Politik

Nach vier Monaten Krieg IS-Kämpfer ziehen sich aus Kobane zurück

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Zum Schluss hatten die kurdischen Kämpfer den Ring um Kobane immer enger zusammengezogen und sich auch in der Stadt selbst erbitterte Kämpfe mit dem IS geliefert.

(Foto: dpa)

Kobane ist frei: Kurdische Einheiten haben die Terrormiliz IS aus der syrischen Stadt nahe der türkischen Grenze komplett vertrieben. Die IS-Kämpfer hätten sich in die Umgebung Kobanes zurückgezogen.

Nach mehr als vier Monaten erbitterter Kämpfe haben die Kurden die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) aus der syrischen Grenzstadt Kobane vertrieben. Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) kontrollierten "praktisch die gesamte Stadt", erklärte die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Nur im äußersten Osten, am Rand des Stadtteils Maktala, kämpften noch einige Extremisten. Ansonsten habe sich der IS mit seinen Einheiten vor die Stadt zurückgezogen, erklärte die Beobachtungsstelle. Die Angaben sind von unabhängiger Seite nicht zu überprüfen, die oppositionsnahe Organisation verfügt aber in Syrien über ein dichtes Netz von Informanten. Kurden-Sprecher Idriss Nassan bestätigte die Information. "Dies ist ein Sieg für alle Kurden", sagte er.

Die kurdischen Einheiten in der Stadt an der türkischen Grenze werden von verbündeten Kämpfern aus dem Norden Iraks unterstützt. Zudem werden die IS-Stellungen in der Gegend immer wieder von Kampfflugzeugen der internationalen Koalition unter der Führung der USA bombardiert. In den vergangenen Monaten beherrschte der IS zeitweise mehr als die Hälfte der Stadt.

Kerry bilanziert

Schon seit Tagen zeigt sich die internationale Allianz gegen den IS siegessicher. Durch mehr als 2000 Luftschläge und mit Hilfe der örtlichen Bodentruppen seien 200 Öl- und Gasanlagen unter Kontrolle der IS-Kämpfer und 50 Prozent der Top-Kommandoposten des Terrornetzwerkes zerstört worden, sagte US-Außenminister John Kerry am vergangenen Donnerstag bei einer internationalen Konferenz von 21 Staaten der Allianz in London. "In den vergangenen Monaten haben wir definitiv gesehen, dass die Zeit für den IS abläuft und sich die Situation in einigen Fällen sogar gedreht hat", sagte Kerry.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte sich bei einem Besuch in Marokko dafür ausgesprochen, die Zusammenarbeit mit den afrikanischen Mittelmeer-Anrainern im Kampf gegen den IS auszubauen. "Das ist eine Bedrohung, die uns alle trifft, nördlich wie südlich des Mittelmeers", sagte der SPD-Politiker. Marokkos Außenminister Salaheddine Mezouar mahnte, der Islam dürfe wegen der Terrorgruppen nicht "stigmatisiert" werden.

Kein schneller Erfolg in Sicht

Das Treffen in London sollte vor allem die Absprachen unter den Mitgliedern der Allianz verbessern und die Zusammenarbeit engmaschiger machen. "Wir begrüßen jeden Beitrag eines jeden Landes", sagte Kerry. Es müsse aber auch koordiniert werden. Sein britischer Amtskollege und Konferenz-Gastgeber Philip Hammond hatte zuvor in der BBC erklärt, es werde noch Monate dauern, bis die irakische Armee in der Lage sei, dem IS alleine Paroli zu bieten.

Quelle: ntv.de, ppo/AFP