Politik

Zeitungsanzeige für Flüchtlinge Dänen entschuldigen sich für ihre Regierung

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Flüchtlinge im Hauptbahnhof von Kopenhagen hoffen auf die Weiterreise nach Schweden.

(Foto: dpa)

Ihre Regierung versucht knallhart gegen die Flüchtlinge vorzugehen - doch Hunderte Dänen haben nicht das Geringste gegen die Menschen in Not. Sie helfen in Kopenhagen und Rödby, per Anzeige entschuldigen sie sich sogar für ihre Regierung.

Grenzstopp, populistische Parolen, Zeitungsanzeigen zur Abschreckung: Dänemarks Regierung macht mit ihrer harten Kante gegen Flüchtlinge Schlagzeilen. Umso mehr wollen viele Dänen der Welt zeigen, dass ihr Land auch anders kann. Als Tausende Flüchtlinge durch Dänemark reisen, schwappt eine Welle der Hilfsbereitschaft durch das Land.

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Viele Dänen halfen den Flüchtlingen in Kopenhagen und anderswo freiwillig.

(Foto: dpa)

Am Kopenhagener Hauptbahnhof kommen nur wenige Flüchtlinge an, um zu bleiben. Die meisten sind auf der Durchreise ins schwedische Malmö. Trotzdem haben sich hier über 100 Dänen aufgestellt, um die Ankömmlinge willkommen zu heißen. Isabel Mikala Dalhoff (30) dirigiert die Freiwilligen: Pappschilder malen, Tüten mit Lebensmitteln packen, SIM-Karten für Handys verteilen, Familien in die richtigen Züge helfen.

Aus der Hafenstadt Rødby nehmen Dutzende Dänen am Donnerstag Flüchtlinge Richtung Schweden mit, manche fahren sie über die Öresund-Brücke oder segeln mit ihnen ans andere Ufer. Auch eine Aktion von Integrationsministerin Inger Støjberg, die Flüchtlinge abschrecken sollte, kontern ihre Landsleute.

"Die Feindseligkeit tut uns Leid"

Støjberg hatte in libanesischen Zeitungen Anzeigen drucken lassen, die die Menschen über die harte Asylpolitik der Regierung informieren. Jetzt sammelt eine Facebook-Gruppe Geld für eine Gegen-Anzeige mit dem Text: "Die Feindseligkeit, die hier gegenüber Flüchtlingen ausgedrückt wird, tut uns leid. Als ganz normale Dänen wollen wir denjenigen, die vor Krieg und Verzweiflung fliehen, unsere Sympathie und unser Mitgefühl ausdrücken."

Nach der zeitweisen Unterbrechung des Zugverkehrs zwischen Deutschland und Dänemark waren Flüchtlinge nach Rostock ausgewichen, um nach Schweden zu gelangen. Bis zum Nachmittag kamen dort rund 200 Flüchtlinge mit Zügen aus Hamburg an, wo ehrenamtliche Helfer die Flüchtlinge empfingen und zum Seehafen begleiteten. Bereits am Mittwochabend waren 57 Flüchtlinge über Rostock nach Schweden weitergereist, wie es von der Bundespolizei hieß.

Schwedens Regierungschef Stefan Löfven kritisierte Dänemark für das Vorgehen im Umgang mit den durch das Land reisenden Flüchtlingen indirekt. Er gehe davon aus, dass Dänemark die Flüchtlinge registriere, die sich im Land aufhalten. "Alle Länder sollen der Dublin-Verordnung folgen, und das beinhaltet, dass alle Länder Flüchtlinge registrieren sollen", sagte Löfven nach Angaben der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau. "Wir gehen davon aus, dass alle Länder sich an die Regeln halten." Die dänische Regierung hatte es in der Nacht zum Donnerstag aufgegeben, Hunderte Menschen zu registrieren, die durch das Land nach Schweden reisen wollten.

Quelle: n-tv.de, vpe/dpa

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