Politik

"Bisher nicht zu weit gegangen" Günther hält Öffnungen für verantwortbar

Hoch im Norden läuft es gut: Sowohl bei der Sieben-Tage-Inzidenz als auch bei den Erst- und Zweitimpfungen ist Schleswig-Holstein ganz vorn mit dabei. Insofern könnten die zahllosen Nord- und Ostsee-Urlauber eigentlich beruhigt sein, wäre da nicht die Delta-Variante. Der Ministerpräsident beruhigt aber.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther hat den Lockerungskurs bei den Corona-Regeln verteidigt. "Wir sind jetzt schon umsichtig und haben jeden Öffnungsschritt sorgsam überlegt", sagte der CDU-Politiker in der Sendung "Frühstart" bei RTL/ntv. "Wir sind bei den Öffnungen bisher nicht zu weit gegangen, sodass das absolut verantwortbar ist. Wir sind vorsichtig und vorbereitet und daher schützen wir uns vor einer Situation wie in Großbritannien."

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, hatte die Länder dagegen aufgefordert, zu prüfen, ob die Lockerungen nicht zu weit gingen. Er rechne damit, dass sich die Delta-Variante in Deutschland noch schneller ausbreiten werde als bisherige Varianten, sagte Montgomery den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Ministerpräsident Günther verwies mit Blick auf die Urlaubssaison darauf, dass nur Urlauber mit einem Negativ-Test in sein Bundesland einreisen dürften. "Dadurch habe ich keine Sorgen, dass sich die guten Zahlen verändern werden."

Merkel warnt vor Leichtsinn

Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte vor Leichtsinn im Umgang mit der Delta-Variante. Als Gast der zweiten Nationalen Luftfahrtkonferenz bat sie die Luftfahrtindustrie um Verständnis, "wenn wir an manchen Stellen noch ein bisschen vorsichtig sind". Allerdings verwies sie auch auf die Unterstützung der Branche durch die Bundesregierung. "Sie sind ja mit eine Branche, die echt tiefe Täler durchschritten hat. Wir haben versucht, das Leid etwas abzumildern", so Merkel.

Für die Zeit nach den Sommerferien sieht sich Günther ebenfalls gut gerüstet. Mit Blick auf die Schulen sagte der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, dass vor allem die ersten zwei Wochen besonders behutsam angegangen werden sollen. So wird es zwar wieder Präsenzunterricht geben, aber auch die Pflicht, eine Maske zu tragen. Auch umfangreiche Testungen soll es weiterhin geben. Er begründet dies unter anderem mit der großen Zahl an Urlaubsrückkehrern. Eine Impfpflicht für Schüler schloss Günther dagegen kategorisch aus.

Braun: "Delta-Variante wird sich in jedem Fall verbreiten"

Kanzleramtschef Helge Braun äußerte sich gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland ähnlich, betonte jedoch, dass sich die Delta-Variante in jedem Fall verbreiten werde. Es gehe darum, das Tempo der Ausbreitung so gering wie möglich zu halten. Die Impfquote spiele dabei, aber auch bei einer möglichen größeren Ansteckungswelle im Herbst, die zentrale Rolle. Braun ergänzte: "Wir müssen vorsichtig bleiben, bis alle ein Impfangebot haben. Das gehört zur Fairness gegenüber jenen Menschen dazu, die noch nicht geimpft wurden, weil sie in keiner Priorisierungsgruppe waren und noch keine Gelegenheit zur Impfung hatten".

In Großbritannien breitet sich die in Indien entdeckte Delta-Variante rapide aus und treibt trotz hoher Impfquote die Zahl der Neuinfektionen deutlich in die Höhe. Bereits geplante weitere Lockerungen wurden aufgeschoben. In Deutschland ist diese Virusvariante noch wenig verbreitet, ihr Anteil steigt aber. Er lag laut dem jüngsten Bericht des Robert-Koch-Instituts bei 6,2 Prozent in der Kalenderwoche 22 (31. Mai bis 6. Juni). In der Woche davor waren es noch 3,7 Prozent.

Quelle: ntv.de, als/dpa

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