Politik

Der Mann, der Putin trotzte Der lange Weg des Boris Nemzow

Boris Nemzow zählte seit Jahren zu den schärfsten Kritikern von Präsident Wladimir Putin. Dabei gehörte er zunächst zu dessen politischem Lager. Doch die Politik des Präsidenten machte aus Nemzow einen Führer der Opposition.

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Nemzow 1012 in Moskau.

(Foto: AP)

Mit der Ermordung von Boris Nemzow verliert die Opposition in Russland einen ihrer führenden Köpfe. Der frühere Vize-Regierungschef zählte seit Jahren zu den ärgsten Widersachern von Präsident Wladimir Putin. Der studierte Physiker arbeitete zunächst in einem Forschungsinstitut, bevor er kurz vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion die politische Bühne betrat. 1990 wurde er zum Abgeordneten gewählt, mit gerade einmal 32 Jahren übernahm Nemzow das Amt des Gouverneurs in der zentralrussischen Region Nischni Nowgorod.

Im März 1997 holte ihn der damalige Präsident Boris Jelzin nach Moskau. Nemzow übernahm für die kommenden eineinhalb Jahre das Amt des Vize-Ministerpräsidenten. Er gilt als einer der Architekten der liberalen Wirtschaftsreformen und wurde sogar als möglicher Nachfolger Jelzins gehandelt, der sich schließlich aber für Putin entschied. Nemzow unterstützte den späteren Kreml-Chef zunächst, bevor er zu einem seiner schärfsten Gegner wurde.

Im August 1998 schied Nemzow aus der Regierung aus. Als Fraktionschef der liberalen Partei Union der rechten Kräfte kritisierte er die Regierung fortan von der Oppositionsbank aus. Bei der Präsidentschaftswahl 2008 schickte ihn die Partei ins Rennen, Nemzow legte die Kandidatur aber vor der Wahl nieder.

Einschüchterung und Gerüchte

Nemzow wurde regelmäßig Opfer von Hacker- oder Abhörattacken, Kreml-nahe Websites berichteten über das angeblich ausschweifende Privatleben und vermeintliche Affären des vierfachen Vaters. Weil er gegen Haftstrafen für Putin-Gegner protestierte, wurde er vor einem Jahr selbst zu mehreren Tagen Gefängnis verurteilt. Den Einschüchterungen durch die Behörden trotzte er aber immer wieder. 2008 gründete er mit anderen Oppositionellen wie dem früheren Schachweltmeister Garri Kasparow die Bewegung Solidarnost. Bei den Protesten gegen die Wiederwahl Putins ins Präsidentenamt zählte er 2012 zu den Hauptrednern.

Nemzow wurde in den vergangenen Jahren nicht müde, die grassierende Korruption in Russland anzuprangern. Dabei nahm er den Energieriesen Gazprom, die Verschwendung von Steuergeldern sowie die mutmaßliche Bestechung bei der Organisation der Olympischen Winterspiele in Sotschi ins Visier. Auch wenn Nemzow bei den Kundgebungen der Opposition in Moskau noch immer in der ersten Reihe stand, überließ er die Bühne zunehmend jüngeren Kreml-Gegnern wie dem Anwalt und Blogger Alexej Nawalny. Zuletzt war Nemzow Abgeordneter im Regionalparlament von Jaroslawl.

Quelle: n-tv.de, sba/AFP

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