Bis hierher und nicht weiterEsken will Atomgespräche mit dem Iran stoppen

Das Vorgehen der iranischen Sicherheitskräfte, die Proteste gegen das repressive System brutal niederschlagen, wirft die Frage auf: Sollte mit diesem Regime weiter über das Atomabkommen verhandelt werden? Saskia Esken sagt: Nein. Doch die SPD-Chefin erhält Widerspruch - aus der eigenen Partei.
Angesichts der brutalen Unterdrückung regierungskritischer Proteste im Iran fordert SPD-Chefin Saskia Esken, die Gespräche über ein Atomabkommen mit der islamischen Republik zu beenden. Nun sei der Moment gekommen, zu sagen: bis hierher und nicht weiter, sagte sie in der ZDF-Sendung "Berlin direkt". So, wie gerade gegen die demonstrierenden Frauen und Männer auf den Straßen vorgegangen werde, "müssen die Gespräche enden".
Die USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien und Deutschland verhandeln mit dem Iran über eine Wiederherstellung des Atomabkommens von 2015, mit dem das Land am Bau einer Atombombe gehindert werden soll. Es liegt seit dem Austritt der USA 2018 auf Eis. Zuletzt hatte die US-Regierung erklärt, sie sehe "in naher Zukunft" keine Chance auf eine Wiederbelebung des Abkommens.
Der SPD-Außenpolitiker Nils Schmidt sagte ebenfalls dem ZDF, ein Abbruch der Gespräche habe mit einer verantwortungsvollen Außenpolitik nichts zu tun. So würde ein Iran mit Atomwaffen etwa unmittelbar die Sicherheit Israels gefährden und die regionale Stabilität bedrohen. Außerdem wäre ein Rüstungswettlauf zu befürchten.
FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai sagte in der ZDF-Sendung "Berlin direkt", derzeit machten Atomverhandlungen mit dem Iran keinen Sinn. Djir-Sarai sprach sich daher für eine "Aussetzung" aus. Man könne derzeit nicht mit einem Regime verhandeln, das über keinerlei Legitimität in der Bevölkerung verfüge. Die Außenminister der EU-Staaten beraten an diesem Montag (9.30 Uhr) in Luxemburg über die Entwicklungen im Iran. Als Reaktion sind neue EU-Sanktionen geplant. Sie sollen nach Angaben von Diplomaten Personen und Organisationen treffen, die für die jüngste Unterdrückung von Protesten verantwortlich gemacht werden.
Teheran: USA stiften zu "Chaos, Terror und Zerstörung" an
Iranische Sicherheitskräfte waren zuletzt brutal gegen Menschen vorgegangen, die landesweit gegen den repressiven Kurs der Regierung, den Kopftuchzwang sowie das Herrschaftssystem demonstrieren. Auslöser der Proteste ist der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini. Die junge Frau war am 16. September unter ungeklärten Umständen gestorben, nachdem sie wegen ihres angeblich "unislamischen Outfits" von der Sittenpolizei festgenommen worden war. Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben. Die Polizei weist die Vorwürfe entschieden zurück.
Teheran macht die USA für die andauernden Massenproteste verantwortlich. Staatschef Ebrahim Raisi warf dem US-Präsidenten Joe Biden vor, zu "Chaos, Terror und Zerstörung" anzustiften. Biden hatte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Massenproteste am Freitag seine Solidarität zugesichert.
"Dem Komplott des Feindes muss mit wirksamen Maßnahmen begegnet werden, um die Probleme der Menschen zu lösen", erklärte Raisi daraufhin. Er verwies zudem auf die Worte des Republikgründers Ayatollah Ruhollah Chomeini, der die USA als "Satan" bezeichnet hatte. Am Samstag waren Demonstrationen unter anderem aus Teheran, Hamedan, Isfahan, Kermanschah und Ardabil gemeldet worden.