Politik

Anti-Germanismus in der Schweiz Die Leiden der "Zack-Zack-Preußen"

46976336.jpg

Eine Anspielung auf die Volksabstimmung gegen Einwanderung beim sogenannten "Morgestraich", dem Beginn der Basler Fasnacht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Deutsch-Sein in der Schweiz, das ist nicht einfach. Dieser Eindruck entsteht zumindest, wenn Auswanderer von ihren Erfahrungen berichten. Eine Studie versucht nun mit harten Zahlen zu zeigen, wie schlimm die Lage wirklich ist.

Der Schweizer Politiker Geri Müller beschrieb das Bild seiner Landsleute von Deutschen einmal so: Es handele sich bei "dem Deutschen" um "einen Schwaben, eine unschöne Mischung aus nie ganz überwundenem Nazi, aus preußischer Zackzack-Mentalität und biederem Schaffer". Müller, ein linker Grüner, überzeichnet womöglich. Daran, dass es in der Schweiz Vorurteile und Ressentiments gegen Deutsche gibt, besteht aber kaum Zweifel. Das zeigte sich vor allem in den vergangenen Jahren.

Das Boulevard-Blatt "Blick" titelte 2013: "Wie viele Deutsche verträgt die Schweiz?" Und die rechtspopulistische Schweizerische Volkspartei (SVP) lieferte die Antwort: "Es hätt zwiil Tüütschi." 2014 mündete die Ablehnung von Zuwanderern und nicht zuletzt von Deutschen in einer Volksabstimmung. 50,3 Prozent der Eidgenossen sprachen sich "Gegen Masseneinwanderung" und damit auch gegen die uneingeschränkte Freizügigkeit zwischen EU und Schweiz aus.

Wie fühlt es sich für einen Deutschen in der Schweiz angesichts dieses Klimas an? Die Wirtschaftsuniversität Wien hat in Kooperation mit der Universität St. Gallen rund 1000 Betroffene befragt - mit besorgniserregendem Ergebnis.

Für viele ist die Schweiz keine neue Heimat

Die Probleme beginnen im Alltag. Gut jeder fünfte Befragte gab an, dass ihm wegen seiner Nationalität der Kauf oder die Miete von Wohnungen verweigert worden sei. 15 Prozent sagten das über einen Arbeitsplatz. Auf die Frage "Haben Sie jemals in einem Wohnviertel gelebt, in welchem die Nachbarn Ihnen oder Ihrer Familie das Leben schwer gemacht haben?" antworteten 14 Prozent mit Ja. Und sie gaben ihre Nationalität als Hauptgrund dafür an. Jeder zehnte Befragte hatte zudem das Gefühl, dass die Polizei ihn wegen seiner Herkunft ungerechtfertigt überprüft habe. Viele der Befragten berichteten von Beleidigungen - und das mehrmals pro Jahr.

Am Arbeitsplatz erscheint die Lage noch dramatischer. 28 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, dass sie sich ausgeschlossen fühlten. 42 Prozent der Befragten glauben, dass Schweizer Vorurteile gegen Deutsche hätten und so handelten, als wären diese Vorurteile wahr.

"Ihr Deutsch-Sein ist auch am Arbeitsplatz für etwa die Hälfte der Deutschen in der Schweiz ein mittleres bis großes Thema, das zum Teil auch mit negativen Ausschlusserfahrungen und Abwertungen einhergeht", heißt es in der Studie.

Summiert man die Alltagserfahrungen von Deutschen mit ihren Erlebnissen am Arbeitsplatz, ist vor allem eines klar: Richtig willkommen fühlt sich ein großer Teil (33 Prozent) der Befragten nicht. Und viele (30 Prozent) nehmen die Schweiz nicht als neue Heimat wahr.

In der Schweiz leben rund 300.000 Deutsche. Sie sind nach Italienern die zweitgrößte Einwanderungsgruppe. Die meisten von ihnen kommen auf der Suche nach einem Arbeitsplatz.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen