Politik

Parlament und Sender gestürmt Kurden demonstrieren europaweit gegen IS

52598807.jpg

"Stoppt Kobane - mit stiller Unterstützung": Die Demonstranten in Den Haag und Bonn fordern eine "Überlebensperspektive" für die Kurden in Nordsyrien.

(Foto: picture alliance / dpa)

In mehreren europäischen Städten demonstrieren Kurden gegen die Untätigkeit des Westens beim Vormarsch des IS auf Kobane. In den Niederlanden stürmen sie das Parlament, in Bonn und Düsseldorf dringen sie in Senderzentralen ein.

In mehreren europäischen Städten haben Kurden gegen den Terror des Islamischen Staats (IS) im syrisch-türkischen Grenzgebiet demonstriert. Durch Protestaktionen und Besetzungen wollen sie so auf die Lage der syrischen Stadt Kobane aufmerksam machen, die seit Wochen unter Beschuss durch den IS und möglicherweise kurz vor dem Fall steht.

Eine große Gruppe Demonstranten drang am Montagabend in das niederländische Parlament in Den Haag ein, um damit auf die Situation der Kurden in der umkämpften syrischen Stadt Kobane aufmerksam zu machen.

Nachdem die Vorsitzende der Zweiten Kammer, Anouchka van Miltenburg, mit ihnen gesprochen hatte und ein Treffen mit den Außenbeauftragten der Parteien in Aussicht stellte, verließen die rund 150 Menschen laut Polizei das Gebäude wieder friedlich. Auch vor dem Parlament demonstrierten mehrere hundert Aktivisten.

"Wir konnten einfach hineingehen, es gab kaum Sicherheitsmaßnahmen", sagte einer der Demonstranten laut der niederländischen Zeitung "De Telegraaf". Die Aktivisten hielten Plakate mit der Aufschrift "Stop Kobane" in die Luft und forderten die Niederlande ebenso wie andere westliche Staaten auf, sich stärker gegen einen Vormarsch der Extremisten des Islamischen Staats (IS) zu engagieren. "Wir sind froh, dass wir so etwas Aufmerksamkeit für unser Anliegen erzeugen konnten", sagte ein Demonstrant. Am Flughafen der belgischen Hauptstadt Brüssel gab es ebenfalls eine Solidaritätsaktion von Kurden.

Übergabe von Resolution an "Deutsche Welle"

Auch in Bonn sorgte eine Gruppe kurdischer Demonstranten für Aufsehen, als sie am Abend in das Sendegebäude der "Deutschen Welle" eindrangen. Dort übergaben die rund 60 Aktivisten Verantwortlichen des Senders eine Resolution, wie der Sender mitteilte. In dieser fordern sie Solidarität mit den Kurden in der türkisch-syrischen Grenzregion und "humanitäre Hilfe für die geflohenen Frauen und Kinder und langfristige Projekte, um Frauen, Mädchen und Kindern eine Überlebensperspektive zu bieten."

Vor dem Gebäude befanden sich laut Polizei insgesamt rund 100 Demonstranten. Nach Angaben eines Polizeisprechers verlief der unangekündigte Protest "friedlich und kooperativ". Die Resolution soll auf der Internetseite des Senders veröffentlicht werden.

Ebenso kam drangen Demonstranten in das Gebäude des WDR in Düsseldorf  ein.In Berlin versammelten sich nach Polizeiangaben etwa 600 Kurden. Für den heutigen Vormittag war eine weitere Demonstration in der Hauptstadt angemeldet. Auch aus Hamburg, Dortmund, Münster und Essen wurden spontane Demonstrationen gemeldet.

In der von Kurden bewohnten Stadt Kobane (arabisch: Ain al-Arab) selbst spitzt die Lage sich derweil weiter zu. Der IS drang am Montag in erste Straßenzüge am östlichen Rand der bislang rund 50.000 Einwohner zählenden Stadt im Nordwesten Syriens ein. Laut der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte rückten die Dschihadisten mit Panzern vor und setzten zudem Autobomben gegen die kurdischen Verteidiger Kobanes ein. Auch sei es zu ersten Häuserkämpfen gekommen.

Ebenso soll es in einer weiteren kurdischen Enklave, dem knapp 200 Kilometer weiter östlich gelegenem Hasaka, zu Angriffen des IS auf die kurdische Bevölkerung gekommen sein. Bei Selbstmordattentaten an Kontrollpunkten sollen demnach rund 30 Menschen ums Leben gekommen sein.

Quelle: n-tv.de, bwe/dpa

Mehr zum Thema