Politik

Kampf um die Jugend IS benutzt Kinder für grausame Propaganda

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Musste ein kleiner Junge für den IS töten? Ein Video soll die Exekution zweier russischen Gefangenen zeigen. (Screenshot)

Ein neues Video der Terrormiliz "Islamischer Staat" lässt das Blut in den Adern gefrieren. Es zeigt, wie ein kleiner Junge zwei Männer auf Knien erschießt. Es zeigt zugleich auch, mit welcher Kaltblütigkeit die Dschihadistengruppe Kinder instrumentalisiert.

Ein kleiner Junge hält eine Pistole in die Höhe, zielt auf zwei vor ihm kniende Männer - und drückt ab. Das vor wenigen Tagen im Internet veröffentlichte Video der Terrorgruppe "Islamischer Staat" schockiert die Welt und zeigt wie die Dschihadistengruppe Kinder zu Propagandazwecken missbraucht. Das Ziel der Gruppe ist, die kommende Generation mit ihrer brutalen Ideologie zu indoktrinieren.

Der IS-Lehrjunge mit den halblangen schwarzen Haaren scheint nicht älter als elf oder zwölf Jahre alt zu sein. Die zwei von ihm erschossenen Männer hätten für Russland spioniert, heißt es in dem Propagandavideo. Der Junge tauchte 2014 bereits in einem anderen Video der Dschihadistenmiliz auf. Auf die Frage, was er später einmal machen wolle, antwortete er: "Ich werde der sein, der Euch Ungläubige massakriert. Ich werde ein Mudschahid (Gotteskrieger) sein."

Der Junge in Tarnanzughosen, der sich Abdullah nennt und angibt, aus Kasachstan zu kommen, setzt in dem Video blitzschnell eine Kalaschnikow zusammen und lädt sie - unter den Augen anderer Kinder seines Alters. Andere Aufnahmen zeigen halbwüchsige Jungen beim Islam- und beim Arabischunterricht, bei Schießübungen und beim Sporttraining. Aus dem Off kommt die Stimme des Sprechers: "Sie sind die nächste Generation".

S-Videos mit Kindern immer brutaler

Propaganda

Propaganda (von lateinisch propagare ‚weiter ausbreiten, ausbreiten, verbreiten‘) bezeichnet einen absichtlichen und systematischen Versuch, öffentliche Sichtweisen zu formen, Erkenntnisse zu manipulieren und Verhalten zum Zwecke der Erzeugung einer vom Propagandisten oder Herrscher erwünschten Reaktion zu steuern.

Charles Lister, Analyst beim Brookings Doha Center in Katar, stellt eine zunehmende Brutalisierung in IS-Videos mit Kindern in den vergangenen sechs Monaten fest. Indem der Islamische Staat solche Szenen zeige, suggeriere er, "dass jeder im kampffähigen Alter sich am bewaffneten Kampf beteiligen muss". Damit werde ein Umfeld geschaffen, aus dem die Dschihadisten in den kommenden Jahren weitere Mitglieder rekrutieren könnten.

IS-Videos mit Kindern finden sich im World Wide Web zuhauf. Auf einem ist eine Gruppe von Jungen mit Skimützen zu sehen, die nur einen Sehschlitz freilassen. Sie tragen Tarnuniformen und sind mit Kalaschnikow-Gewehren bewaffnet. Stolz posieren sie vor der schwarzen Fahne der Dschihadisten.

Eine andere Aufnahme zeigt einen sehr jungen Kämpfer mit zwei Kalaschnikows und Patronengürtel. Die Kampfstiefel sind dem Jungen viel zu groß. Und jüngst veröffentlichte der IS Fotos von zwei verschleierten Mädchen, auch sie mit Kalaschnikows bewaffnet.

Jeffrey Bates, Sprecher des UN-Kinderhilfswerks Unicef im Irak, verweist darauf, dass ideologische Indoktrinierung oder die Beteiligung an Gewalt bei Kindern verheerende psychologische Folgen hinterlassen. Es gebe dafür "seit Jahrzehnten Beispiele aus aller Welt", und der Irak werde damit noch lange zu kämpfen haben.

Das Problem könne gar nicht überschätzt werden, sagt Bates. Schließlich gehe es um "tausende und abertausende Kinder". Und die benötigten dringende Hilfe.

Quelle: n-tv.de, W.G. Dunlop, AFP

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