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Montag, 17. Oktober 2016

"Die Zeit des Sieges ist gekommen": Militärallianz startet Offensive auf Mossul

Die von langer Hand geplante Rückeroberung der letzten IS-Hochburg auf irakischem Gebiet hat begonnen: Zusammen mit kurdischen und schiitischen Milizen und unterstützt von der US-Luftwaffe rücken irakische Truppen auf die Millionenstadt Mossul vor.

Die irakische Armee hat die lange angekündigte Offensive zur Rückeroberung der IS-Hochburg Mossul gestartet. "Ich kündige heute den Beginn des heldenhaften Einsatzes an, der Euch vom Terror und der Unterdrückung durch Daesh befreit. Die Zeit des Sieges ist gekommen", verkündete Iraks Ministerpräsident Haider al-Abadi in den frühen Morgenstunden im Staatsfernsehen. Es wird mit erbitterten Kämpfen gerechnet. Die Rückeroberung Mossuls wäre ein wichtiger Meilenstein im Kampf gegen den IS, dessen arabischer Name Daesh lautet.

Bereits seit mehreren Wochen verlegt die irakische Armee schweres Gerät vor die Tore Mossuls.
Bereits seit mehreren Wochen verlegt die irakische Armee schweres Gerät vor die Tore Mossuls.(Foto: REUTERS)

Für die Extremisten wäre es eine Niederlage mit hohem Symbolwert. Von der nördlich gelegenen Millionenstadt unweit der türkischen Grenze rief IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi 2014 das sogenannte Kalifat aus, das die von den Extremisten eroberten Gebiete in Syrien und dem Irak umfasst. Seit dem Sommer 2015 gerät der IS im Irak jedoch immer stärker in die Defensive. Er verlor wichtige Städte im Süden des Landes an die irakischen Truppen, die bei ihrem Vormarsch von Schiiten-Milizen mit Verbindungen zum Iran und US-Luftangriffen unterstützt werden.

Angst vor Racheakten

Kräfte der irakischen Armee und Polizei hatten in den vergangenen Wochen und Tagen im Umland von Mossul Stellung bezogen. Unterstützt werden sie bei der Offensive von kurdischen Peschmerga-Kämpfern, auch lokale sunnitische Milizen sollen an dem Angriff beteiligt werden. Um Racheakte bei der Erstürmung vermeiden, sollen aber nur Armee und Polizei in die Stadt vorrücken.

Mossul ist die zweitgrößte Stadt des Irak. Die Bevölkerung besteht überwiegend aus Sunniten. Viele von ihnen fühlen sich von der schiitischen Mehrheit im Land und von der schiitisch dominierten Zentralregierung diskriminiert.

"Sind stolz, an eurer Seite zu stehen"

Die USA sagten dem Irak ihre Unterstützung zu. Auch die anderen Partner der internationalen Allianz gegen den IS stünden bei dem bevorstehenden schwierigen Kampf an der Seite des Landes, sagte US-Verteidigungsminister Ash Carter. Der Start der Offensive sei ein entscheidender Moment, um den IS zu besiegen. Zuvor hatte bereits der US-Beauftragte für die Anti-IS-Koalition, Brett McGurk, gesagt: "Wir sind stolz, bei diesem historischen Einsatz an Eurer Seite zu stehen."

In Mossul und im Umland sollen sich derzeit noch rund 4000 IS-Kämpfer aufhalten. Diese haben nach verschiedenen Berichten in der Stadt tiefe Gräben und ein Tunnelsystem ausgehoben, um sich zu verteidigen. Außerdem ist damit zu rechnen, dass Straßen und Gebäude mit zahlreichen Sprengfallen versehen sind, was einen Vormarsch auf die Stadt erschweren könnte.

UN warnen vor Flüchtlingswelle

Der eingeläutete Sturm auf die letzte Bastion des IS könnte einer der größten Militäreinsätze im Irak werden seit dem Sturz von Machthaber Saddam Hussein 2003. Vor der Einnahme durch den IS 2014 lebten in der nordirakischen Metropole knapp zwei Millionen Menschen. Derzeit sollen es bis zu 1,5 Millionen sein. Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR hatte vor der Offensive gewarnt, dass bis zu 700.000 Menschen aus Mossul und dem Umland fliehen und auf Hilfe angewiesen sein könnten.

Vor dem Start der Offensive wurden Zehntausende Flugblätter über Mossul abgeworfen. Darin wurde die Bevölkerung gewarnt, dass der Vormarsch samt Luftangriffen kurz bevorstehe. Zudem wurde erklärt, dass er keine Zivilisten zum Ziel hat. Die Einwohner sollten sich von bekannten Häusern der radikal-islamischen Kämpfer fernhalten. Russlands Präsident Wladimir Putin sagte am Sonntag, er hoffe, dass die USA und ihre Verbündeten alles täten, um Opfer unter den Zivilisten zu vermeiden.

Quelle: n-tv.de

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