Politik

Miliz kontrolliert Hälfte Syriens IS enthauptet Menschen in Palmyra

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Der IS hat Palmyra eingenommen, nun kontrolliert er die Hälfte Syriens.

(Foto: REUTERS)

Die Stadt ist erobert, nun durchsuchen die Terroristen des IS Palmyra nach Gegnern. Mehrere Soldaten der Regierung werden ermordet. Das historische Erbe der Stadt soll noch intakt sein. Doch die Sorge vor einer umfassenden Zerstörung ist groß.

Nach der Einnahme der syrischen Stadt Palmyra hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bereits mehrere Menschen ermordet. Die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, dass der IS in der Oasenstadt mindestens 17 Menschen enthauptet haben soll.

Die Opfer waren demnach Soldaten und Unterstützer des Regimes in Bagdad. Damit sei die Zahl der Hinrichtungen in der Region seit Beginn der IS-Offensive vor wenigen Tagen auf insgesamt 66 gestiegen. Die Beobachtungsstelle beruft sich auf ein Netz aus Augenzeugen und Informanten vor Ort. Die Angaben lassen sich meist nicht unabhängig überprüfen.

Der IS brachte demnach Palmyra am Mittwochabend vollständig unter seine Kontrolle. Die Extremisten kontrollieren nun mehr als 50 Prozent der Landesfläche. Auch die Terroristen selbst meldeten über den Radiosender Al-Bajan die Einnahme der Stadt.

Der französische Syrien-Experte Fabrice Balanche hob die strategische Bedeutung der Wüstenstadt hervor: "Die Einnahme Palmyras öffnet den Weg nach Damaskus und Homs", sagte Balanche. US-Präsident Barack Obama sagte indes, er mache sich trotz der jüngsten Gebietsgewinne der Islamisten in Syrien und dem Irak keine Sorgen, dass der Kampf gegen den IS "verloren" werde. Allerdings sei eine bessere und schnellere Ausbildung sunnitisch-irakischer Truppen notwendig, sagte Obama.

Sorge um das Weltkulturerbe

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Das antike Theater der Stadt zählt zum Weltkulturerbe.

(Foto: REUTERS)

Die Soldaten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zogen sich nach offiziellen Angaben zurück. Der Beobachtungsstelle zufolge gaben sie auch Stützpunkte des Militärgeheimdienstes in der Wüste sowie den Militärflughafen und das Gefängnis der Stadt auf. Demnach zogen sich die Truppen nach Homs zurück, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, zu der auch Palmyra gehört.

In Palmyra nahm die Terrormiliz auch die archäologischen Stätten im Südwesten der Stadt ein. Dies löste weltweit große Sorge um das Unesco-Weltkulturerbe aus. Eine Zerstörung der archäologischen Stätten Palmyras wäre nach Einschätzung von Unesco-Chefin Irina Bokowa ein "enormer Verlust für die Menschheit". Die Ruinen stammen aus den ersten Jahrhunderten nach Christus.

Die einstige Handelsmetropole Palmyra gilt als einer der bedeutendsten Komplexe antiker Bauten im Nahen Osten. Im Nordirak hatten IS-Anhänger im Frühjahr bereits einmalige Kulturstätten zerstört, darunter die Ruinen der Jahrtausende alte Stadt Nimrud und die Grabungsstätte Ninive. Die altorientalischen Überreste stellen nach der radikalen Islam-Interpretation der Dschihadisten Kultstätten "Ungläubiger" dar.

Kein Strom, kein Wasser, keine Medizin

Aktivisten aus der Stadt erklärten, bislang habe es keine Zerstörungen gegeben. Der Leiter der syrischen Museums- und Altertumsbehörde, Mamun Abdul-Karim, sagte laut der staatlichen Nachrichtenagentur Sana, Hunderte Statuen seien vor dem IS-Einmarsch an einen sicheren Ort gebracht worden.

Die humanitäre Lage in Palmyra sei schwierig, teilte die Beobachtungsstelle mit. Das Regime habe mehrere Luftangriffe gegen IS-Stellungen geflogen. Aktivisten des Medienzentrums Palmyra berichteten, die Terrormiliz habe eine Ausgangssperre verhängt und durchkämme die Häuser auf der Suche nach Regierungsanhängern.

Laut den Menschenrechtsbeobachtern gibt es in Palmyra seit vier Tagen keinen Strom und auch weder Wasser noch medizinische Versorgung. Unklar ist, wie viele Menschen sich noch in Palmyra aufhalten. Den Aktivisten zufolge sind noch mehrere Zehntausend in der Stadt.

Quelle: ntv.de, mli/dpa/AFP