Politik

Debatte um Kitas in Corona-Zeit Giffey: Schließungen sind allerletztes Mittel

Laut Giffey gehört Hygiene zum A und O, um Kitas offen zu halten. Dabei ist Lüften besonders wichtig.

Laut Giffey gehört Hygiene zum A und O, um Kitas offen zu halten. Dabei ist Lüften besonders wichtig.

(Foto: picture alliance/dpa)

Deutschlandweit sollen die Kitas nach dem Willen der Familienministerin in der Pandemie so lange wie möglich offen bleiben. Dabei plädiert Giffey für kostenlose Tests für Erzieher. Eine Schlüsselrolle kommt auch dem neu gegründeten Corona-Kita-Rat und dem Kita-Register zu.

Neue flächendeckende Kitaschließungen müssen nach Ansicht von SPD-Bundesfamilienministerin Franziska Giffey unbedingt vermieden werden. "Die komplette Schließung ist das allerletzte Mittel", sagte die SPD-Politikerin nun im "Morgenmagazin". Dafür müssten jedoch alle nötigen Maßnahmen ergriffen werden. Die Ministerin gab dazu Empfehlungen ab. Vorschriften machen kann sie nicht, da Kitas wie auch Schulen in der Zuständigkeit der Bundesländer liegen.

Giffey kündigte zudem an, die Rolle von Kindern und Kitas in der Pandemie stärker zu erforschen und den bundesweiten Informationsaustausch dazu zu verbessern. "Hygiene ist das A und O, Lüftungsverhalten ist ganz wichtig", sagte die Ministerin. Zudem solle es möglichst feste Gruppen geben - ist das nicht möglich, sollen die Kitas zumindest sicherstellen, dass das Infektionsgeschehen im Zweifelsfall nachvollzogen werden kann.

Masken für Kinder in der Kita hält Giffey nicht für praktikabel. Von größeren Veranstaltungen wie Sommerfesten "mit vielen externen" Gästen rate man ab. Die SPD-Politikerin forderte zudem - wie in einigen Bundesländern auch bereits umgesetzt - in ganz Deutschland kostenlose Corona-Tests für Erzieherinnen und Erzieher.

Familienministerin Giffey verwies zudem auf ein Investitionsprogramm des Bundes in Höhe von einer Milliarde Euro zum Ausbau der Kitaplätze in den Jahren 2020 und 2021, mit dem auch Maßnahmen zur Bewältigung der Coronakrise finanziert werden können. Als Beispiele nannte sie unter anderem den Umbau von Schlafräumen zur besseren Belüftung oder die Anschaffung von Desinfektionsspendern.

Corona-Kita-Rat soll Forschung stützen

Bundesweit verstärkt werden sollen die Bemühungen zur Erforschung der Rolle von Kitas und Kindern in der Corona-Pandemie. Giffey kündigte dafür die Einberufung eines "Corona-Kita-Rates" für den 31. August an. Vertreter von Bund, Ländern, Kommunen, Gewerkschaften, Eltern und Kindertagespflege sollen sich in dem Gremium einmal im Monat über Erfahrungen und Konzepte in den Kitas austauschen.

An diesem Dienstag soll zudem ein bundesweites "Kita-Register" online gehen. Kitas und Tagesmütter sollen auf der Internetplattform regelmäßig unter anderem Informationen zum Infektionsgeschehen und den Kapazitäten in ihrer Einrichtung eintragen können. "Wir hoffen auf eine hohe Beteiligung, die uns einen guten Überblick über die bundesweite Situation in der Kindertagesbetreuung verschafft", sagte der Direktor des Deutschen Jugendinstituts, Thomas Rauschenbach.

Laut Giffey gibt es bereits mehr als 5000 Registrierungen. DJI-Direktor Thomas Rauschenbach sagte, es seien zehntausend Anmeldungen für aussagekräftige Ergebnisse notwendig. Die Befragungen für die Studie sollen bereits am Dienstag beginnen.

Mit dem Kita-Register soll die seit der stufenweisen Wiederöffnung der Kitas laufende "Corona-Kita-Studie" unterstützt werden. Diese wird vom Familien- und Gesundheitsministerium finanziert und vom Deutschen Jugendinstitut und dem Robert Koch-Institut umgesetzt. Die Studie erforscht die Rolle von Kindern im Infektionsgeschehen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßte die Ankündigungen Giffeys und rief unter anderem die Kitas dazu auf, sich an der Studie zu beteiligen. Dies mache sicher erstmal Arbeit, aber sie sei sicher, "dass die Ergebnisse helfen werden, die Situation in den Kitas zu verbessern und Probleme sichtbar zu machen", erklärte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe.

Quelle: ntv.de, ysc/AFP/dpa