Politik

Auch bei gleichen Bedingungen Frauen verdienen weiterhin weniger

38960779.jpg

Viele Frauen wählen bewusst oder unbewusst Berufe, die mit der Familie gut zu vereinbaren sind. Diese sind in der Regel schlechter bezahlt und weniger zum beruflichen Aufstieg geeignet.

(Foto: picture alliance / dpa)

Gleicher Abschluss, gleicher Job, gleiche Leistung - ungleicher Lohn: Frauen verdienen hierzulande immer noch etwa sieben Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Anders als oft behauptet liegt das nicht nur an der unterschiedlichen Berufswahl.

Überraschen kann diese Nachricht nicht mehr: Frauen verdienen pro Stunde statistisch weiterhin rund ein Fünftel weniger als Männer. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, liegt ihr Bruttostundenverdienst im Querschnitt durch alle Berufe und Qualifikationen im vergangenen Jahr auch weiterhin 22 Prozent unter dem von Männern. Während die Frauen 15,83 Euro bekamen, erhielten die Männer demnach durchschnittlich 20,20 Euro.

Der Lohnunterschied, nach der englischen Bezeichnung auch "Gender Pay Gap" genannt, liegt nach Angaben des Statistischen Bundesamt schon seit Jahren stabil bei 22 Prozent.

Äpfel nicht mit Birnen vergleichen

Diese Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu behandeln, denn bei den genannten Daten handelt es sich um Differenzen im sogenannten unbereinigten "Gender Pay Gap". Hierbei werden die durchschnittlichen Stundenverdienste pauschal miteinander verglichen. Der Unterschied, der dabei herauskommt, ist dem Statistischen Bundesamt zufolge darauf zurückzuführen, dass Männer und Frauen überwiegend in unterschiedlichen Branchen und Berufen tätig sind.

Die Statistiken fassen die Bruttogehälter von Männern und Frauen über alle Branchen, Qualifikationen, Positionen und Familienstände zusammen. Der Vergleich schließt also Journalisten und Altenpflegerinnen ein, Bauingenieure und Verkäuferinnen, Automechaniker und Modedesignerinnen, egal, ob in Voll- oder Teilzeit. Das ist schon der erste wichtige Punkt, denn die Geschlechter unterscheiden sich in puncto berufliches Interesse.

Eine Rolle spielen darüber hinaus zudem ungleich verteilte Arbeitsplatzanforderungen hinsichtlich Führung und Qualifikation, ein im Schnitt niedrigeres Dienstalter sowie einige andere Faktoren.

Gleiche Arbeit, gleiche Qualifikation - trotzdem weniger

Die Daten sagen so also noch nichts darüber aus, ob Frauen für vergleichbare Tätigkeiten schlechter bezahlt werden als Männer. Diese Lücke wird auch als bereinigter "Gender Pay Gap" bezeichnet. Für das vergangene Jahr wurde er laut Statistischen Bundesamt nicht berechnet, weil die dafür nötigen Erhebungen nur alle vier Jahre angestellt werden.

Allgemein belaufe sich die Lohnlücke bei vergleichbarer Arbeit und Qualifikation aber in etwa auf ein Drittel des gesamten unbereinigten "Gender Pay Gap", teilten die Statistiker mit. Bei der letzten entsprechenden Erhebung 2010 hätten die Frauen in Deutschland bei ansonsten vergleichbaren Bedingungen sieben Prozent pro Stunde brutto weniger verdient als ihre männlichen Kollegen.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig hatte jüngst ein Gesetz angekündigt, das die Gehälter innerhalb eines Unternehmens transparent machen soll. Damit könnten sich Frauen über das Gehalt von Kollegen mit gleicher Tätigkeit informieren.

Quelle: n-tv.de, dsi/AFP

Mehr zum Thema