Politik

Biden, Lula und die neidische EU COP27 war enttäuschend, aber dieses Jahr ist das okay so!

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Die Zahl der "fossilen Idioten" nimmt weltweit spürbar ab.

(Foto: IMAGO/TT)

Die Ergebnisse der Weltklimakonferenz in Ägypten sind ernüchternd. Rückschritte konnten verhindert werden, ein Scheitern - mehr nicht. Tatsächlich ist in Scharm el Scheich ein Wandel zu beobachten, der in seiner Ambition selbst die sonst so grüne EU zu überraschen scheint.

Die Ergebnisse der Weltklimakonferenz in Ägypten sind ernüchternd. "Wir konnten Rückschritte hinter den Konsens von Glasgow und Paris verhindern", hat Außenministerin Annalena Baerbock die COP27 zusammengefasst. "In Scharm el Scheich wurde ein Scheitern verhindert", erklärte Ottmar Edenhofer, der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Denn tatsächlich gab es nur einen echten Fortschritt: Nach jahrelangen Diskussionen haben die reichen Staaten ihren Widerstand aufgegeben und einem gemeinsamen Geldtopf zugestimmt, aus dem Klimaschäden in ärmeren Ländern bezahlt werden sollen.

Aber selbst mit dieser Vereinbarung hadern Konferenzteilnehmer, wie Lisa Göldner von Greenpeace deutlich macht: "Wo sollen diese Gelder eingesammelt und wie sollen sie eigentlich verteilt werden?", fragt sie im "Klima-Labor" von ntv.

Regenwald-Allianz und ein gigantisches Klimapaket

Dennoch konnte man bei der COP27 einen Wandel erkennen, der allerdings nicht in Ägypten, sondern anderswo auf der Welt angeschoben wurden: Vor wenigen Wochen haben die brasilianischen Wählerinnen und Wähler Präsident Jair Bolsonaro den Laufpass gegeben. Noch versucht er zwar, sich vor Gericht mit "böswilligen und unverantwortlichen" Taschenspielertricks im Amt zu halten. In Scharm el Scheich war jedoch schon der neue, grüne brasilianische Wind zu spüren: Bolsonaros gewählter Nachfolger Lula da Silva war zu Besuch und wurde bei seiner Ankunft wie ein Messias empfangen - unter anderem, weil er eine neue Regenwald-Allianz mit Indonesien und der Demokratischen Republik Kongo im Gepäck hatte.

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Auch US-Präsident Joe Biden legte auf dem Weg zum G20-Gipfel in Indonesien einen Zwischenstopp in Ägypten ein. Wenige Tage, nachdem überraschend viele US-Wähler bei den Zwischenwahlen für die Demokraten und speziell die jungen Amerikaner auch für Klimaschutz gestimmt hatten. Wenige Monate, nachdem Biden und seine demokratische Partei ein gigantisches Klimaschutzpaket verabschiedet hatten. Wenige Jahre, nachdem Ex-Präsident Donald Trump das Pariser Klimaabkommen noch im Namen der USA aufgekündigt hatte.

"Total faszinierend"

Fortschritte, die vom bisherigen Klima-Anführer Europa offenbar nicht erwartet wurden: Gemeinschaftlich beschweren sich EU-Kommission, die französische und auch die Bundesregierung seit einigen Wochen über unfaire Wettbewerbsvorteile für amerikanische Unternehmen und eine Übersubventionierung. Denn die US-Regierung lockt mit Steuererleichterungen im Wert von 400 bis 800 Milliarden Dollar. Verglichen damit wirkt selbst das ambitionierte Osterpaket von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck winzig. Neidisch blickt deshalb auch die deutsche Industrie in die USA und drängt öffentlich bereits auf eine europäische Version des amerikanischen Klima-Wumms.

Obwohl angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine auch in Deutschland nach Jahren des Nichtstuns erstaunliche Dinge passiert sind, die lange als unmöglich galten: Es gibt ein Osterpaket mit ambitionierten Ausbauzielen für erneuerbare Energien. Busse und Bahnen werden plötzlich mit Milliarden gefördert. Der Gas- und auch der Stromverbrauch sinken deutlich.

"Total faszinierend" sei das, sagt auch Lisa Göldner von Greenpeace im "Klima-Labor". "Ich hätte nicht erwartet, dass das so schnell gehen kann. Daran sieht man: Es kann funktionieren, wenn der Wille groß genug ist."

Windpark mit 43 Gigawatt

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Fortschritt und Wandel beschränken sich bei Weitem nicht nur auf Europa und Nordamerika. China hat vor wenigen Wochen den Bau eines gigantischen Offshore-Windparks angekündigt, dessen installierte Leistung von 43 Gigawatt theoretisch ganz Norwegen mit Strom versorgen könnte. Vietnam bereitet mit finanzieller Unterstützung aus Großbritannien und der EU seinen milliardenschweren Ausstieg aus der Kohleverstromung vor - genauso Indonesien und Südafrika.

Bei der COP27 ist der große Wurf ausgeblieben. Aber ausnahmsweise ist das okay so, denn noch nie konnte man so deutlich wie dieses Jahr erkennen: Auch die allerletzten scheinen den Pfad des Klimaschutzes eingeschlagen zu haben. Und wer die verschnupften Stimmen aus Europa hört, kann darauf hoffen, dass aus dem grünen Marsch bald ein Wettrennen wird.

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Was hilft gegen den Klimawandel? "Klima-Labor "ist der ntv Podcast, in dem Clara Pfeffer und Christian Herrmann Ideen und Behauptungen prüfen, die toll klingen, es aber selten sind. Klimaneutrale Unternehmen? Gelogen. Klimakiller Kuh? Irreführend. Aufforsten? Verschärft Probleme. CO2-Preise für Verbraucher? Unausweichlich. Windräder? Werden systematisch verhindert.

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Quelle: ntv.de

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