Politik

Führung bei Rot-Rot-Grün? Linke uneins über künftige Bündnisse

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Sahra Wagenknecht sieht das Potential, mit einem linksnationalen Kurs auch der AfD wieder Wähler abringen zu können.

(Foto: imago/photothek)

Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht möchte mit einem linksnationalen Kurs neue Wähler gewinnen und in möglichen Mitte-links-Bündnissen nicht bloß der Juniorpartner sein. Ko-Fraktionsvorsitzender Dietmar Bartsch hat da andere Vorstellungen.

An der Spitze der Linksfraktion gibt es unterschiedliche Vorstellungen über die künftige Rolle der Partei in möglichen Mitte-links-Bündnissen. Im Interview mit n-tv.de sagte der Fraktionschef im Bundestag, Dietmar Bartsch, er wünsche sich zwar Mitte-links-Bündnisse, "aber ich sehe die Realitäten - die Mehrheiten sind andere im Bundestag". Die Partei müsse zunächst Mehrheitsvorstellungen der Bevölkerung zur Parteipolitik machen und dann auf kommunaler und Landesebene rot-rot-grüne Bündnisse schließen, "damit auch im Bund ein Politikwechsel mit Mitte-links irgendwann möglich wird", sagt er n-tv.de.

Deutlich offensiver bezüglich möglicher neuer Bündnisse sind die Vorstellungen von Bartschs Kollegin, der Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht. Sie will ihre Partei zur stärksten Kraft in einem möglichen Linksbündnis aufbauen. "Wieso sollten wir anstreben, nur Juniorpartner in einer SPD-Regierung zu werden?", sagte Wagenknecht in einem Interview mit dem "Spiegel". "Die Leute wollen, dass man nach der Macht greift", fügte sie hinzu.

Sammlungsbewegung nur Medien-Debatte?

Seit Wochen ruft die Politikerin zur Formierung einer neuen linken Sammlungsbewegung auf. Mit einem linksnationalen Kurs will sie dabei Wähler erreichen, die von der Globalisierung nicht profitieren und denen offene Grenzen Angst machen. "Es geht um Menschen, die sich von der SPD nicht mehr repräsentiert sehen", so Wagenknecht, "diese Potenziale wollen wir wieder aktivieren." Wagenknecht glaubt, auch Nichtwähler und Wähler der AfD zurückholen zu können.

Die Sammlungsbewegung hält Dietmar Bartsch jedoch gegenwärtig vor allem für ein Phänomen der Berichterstattung: "Die Sammlungsbewegung ist im Moment weitgehend eine Diskussion, die medial geführt wird", entgegnete er im Gespräch mit n-tv.de. "Angesichts der Lage in der Gesellschaft wünsche ich mir, dass sich möglichst viele Menschen um die Linke und in der Linken sammeln. Es gibt einen Kulturkampf von rechts, der es erfordert, dass wir ein Bollwerk der Menschlichkeit sind", sagte Bartsch. Über die konkreten Organisationsformen einer Bewegung, die neue Wähler erreichen könne, wolle er jedoch "nicht spekulieren".

Quelle: ntv.de, bdk