gefühl für Satire!"

Auch ein Treffen mit Erdogan wolle er nicht ausschließen - zumindest dann, wenn er "alle inhaftierten Journalisten und Oppositionellen freilässt, aufhört, die Kurdenfrage militärisch lösen zu wollen, und offen und öffentlich den Völkermord der Türken an den Armeniern anerkennt". Seinem Strafprozess gegen den Staatschef - Böhmermann drohen immerhin bis zu drei Jahre Haft - sieht er mit Zuversicht entgegen. Der deutsche Rechtsstaat werde sich seiner "kühl und gerecht annehmen", so der 35-Jährige. "Ich setze inzwischen mehr auf die Justiz als die Politik. Mein Team und ich wollen den Humorstandort Deutschland nach vorne ficken."

Quelle: n-tv.de, jug