Politik

Auftritt bei der CDU Jeb Bush wirkt reichlich schüchtern

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Jeb Bush vor dem CDU-Wirtschaftsrat in Berlin.

(Foto: dpa)

Beim Auftritt vor dem Wirtschaftsrat der CDU spricht Jeb Bush über die Stärke der USA. Er preist seinen Vater, lobt Deutschland und lässt sich mit Kanzlerin Merkel fotografieren. Im Vergleich zu einem anderen Besucher aus den USA bleibt er grau.

Worüber spricht ein US-Republikaner, der sich um die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei bewerben will, wenn er vor CDU-Politikern in Berlin auftritt? Jeb Bush hat sich für die naheliegende Lösung entschieden: Freihandel und Sicherheitspolitik.

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Wichtiges Foto für die Werbung daheim: Jeb Bush mit Kanzlerin Merkel.

(Foto: REUTERS)

Natürlich zitiert er die republikanische Ikone, den einstigen US-Präsidenten Ronald Reagan, als er am Dienstagabend die "Keynote" beim Treffen des Wirtschaftsrats der CDU hält: "Open that gate, tear down that wall." Reagan hatte diese Sätze 1987 vor dem Brandenburger Tor in Richtung Osten gerufen, an die Adresse des sowjetischen Staatschefs Michail Gorbatschow. Bush spricht auch vom Geist der Freiheit, vom "spirit of Berlin". Er zitiert damit einen weiteren US-Präsidenten, allerdings ohne diesen zu nennen. Vor zwei Jahren hatte Barack Obama, ebenfalls am Brandenburger Tor, den "spirit of Berlin" beschworen.

Der Vergleich mit Obama lässt den Auftritt von Bush grau aussehen. Als Präsidentschaftskandidat der Demokraten war Obama 2008 nach Berlin gekommen, er sprach an der Siegessäule vor zweihunderttausend begeisterten Menschen, er hatte eine Vorband, Charisma und eine Botschaft: "Jetzt ist die Zeit, neue Brücken zu bauen!"

Bush hat nichts davon. Seine Botschaft ist ein Lob auf den Freihandel und die militärische Stärke der USA. In weiten Teilen seiner Rede klammert er sich an sein Manuskript, er liest hastig, verspricht sich sogar, ist alles andere als charismatisch - ein krasser Unterschied nicht nur zum Obama von 2008, sondern auch zu Google-Chef Eric Schmidt, der unmittelbar vor Bush auf dem Wirtschaftsrat eine Rede hält. Schmidt spricht praktisch frei, er spricht über Visionen. Bush lässt dem Publikum kaum Zeit zu applaudieren.

George W. wird nicht erwähnt

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Ungleiche Brüder: Von George W. hält Jeb sich im Wahlkampf fern.

(Foto: picture alliance / dpa)

Sein geradezu schüchtern wirkendes Auftreten fügt sich ein in das Bild eines ungelenken Kandidaten, das Jeb Bush in den vergangenen Wochen in den USA erzeugt hat. Auf die Frage, ob er wie sein Bruder George W. den Irak-Krieg begonnen hätte, gab Jeb Bush im Mai innerhalb einer Woche fünf verschiedene Antworten. Zuerst sagte er, er hätte die Invasion gebilligt. Am Ende landete er beim Gegenteil: "Ich wäre nicht in den Irak gegangen." Dieses Hin und Her war eine ziemliche Peinlichkeit - vor allem, weil die Frage für einen weiteren Vertreter der Familie Bush mehr als erwartbar war.

Als Jeb Bush im Anschluss an seine Rede in Berlin in einer Fragerunde über den Irak spricht, fällt der Name seines Bruders nicht. Seinen Vater, den 41. Präsidenten der USA, bezeichnet Jeb dagegen als "den größten lebenden Menschen, den ich je getroffen habe" - das ist auch als Verneigung vor Deutschland zu verstehen; schon der scheidende Chef des CDU-Wirtschaftsrats, Kurt Lauk, hatte in seiner Einführung gesagt, "ohne Vater Bush hätte es keine Wiedervereinigung gegeben".

Jeb Bush will in Berlin zeigen, dass er Außenpolitik kann. Es ist die erste Station einer fünftägigen Europareise, die ihn auch nach Polen und Estland führt. Natürlich geht es vor allem darum, Bilder mit den örtlichen Regierungschefs zu bekommen. Im Vergleich zu Ex-Außenministerin Hillary Clinton, die sich um die demokratische Präsidentschaftskandidatur bewirbt, hat er in diesem Bereich Nachholbedarf. Der Wunsch nach Bildern wird erfüllt - Bundeskanzlerin Angela Merkel, die im Anschluss an Bushs Rede einen Auftritt hat, lässt sich selbstverständlich mit ihm fotografieren.

Von Lauk wird der Gast aus Amerika als "Governor Bush" angekündigt - Bush ist bislang schließlich nur Ex-Gouverneur von Florida. Dann macht Lauk einen Witz: Er habe in amerikanischen Zeitungen gelesen, "dass Sie eine größere Pressekonferenz am kommenden Montag halten werden" - jeder weiß, dass Bush dann ankündigen wird, dass er Präsident werden will.

"Die USA betreiben keine Wirtschaftsspionage"

Denn offiziell ist Bush noch in der sogenannten Erkundungsphase. Er hat sich Zeit gelassen: Zehn Republikaner haben ihre Bewerbung bereits abgegeben. Der Grund für Bushs Timing liegt nicht etwa in seiner Bescheidenheit, sondern im Geld: Sobald Bush offiziell als Kandidat auftritt, gelten für ihn gesetzliche Beschränkungen beim Spendensammeln.

Bushs Ziel ist es jedoch, so viel Geld wie möglich einzuwerben. Damit will er vermutlich zwei Handicaps ausgleichen: Die Vorstellung, den dritten Bush zum Präsidenten zu wählen, ist vielen Amerikanern nicht geheuer. Vielen Republikanern ist Bush außerdem nicht konservativ genug - in Berlin lobt er sogar Obama für dessen Freihandelspolitik. Wie nach ihm Merkel fordert er einen schnellen Abschluss der TTIP-Verhandlungen zwischen Europa und den USA. Wenn die jetzige US-Regierung das Freihandelsabkommen nicht beschließe, sagt Bush, werde es die nächste tun.

In der Fragerunde nach seiner Rede wirkt Bush weniger gehetzt, aber auch nicht wirklich souverän. Darauf angesprochen, ob die USA nicht offiziell garantieren könnten, keine Industrieunternehmen in den G7-Staaten auszuspionieren, antwortet Bush, dass die USA generell keine Wirtschaftsspionage betreiben würden.

Trotz der Distanz zu George W., trotz seiner seltsamen Schüchternheit präsentiert sich Jeb Bush in sicherheitspolitischen Fragen hart. Der Obama-Regierung wirft er vor, gegenüber Russland, China sowie im Irak Schwäche gezeigt und so die Gegner der USA ermutigt zu haben: Wenn die USA sich zurückzögen, würden andere Kräfte die entstehenden Lücken füllen. "Wir können uns nicht zurückziehen, die Vereinigten Staaten müssen führen."

Quelle: ntv.de

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