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Nach dem Absturz von MH17 Obama macht Russland mitverantwortlich

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Ein prorussischer Kämpfer an der Absturzstelle zeigt ein Stofftier in die Höhe

(Foto: AP)

Noch immer wirkt der Schock des Flugzeugabsturzes in der Ukraine nach. Jetzt entwickeln sich langsam aber sicher die diplomatischen Initiativen. Es wird telefoniert, appelliert und aufgerufen - doch die große Frage ist noch immer unbeantwortet.

US-Präsident Barack Obama hat nach dem mutmaßlichen Abschuss des malaysischen Passagierflugzeugs über der Ostukraine mit Bundeskanzlerin Angela Merkel telefoniert. Obama sprach auch mit dem britischen Premierminister David Cameron, Polens Premierminister Donald Tusk und Australiens Premierminister Tony Abbott, teilte das Weiße Haus mit. Alle fünf Politiker sprachen sich in den Telefonaten demnach für eine schnelle internationale Untersuchung aus, um die Hintergründe des Absturzes der malaysischen Maschine mit 298 Toten zu klären. Mit Merkel sprach Obama auch über die neuen Sanktionen der USA und der EU gegen Russland.

US-Vizepräsident Joe Biden und der ukrainische Präsident Petro Poroschenko verlangten ebenfalls eine schnelle internationale Untersuchung mit ungehindertem Zugang zur Absturzstelle, wie das Weiße Haus mitteilte. Beide Politiker hätten übereingestimmt, dass Russland als die Seite, die für die Bewaffnung der Separatisten verantwortlich sei, die Aufständischen öffentlich aufrufen müsse, ihre Waffen niederzulegen und internationalen und ukrainischen Experten sofortigen Zugang zu gewähren.

Die Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Polens, Frank-Walter Steinmeier, Laurent Fabius und Radoslaw Sikorski, riefen zu einer gründlichen Untersuchung der Ursache und Umstände des Flugzeugabsturzes auf. Am Freitagabend veröffentlichte das Auswärtige Amt eine entsprechende Erklärung der drei Außenminister des Weimarer Dreiecks. Für eine solche Untersuchung müssten alle Feindseligkeiten sofort beendet und internationalen Teams voller Zugang zu dem Gebiet gewährt werden. Sollte sich bewahrheiten, dass die Maschine der Malaysia Airlines wirklich abgeschossen worden sei, müssten die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

Separatisten sortieren Koffer

Der OSZE-Forderung, nichts an der Absturzstelle zu verändern, wurde nicht gänzlich nachgekommen. Gepäckstücke seien fein säuberlich aufgereiht worden, sagte eine OSZE-Sprecherin. Wer hinter dem Absturz steckt, ist noch immer unklar. Laut US-Präsident Barack Obama sind dafür aber sehr wahrscheinlich moskautreue Kräfte verantwortlich. Die Boden-Luft-Rakete, die das Flugzeug abgeschossen habe, sei aus einem von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiet abgefeuert worden, sagte Obama. "Wir wissen noch nicht genau, was passiert ist", räumte er ein. Es wäre aber nicht das erste Mal, dass ein Flugzeug von den Aufständischen abgeschossen worden sei.

Indirekt wies Obama Russland eine Mitverantwortung zu. "Das war kein Unfall. Das passiert wegen russischer Unterstützung." Ohne diese sei es den Separatisten nicht möglich, "so zu funktionieren, wie sie funktionieren". Die Regierung in Moskau wies alle Vorwürfe zurück - und machte ihrerseits die ukrainische Führung mitverantwortlich. Direkte Anschuldigungen gegen Kremlchef Wladimir Putin vermied Obama. Man dürfe keine voreiligen Schlüsse ziehen, sagte er.

Angesichts der Tragödie riefen Obama und Putin die Konfliktparteien in der Ukraine zu einer sofortigen Waffenruhe auf. Obama bezeichnete den Vorfall auch als "Weckruf" für Europa und die Welt. Er forderte Russland erneut auf, endlich für Frieden in der Ukraine zu sorgen. Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Samantha Power, hatte eine Verstrickung Russlands in den Abschuss von Flug MH17 angedeutet. "Wir können nicht ausschließen, dass russisches Personal beim Betrieb dieser Systeme geholfen hat", sagte sie bei einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats in New York.

Separatisten sollen "Buk"-Lenkwaffen haben

Russland wies die Vorwürfe zurück. "Wir verweisen alle Schuld an die Regierung in Kiew", sagte Moskaus UN-Botschafter Vitali Tschurkin. Die Boeing 777-200 kann nach Ansicht von US-Experten nur von einer hoch komplexen Waffe getroffen worden sein. Wie die Zeitung "Wall Street Journal" schrieb, reichten tragbare Raketen, die von der Schulter abgefeuert werden, nicht aus, ein Verkehrsflugzeug in 10.000 Metern Höhe zu treffen.

Das in den 1980er-Jahren entwickelte Lenkwaffen-System "Buk" (Buche) kann Ziele in Höhen bis zu 25.000 Metern treffen. In Medienberichten hieß es, die Separatisten seien im Besitz der Waffe. Die prowestliche Führung der Ukraine wies dies zurück. Aus Sicht Kiews führt die Spur deshalb nach Russland. Aus Moskau kam umgehend das Dementi. Russland habe weder das Flugabwehrsystem noch sonstiges Kriegsgerät in das Nachbarland geschafft, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Deutschland beteiligt sich an einem Einsatz zur Bergung und Identifizierung der Opfer. Das Bundeskriminalamt wird dazu zunächst zwei Experten entsenden. Auch die internationale Polizeiorganisation Interpol schickt nach eigenen Angaben ein Spezialteam.

Quelle: n-tv.de, vpe/dpa

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