Politik

Warteschlange mit Migranten Lindners Bäckerei-Anekdote provoziert Ärger

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Muss Kritik einstecken: FDP-Chef Christian Lindner.

(Foto: picture alliance / Wolfgang Kumm)

Beim Parteitag in Berlin spricht FDP-Chef Lindner auch über das Thema Einwanderung. Anschließend wird ihm Rassismus vorgeworfen, ein Parteimitglied erklärt sogar seinen Austritt. Lindner kann den Ärger überhaupt nicht verstehen.

FDP-Chef Christian Lindner ist mit Äußerungen über Migranten in Deutschland angeeckt. "Man kann beim Bäcker in der Schlange nicht unterscheiden, wenn einer mit gebrochenem Deutsch ein Brötchen bestellt, ob das der hoch qualifizierte Entwickler künstlicher Intelligenz aus Indien ist oder eigentlich ein sich bei uns illegal aufhaltender, höchstens geduldeter Ausländer", sagte Lindner in seiner Rede beim FDP-Parteitag am Samstag.  "Damit die Gesellschaft befriedet ist, müssen (...) sich alle sicher sein, dass jeder, der sich bei uns aufhält, sich auch legal bei uns aufhält", betonte Lindner. Das sicherzustellen, sei Aufgabe einer "fordernden, liberalen rechtsstaatlichen Einwanderungspolitik".

Chris Pyak, der auch bei der europäischen liberalen Parteien-Dachorganisation Alde aktiv ist, reagierte prompt. "Ich bin soeben aus der FDP ausgetreten", verkündete er per Twitter. "Christian Lindner hat in seiner Rede allen Nazis einen Vorwand geliefert dunkelhäutige Menschen zu drangsalieren." Pyak löste damit eine breite Diskussion im Internet aus.

Etliche Nutzer kritisierten Lindner für seine Äußerung, darunter auch Ulrich Schneider, der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. "Ich weiß nicht, ob Christian Lindner mit diesem Redebeitrag auf dem Bundesparteitag der FDP die Grenze zum Rassismus überschritten hat. Wenn nicht, ist er aber nahe an dieser Grenze dran", twitterte Schneider. Lindner reagierte empört. "Das ist echt eine widerliche Unterstellung von Dir. Die Botschaft ist eine ganz andere: Wenn die Menschen sich auf den Rechtsstaat verlassen können, dann können sie Vielfalt akzeptieren - das befriedet." Schneider, der sich mit Lindner duzt, forderte den FDP-Chef dazu auf, zuzugeben, dass er sich vergaloppiert habe.

Lindner meldete sich am Sonntag erneut zu Wort und nahm in einer Videobotschaft Stellung zu den Vorwürfen. "Wer in meinen Äußerungen Rassismus lesen will oder Rechtspopulismus, der ist doch etwas hysterisch unterwegs. Ich glaube, solche Debatten muss man nüchterner und vernünftiger führen", forderte er. Grundlage seiner Äußerungen sei eine reale Situation, die ein zugewanderter Bekannter ihm geschildert habe, der in seiner Umgebung Ressentiments und Ängste beobachte.

Die AfD hat allerdings mit der Bäcker-Anekdote inhaltlich kein Problem. Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel warf Lindner jedoch vor, seine Bedenken gegen die aktuelle Zuwanderungs- und Asylpolitik seien reine Lippenbekenntnisse. "Lindners markige Sprüche können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die FDP seit langem keine liberale rechtsstaatliche Politik mehr verfolgt", erklärte Weidel. Bisher habe sich die FDP jedem Antrag der AfD konsequent verweigert, der die Rechtsstaatlichkeit in Deutschland wieder herstellen will. "Wir laden die FDP aber gerne ein, ihren Worten auch Taten folgen zu lassen", sagte Weidel.

Quelle: n-tv.de, cro/dpa