Politik

"Make Europe Great Again" Schäuble vergleicht Schulz mit Trump

RTSTYIK.jpg

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kann den "Schulz-Effekt" nicht nachvollziehen.

(Foto: REUTERS)

Für den Bundesfinanzminister ist der Hype um SPD-Kanzlerkandidat Schulz nicht nachzuvollziehen. Dass dessen Anhänger den Ex-Europa-Politiker schon im Kanzleramt sehen, beweist für Schäuble nur eines: Schulz verführt die Massen genauso wie Trump.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sieht Gemeinsamkeiten zwischen SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz und US-Präsident Donald Trump. "Wenn Schulz seine Unterstützer 'Make Europe Great Again' rufen lässt, dann ist das fast wortwörtlich Trump", sagte Schäuble in einem Interview dem "Spiegel". Die Art, wie Schulz eine vermeintliche Spaltung der Gesellschaft beschwöre, folge der postfaktischen Methode des US-Wahlkampfs. Schulz würde es gut tun, so der Minister, wenn er "mal ein bisschen nachdenken" würde, statt auf "Dampfplauderei" zu setzen.

Er rede Deutschland in einer Art und Weise schlecht, wie es niemand tun dürfe, der Kanzler werden wolle. "In einer Zeit, in der weltweit die Versuchung durch den Populismus zugenommen hat, dürfen Politiker nicht so reden wie Herr Schulz", meinte Schäuble. Der SPD-Kanzlerkandidat sei auch kein glaubwürdiger Kämpfer gegen das Establishment. "Herr Schulz ist doch kein Underdog, der irgendwo aus dem Wald kommt. Der Mann saß jahrzehntelang im Europäischen Parlament, zuletzt als Präsident. Wenn das kein Establishment ist, was denn dann?"

Schulz hatte zuletzt in den Umfragen im Vergleich zu Kanzlerin Angela Merkel deutlich aufgeholt, in einigen liegt der frühere Präsident des EU-Parlaments sogar vorn. In dem am Mittwoch veröffentlichten wöchentlichen Wahltrend des Meinungsforschungsinstituts Forsa für das Magazin "Stern" und RTL überspringen die Sozialdemokraten erstmals seit Oktober 2012 wieder die 30-Prozent-Marke auf nun 31 Prozent. Sie gewannen fünf Punkte hinzu. Stärkste Kraft blieben CDU und CSU, die einen Punkt auf 34 Prozent abgeben.

Schulz-Effekt beflügelt SPD

Forsa-Chef Manfred Güllner ist überzeugt, dass der Höhenflug vor allem dem Verzicht von Sigmar Gabriel auf Kanzlerkandidatur und Parteivorsitz geschuldet ist. "Das Wichtigste ist, dass Gabriel nicht mehr da ist", sagte Güllner. "Gabriel hat nichts mehr in Richtung Zuversicht vermitteln können. Das ist eher ein Gabriel-Freude-Effekt als ein Schulz-Effekt." SPD-Vize Ralf Stegner hatte erklärt, er sei nicht besorgt, dass die Sozialdemokraten in den Umfragen wieder abstürzen könnten.

Derweil bemühte sich die Union angesichts der Umfragen um demonstrative Gelassenheit. "Das Neue hat seinen Reiz", hatte Unionsfraktionschef Volker Kauder der ARD gesagt. Er rechne mit einem geschlossenen Auftritt der beiden Unionsparteien im Wahlkampf. Es sei "völlig klar", dass die CSU zu Merkel stehe. Es herrsche auch bei der CSU "große Freude", dass der Konflikt überwunden sei. Die Spitzen der beiden Unionsparteien hatten am Montag nach langem Zögern auf CSU-Seite Merkel zur gemeinsamen Kanzlerkandidatin erklärt.

Quelle: n-tv.de, jug/dpa/AFP/rts