Politik

Großer Auftritt in New York Gestatten: die neue Hillary Rodham Clinton

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Bislang war Hillary Clinton vor allen in kleinen Runden aufgetreten - wie hier in einem Privathaus in Iowa.

(Foto: AP)

Erstmals seit Beginn ihres Wahlkampfes tritt Hillary Clinton vor großem Publikum auf. Es ist der Startschuss für Phase zwei ihrer Kampagne, in der ihre verstorbene Mutter eine zentrale Rolle spielt.

Um 17.45 MESZ wird Hillary Clinton, Bewerberin um die demokratische Präsidentschaftskandidatur, ihre erste großes Rede in diesem Wahlkampf halten. Bereits jetzt ist klar, was sie sagen wird - die amerikanischen Medien wurden von Clintons Beratern ausführlich gebrieft.

Zwei zentrale Botschaften wird Clinton präsentieren. Erstens will sie deutlich machen, dass sie die Nöte der Mittelklasse versteht. Im Vergleich zum Vorwahlkampf von 2008, den sie gegen Barack Obama verloren hatte, rückt Clinton damit nach links. Zweitens wird sie ausführlich über das Leben ihrer Mutter sprechen. Auch das ist vergleichsweise neu.

Eines von Clintons Problemen im Wahlkampf ist, dass Wähler und Medien glauben, längst alles über sie zu wissen. Für die Geschichte ihrer Mutter dürfte das nicht gelten. 1927, als Dorothy Rodham acht Jahre alt war, ließen sich ihre Eltern scheiden. Weder ihre Mutter noch ihr Vater wollten das Mädchen bei sich in Chicago behalten. Sie schickten sie weg, zu ihren Großeltern nach Kalifornien. Auch dort war Dorothy nicht willkommen - selbst kleinste Vergehen wurden hart bestraft. Im Alter von 14 Jahren, auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise, zog Dorothy Rodham bei ihren Großeltern aus und verdingte sich für drei Dollar pro Woche als Hausmädchen.

In ihrem 2014 erschienen Buch "Entscheidungen" hatte Hillary Clinton nur kurz skizziert, dass die Kindheit ihrer Mutter "von seelischen Verletzungen und Vernachlässigung überschattet" gewesen war. Sie habe sie einmal gefragt, wie es ihr gelungen sei, trotz allem "eine so liebevolle und ausgeglichene Frau" zu werden. Die Antwort: "An den entscheidenden Punkten meines Lebens gab es immer jemanden, der freundlich zu mir war."

Die Rolle des Staates

Dieser Satz verbindet Clintons Biographie mit ihrer politischen Botschaft: Im Gegensatz zu den republikanischen Präsidentschaftsbewerbern glaubt sie, dass es die Aufgabe des Staates ist, den Menschen zu helfen. "Die Verantwortung der Regierung ist es, mehr Chancen zu schaffen", sagt Clinton. "Die Verantwortung der Menschen ist es, das Beste daraus zu machen." Die Debatte darüber, ob der Staat "groß" oder "klein" sein soll, prägt die US-Politik seit Jahren.

Bereits im Vorwahlkampf von 2008 hatten ihre PR-Berater an Testgruppen ausprobiert, wie die Geschichte ihrer Mutter ankommt. Das Ergebnis sei überwältigend gewesen, so die "New York Times", aber Clinton habe sich nicht wohl dabei gefühlt. Der Plan wurde fallengelassen. Dass er jetzt reaktiviert wird, hat auch damit zu tun, dass Clintons Mutter mittlerweile verstorben ist. Es wäre für jeden Menschen unangenehm, öffentlich so über Angehörige zu sprechen, vor allem wenn die noch am Leben seien, sagte eine frühere Clinton-Beraterin der Zeitung.

Mit der Biographie ihrer Mutter kann Hillary Clinton ein wenig Distanz aufbauen zum Image der abgehobenen Politikerin, das ihr anhaftet. Um diesem Klischee etwas entgegenzusetzen, hatte Clinton sich in der ersten Phase ihres Wahlkampfes auf kleinere Gesprächsrunden konzentriert und keine öffentlichen Reden gehalten.

Mehr Rodham, weniger Clinton

Die Kundgebung in New York ist die bislang größte, seit Clinton im April ihre Bewerbung für die Präsidentschaftswahlen öffentlich gemacht hat. Zum ersten Mal seit dem offiziellen Startschuss ihres Wahlkampfes werden ihre Tochter Chelsea und ihr Mann Bill Clinton mit ihr auftreten. Sprechen werden sie voraussichtlich nicht. Hillary Rodham Clinton will derzeit offenbar stärker als "Rodham" auftreten, weniger als "Clinton".

Auch die Wahl des Ortes für ihre Rede ist ein Signal in Richtung sozialer Gerechtigkeit: Clinton spricht auf Roosevelt Island, einer Insel im East River zwischen den New Yorker Stadtteilen Manhattan und Queens. Der zwischen 1933 und 1945 amtierende Präsident Franklin D. Roosevelt war Urheber des "New Deal", mit dem die USA auf die Weltwirtschaftskrise reagierten. Angesichts von Armut und Hoffnungslosigkeit sah auch er den Staat in der Verantwortung. Clinton dürfte in ihrer Rede mehrere Roosevelt-Zitate unterbringen.

Für Hillary Clinton markiert die Rede in New York den Einstieg in den großen Wahlkampf. Am Montag will der Republikaner Jeb Bush bei einer Kundgebung in Miami seine Bewerbung verkünden. Das Feld der republikanischen Bewerber ist sehr viel unübersichtlicher als das der Demokraten, das von Clinton dominiert wird. Bush wird der elfte Republikaner sein, der seine Bewerbung abgibt. Sollten die beiden die jeweiligen Vorwahlen ihrer Parteien gewinnen, wäre es eine Neuauflage des Wahlkampfes Bush gegen Clinton: 1992 hatte Hillarys Mann Bill Clinton die Präsidentschaftswahl gegen Jebs Vater George Bush gewonnen.

In den Umfragen lief es zuletzt nicht so gut für Clinton: Nach einer Erhebung für den Sender CNN halten 57 Prozent der Amerikaner sie nicht für glaubwürdig - im März waren es nur 49 Prozent. Hintergrund dieser öffentlichen Stimmung ist die anhaltende Debatte über die E-Mail-Affäre sowie Berichte über die Nähe der Clinton-Stiftung zu Despoten.

Quelle: ntv.de

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