Politik

Auch Hendricks will sich trauen Leitungen in Standesämtern laufen warm

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Bereits im Jahr 2010 hat sich Bundesumweltministerin Barbara Hendricks verpartnert. Jetzt will sie im Oktober heiraten.

(Foto: dpa)

Alle wollen die Ehe für alle - so scheint es zumindest angesichts des großen Andrangs in deutschen Standesämtern. Im Herbst sollen die ersten gleichgeschlechtlichen Ehen geschlossen werden. Auch Barbara Hendricks möchte ihrer Partnerin das "Ja"-Wort geben.

Auf den Standesämtern klingeln wegen der Entscheidung für die Homoehe bereits die Telefone. "Die ersten Anrufe laufen jetzt schon bei den Standesämtern ein", sagte der Geschäftsführer des Verbands der deutschen Standesbeamten, Gerhard Bangert, dem MDR Aktuell. Die Menschen würden fragen, wann das Gesetz in Kraft trete und wann man Ehen schließen beziehungsweise bestehende Lebenspartnerschaften in Ehen umwandeln könne.

Bangert rechnet nach eigenen Angaben damit, dass die ersten Homoehen im Herbst geschlossen werden können. Das im Bundestag beschlossene Gesetz muss noch durch den Bundesrat - das geschieht vermutlich im Juli. Danach wird es von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier geprüft und unterzeichnet. Die Standesämter sollen dann drei Monate Zeit zur Vorbereitung bekommen.

Bangert rechnet durchaus mit einem gewissen Andrang von Heiratswilligen: "Wenn diese Paare natürlich alle direkt am ersten Tag, am Stichtag, in den Standesämtern aufschlagen würden, dann hätten wir ganz lange Schlangen", sagte er dem Sender.

Hendricks will ein Zeichen setzen

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks machte ihrer Partnerin öffentlich einen Heiratsantrag. "Wir haben uns am 22. Oktober 2010 verpartnert", sagte Hendricks bei einem Auftritt vor dem Brandenburger Tor in Berlin. "Dann könnten wir die ersten sieben Jahre rumbringen und dann am 22. Oktober heiraten." Vorher passe es wegen des Wahlkampfs nicht.

Hendricks hatte sich Ende 2013 beiläufig in einem Interview geoutet und gesagt, dass sie mit ihrer Lebenspartnerin Silvester feiern werde. Anfang 2016 hatte sie in der "Bunten" gesagt, ihre Lebenspartnerin, die auch die französische Staatsbürgerschaft besitze, kenne sie bereits seit fast 20 Jahren. Die Frau sei eine Lehrerin und neun Jahre jünger als sie.

"Über gemeinsame Freunde haben wir uns kennengelernt, sie hat teilweise im Bundestag gearbeitet. Es war eine Liebe, die sich langsam entwickelt hat." Ihr Outing begründete Hendricks mit der Hoffnung, dass ihre Entscheidung dazu beiträgt, lesbische Frauen selbstbewusster zu machen. Immer wieder hatte sich die Politikerin auch für Rechte von Lesben und Schwulen eingesetzt.

Berlins ehemaliger Bürgermeister Klaus Wowereit zeigte sich tief berührt vom Bundestagsbeschluss. "Das Herz flattert immer noch", sagte der 63-Jährige am Freitag in Berlin. "In wenigen Wochen wird die Ehe für alle möglich sein - und das ist auch gut so", sagte Wowereit in Abwandlung seines bekanntesten Ausspruchs. 2001 hatte sich der SPD-Politiker auf einem Parteitag, auf dem er als Kandidat für das Amt des Regierenden Bürgermeisters nominiert wurde, als erster aktiver Politiker geoutet. Er hatte gesagt: "Ich bin schwul - und das ist auch gut so."

Quelle: ntv.de, vni/dpa

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