Politik

UN-Sicherheitsrat beruft Sitzung ein Hamas feuert Raketen auf Reaktor in Israel

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Eine Rakete wird aus dem Gaza-Streifen abgefeuert.

(Foto: REUTERS)

Die Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern bricht sich Bahn wie eine Lawine. Die Luftangriffe der Israelis töten Dutzende Palästinenser, unermüdlich feuern diese im Gegenzug Raketen auf Ziele in Israel. Erstmals seit zwei Jahren greifen sie auch wieder Jerusalem, Tel Aviv und ein besonders heikles Ziel an.

Immer mehr Israelis geraten ins Visier von palästinensischen Raketenangriffen. Ungeachtet aller internationaler Friedensappelle weitete sich der gegenseitige Beschuss aus. Militante Palästinenser griffen erstmals seit Jahren wieder Jerusalem und Tel Aviv an.

Der UN-Sicherheitsrat kommt angesichts der Gazakrise am Donnerstag zu Beratungen zusammen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon werde die 15 Mitglieder bei dem Treffen über die Eskalation im Nahen Osten informieren, sagten Diplomaten.

"Gaza steht auf Messers Schneide", sagte Ban. "Die eskalierende Situation führt zu einem Teufelskreis, der schnell außer Kontrolle geraten könnte. Das Risiko von sich immer noch weiter ausbreitender Gewalt ist da. Gaza und die ganze Region können sich keinen weiteren Krieg leisten", so Ban.

Nach Angaben der israelischen Armee feuerten die Palästinenser derweil erstmals auch Raketen auf den Atomreaktor in Dimona ab. Insgesamt seien drei Raketen auf Dimona abgeschossen worden, erklärten die Streitkräfte. Schäden oder Verletzte habe es nicht gegeben. Das Kraftwerk liegt in der Negev-Wüste, rund 80 Kilometer südöstlich des Gaza-Streifens.

Israel hat zwei Atomreaktoren, einer steht in Dimona in der Negev-Wüste und der andere in einer Forschungseinrichtung in Nahal Sorek, westlich von Jerusalem. Das Land gilt schon lange als Atommacht und verfügt Expertenschätzungen zufolge über etwa 200 Atomsprengköpfe. Die israelische Regierung lehnt aber eine offizielle Stellungnahme zu der Frage ab. Israelische Wissenschaftler und Politiker fordern schon seit langem die Schließung der rund 50 Jahre alten Anlage in Dimona, weil sie durch ihr Alter ein erhöhtes Unfallrisiko aufweisen könnte.

Auf israelischer Seite schlug ein Geschoss der Hamas auch in der Küstenstadt Chadera ein, knapp 120 Kilometer vom Gazastreifen entfernt. So weit hatten militante Palästinenser nie zuvor eine Rakete geschossen. Nach Schätzungen befindet sich mittlerweile die Hälfte der acht Millionen Israelis in Reichweite der Hamas-Raketen. Es gab auch unbestätigte Berichte von Einschlägen im Norden des Landes.

51 Tote, 450 Verletzte

Berichte über Opfer auf israelischer Seite liegen noch nicht vor. In der Vergangenheit waren vor allem Orte in einer Entfernung bis 40 Kilometer zum Gazastreifen angegriffen worden. In dem von der Hamas kontrollierten Gazastreifen mehrten sich die Berichte über zivile Opfer. Bei einem Luftangriff wurden nach palästinensischen Angaben fünf Familienangehörige getötet, darunter eine Frau und zwei Kinder. Die palästinensische Nachrichtenagentur Ma'an vermeldete den Tod von bislang 51 Palästinensern.

Zudem seien mehr als 450 Menschen im Gazastreifen verletzt worden. Seit der Nacht auf Dienstag haben Israels Luftstreitkräfte insgesamt mehr als 400 Tonnen Raketen über dem Gazastreifen abgefeuert, wie die Zeitung "Haaretz" berichtete.

In der Nähe eines SOS-Kinderdorfes in Rafah im Gazastreifen gingen nach Angaben der Organisation 15 israelische Raketen auf Hamas-Camps nieder. Die Kinder des Dorfes seien durch die Detonationen traumatisiert. Aus Sicherheitsgründen dürften sie das Dorf nicht mehr verlassen.

Erstmals seit dem Gaza-Krieg Ende 2012 griffen militante Palästinenser wieder Jerusalem und Tel Aviv mit Raketen an. Dort heulten am Dienstagabend und am Mittwoch die Sirenen. Über dem Großraum Tel Aviv wurde am Nachmittag wieder eine Rakete abgefangen. Im Stadtzentrum war ein dumpfer Knall zu hören. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte nach einer Beratung mit Militärs: "Wir haben entschieden, die Angriffe auf die Hamas und andere Terrororganisationen in Gaza noch weiter zu verstärken." Die Armee sei "auf alle Möglichkeiten vorbereitet". Staatspräsident Shimon Peres warnte im CNN-Interview, sein Land könne "schon bald" eine Bodenoffensive starten, sollte die Hamas nicht mit dem Raketenbeschuss aufhören.

Israel will mit der in der Nacht zum Dienstag gestarteten Offensive den ständigen Raketenbeschuss seiner Städte unterbinden. Insgesamt seien rund vier der acht Millionen Menschen in Israel durch Raketen aus dem Gazastreifen bedroht, sagte ein Armeesprecher.

Merkel verurteilt Hamas-Angriffe

Kanzlerin Angela Merkel schaltete sich in die internationalen Bemühungen um eine Friedenslösung ein. Merkel habe in einem Telefonat mit Netanjahu die Raketenangriffe auf Israel scharf verurteilt, sagte eine Regierungssprecherin. Es gebe keinerlei Rechtfertigung dafür.

Präsident Mahmud Abbas versammelte die Palästinenserführung am Mittwoch zu einem weiteren Krisentreffen. Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi sicherte Abbas nach palästinensischen Angaben am Telefon zu, sein Land werde sich für eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas einsetzen. Abbas sprach in einer Fernsehansprache von einer "vorsätzlichen und brutalen israelischen Aggression" im Gazastreifen.

US-Präsident Barack Obama betonte, dass die USA weiterhin eine Zweistaatenlösung für den einzigen Weg zu dauerhaftem Frieden in Nahost halten. "Die einzige Lösung ist ein demokratischer jüdischer Staat, der in Frieden und Sicherheit lebt, Seite an Seite mit einem existenzfähigen, unabhängigen Palästinenserstaat", schrieb er in einem Beitrag, der am Donnerstag in der Wochenzeitung "Die Zeit" erscheint. Die amerikanische Unterstützung für Israel bezeichnete Obama als nicht verhandelbar.

Quelle: ntv.de, fma/vpe/dpa/rts/AFP

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