Politik

"Schulden ihnen Dankbarkeit" Gauck betont Leistung der Sowjetsoldaten

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Heute vor 70 Jahren wurde die sowjetische Fahne auf dem Reichstag gehisst.

(Foto: dpa)

Das Gedenken an das Kriegsende vor 70 Jahren wird von der Eiszeit zwischen EU und Russland beeinträchtigt. Doch Präsident Gauck will bei den Feiern die Leistung der sowjetischen Soldaten besonders würdigen. Auch wenn sie danach zu Unterdrückern wurden.

Bundespräsident Joachim Gauck will bei den Gedenkfeiern zum 70. Jahrestag des Kriegsendes in den kommenden Tagen besonders an die Leistungen und Leiden der sowjetischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg erinnern. "Am 8. Mai sind wir befreit worden - nicht nur, aber auch durch die Völker der Sowjetunion. Deshalb schulden wir ihnen Dankbarkeit und Respekt", sagte das Staatsoberhaupt der "Süddeutschen Zeitung".

Das gelte ungeachtet der Tatsache, dass die sowjetischen Befreier nach dem Krieg als Besatzer im Osten Deutschlands für Unfreiheit, Unterdrückung und Verfolgung gesorgt haben, fügte Gauck an. Er sieht darin eine Ambivalenz: Die Soldaten seien bis 1945 Befreier und nach 1945 Garanten der Diktatur gewesen. "Wir können und müssen Letzteres höchst kritisch betrachten, zugleich aber für die Rolle dieser Soldaten bei der Befreiung genau so deutlich Respekt, ja Dank bezeugen."

Merkel reist nach Russland

Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte derweil davor, einen "Schlussstrich" ziehen zu wollen. Unter Geschichte gebe es keinen Schlussstrich, sagte sie in ihrem neuen Video-Podcast. "Wir Deutschen haben hier schon eine besondere Verantwortung, aufmerksam, sensibel und auch kundig mit dem umzugehen, was wir in der Zeit des Nationalsozialismus angerichtet haben." Das gelte auch mit Blick auf lang andauernde Verletzungen und Sorgen in anderen Ländern.

Merkel betonte, es werde für sie "ein sehr wichtiger Moment sein", wenn sie am 10. Mai nach Russland fahre. "Wir haben mit Russland im Augenblick sehr tiefgehende unterschiedliche Meinungen", sagte die Kanzlerin. "Und trotzdem ist es mir wichtig, am 10. Mai dort gemeinsam mit dem russischen Präsidenten einen Kranz am Mahnmal des unbekannten Soldaten niederzulegen, um der Millionen Toten zu gedenken, die Deutschland aus dem Zweiten Weltkrieg heraus zu verantworten hat."

Hälfte der Kriegsgefangenen starb

Gauck verwies zudem auf die deutschen Verbrechen an sowjetischen Kriegsgefangenen. "Von den insgesamt rund fünfeinhalb Millionen sowjetischen Soldaten in der Gewalt der deutschen Wehrmacht hat weniger als die Hälfte überlebt", sagte er. Deutschland habe zwar bei der Aufarbeitung der NS-Zeit vieles geleistet, es gebe aber immer wieder Gruppen von Opfern, die dabei gar nicht oder zu spät oder zu wenig berücksichtigt wurden. Die sowjetischen Kriegsgefangenen "befinden sich, was das kollektive Gedächtnis angeht, in einer Art Erinnerungsschatten", so Gauck.

Derzeit überschattet das Zerwürfnis mit Russland in der Ukraine-Krise das gemeinsame Gedenken an das Kriegsende. Die meisten Staats- und Regierungschefs der EU sowie US-Präsident Barack Obama boykottieren die großen Feiern in Russland am 9. Mai zum Tag des Sieges der Sowjetunion über Hitlerdeutschland. Allerdings reist Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier am 7. Mai nach Wolgograd (früher Stalingrad), um gemeinsam mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow an eine der blutigsten Schlachten des Kriegs zu erinnern.

Quelle: ntv.de, mli/dpa/AFP