Politik

Saar-Linke beenden Wahlkampf Oskar und Sahra - wer hat das letzte Wort?

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Die Faust wie zum Kampf erhoben: Möglicherweise zum letzten Mal tritt der 73-jährige Oskar Lafontaine zur Wahl an.

(Foto: imago/Becker&Bredel)

Bei der Abschlusskundgebung von Linken-Spitzenkandidat Lafontaine kurz vor der Landtagswahl im Saarland stiehlt ihm beinahe jemand die Show. Aber der Saarländer hat den Heimvorteil.

Der Saal in der Volkshochschule in Saarbrücken ist zu drei viertel gefüllt. Vereinzelt sind Rufe nach "Oskar" zu hören. Vor allem ältere Menschen haben sich an diesem Abend in dem unscheinbaren Gebäude auf dem Schlossplatz eingefunden. Dass hier gleich Oskar Lafontaine, Spitzen-Kandidat der Linken im Saarland, auftreten wird, ist auf den ersten Blick weder draußen noch drinnen zu erkennen. Einzig der Wahlspruch "Klare Ansagen für unser Land" steht an der Wand hinter dem Rednerpult.

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Markige Sprüche bei den Linken.

(Foto: dpa)

Drei Reihen mit Stühlen haben die Linken für ihre Abschlusskundgebung zwei Tage vor der saarländischen Landtagswahl bereitgestellt. Im Rest des Raumes, der in etwa die Größe einer Schulaula hat, stehen vereinzelte Stehtische. Auf ihnen liegen Flyer mit dem Bild von Lafontaine. "Ein Oskar für das Saarland" verkünden sie. Daneben gibt es Postkarten zum Mitnehmen mit den vermeintlichen Forderungen der Linken: "Mehr Sex", "Mehr Pausen", "Mehr Bier", heißt es darauf.

Für den gebürtigen Saarländer Lafontaine ist es ein Heimspiel in Saarbrücken. Dreizehn Jahre lang war er Ministerpräsident im Saarland, damals noch mit der SPD. Dass er sich für seine letzte Rede vor der Wahl ausgerechnet den Saal der Volkshochschule ausgesucht hat, ist naheliegend. 1985 feierte er hier den Gewinn des Ministerpräsidentenamtes - mit absoluter Mehrheit. 2017 lässt er sich erneut bejubeln, auch wenn er keine Aussichten auf eine erneute Amtsperiode an der Spitze des kleinen deutschen Bundeslandes hat.

Der heimliche Star

Eine absolute Mehrheit würde er auch in diesem Saal nicht bekommen. Denn es gibt jemanden, der ihm den Rang nicht nur innerhalb der Partei, sondern auch an diesem Abend hörbar streitig macht. Bevor Lafontaine die Bühne betritt, erklimmt seine Ehefrau Sahra Wagenknecht die Stufen zum Rednerpult. Die "Oskar"-Rufe mischen sich mit "Sahra"-Gebrüll. Sie redet sich in Rage, die Zuhörer sind begeistert.

Lafontaine weiß, wie beliebt Wagenknecht, die Linken-Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl, hier ist. Eine Spitze gegen die 47-Jährige kann er sich wohl auch deswegen nicht verkneifen. Nachdem sie ihre Rede beendet hat, tritt der 73-Jährige ans Mikrofon. "Ich freue mich, dass Sahra Wagenknecht gesprochen hat, aber jetzt habe ich mal das letzte Wort", sagt Lafontaine.

Zudem mischt sich ein unsichtbarer Dritter an diesem Abend unter die Linken-Spitze. Immer wieder ist von SPD-Ikone Willy Brandt die Rede. "Frieden und Ausgleich mit Russland, und nie wieder Krieg von deutschen Boden", wird mehrfach betont.

"Am besten wär', wenn Anne geht"

Seine eigene Rede beginnt Lafontaine mit einer Parole. "Annegret, Annegret, am besten wär', wenn Anne geht", tönt er in Hinblick auf die amtierende Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer von der CDU. Überhaupt scheint die oberste Maxime der Linken zu sein, die 18 Jahre lang währende Regierung der Christdemokraten zu beenden. Immer wieder greifen Lafontaine und Wagenknecht nicht nur die Politik von Kramp-Karrenbauer, sondern vor allem auch jene von Bundeskanzlerin Angela Merkel an.

"Die CDU hatte die Chance, und hat die Prüfung nicht bestanden", bescheinigt Lafontaine der saarländischen Landesregierung. Erneut ertönt ein lautes "Oskar" im Saal - allerdings gefolgt von einem einzelnen "Du bist doch auch Millionär". Neben der sogenannten Millionärssteuer geht es in seiner Rede auch um die Neuverteilung von Eigentum: "Eine Reichensteuer wäre keine Enteignung, sondern Rückholung", lautet seine These. Es fallen die Namen der wohlhabendsten Familien Deutschlands: Quandt und Klatten. Sie sollen ihr Vermögen teilen, denn Eigentum könne man nur durch Arbeit erwerben, und "niemand kann so viel arbeiten, dass er eine Milliarde verdient".

Auch an die Adresse der SPD hat der Linke-Spitzenkandidat eine Botschaft: "Die Agenda 2010 muss auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen werden." Ansonsten ist der Ton gegen seine ehemaligen Parteigenossen milde. Der Schulz-Effekt hat offenbar auch die Linken erreicht, auch wenn man noch immer unzufrieden ist. "Wir finden es schön, dass Martin Schulz von sozialer Gerechtigkeit spricht, aber blumige Reden bringen nichts", sagt Wagenknecht. Zudem sei man überzeugt, dass eine starke Linke die SPD zur Richtungsänderung zwinge. Deshalb gelte im Saarland: "Wer wirkliche Veränderung will, muss dunkelrot wählen", so Wagenknecht weiter.

Am Sonntag wird sich entscheiden, ob die Linke in den Landtag einziehen wird. Bisher stehen sie laut Umfragen bei 12,5 Prozent, die SPD bei 32 Prozent. Für ein Rot-Rotes Bündnis könnte es also knapp werden. Für die Lokalmatadore Oskar und Sahra ist diese Landtagswahl aber sowieso etwas Besonderes. Oder wie es Wagenknecht ausdrückt: In ihrer Wahlheimat seien sie im Wahlkampf "mit dem Herzen dabei".

 

Quelle: ntv.de