Politik

"Kurzsichtige Kritik hilft nicht" Schulz rät Tsipras zu verbaler Abrüstung

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Martin Schulz hat schon kurz nach Alexis Tsipras' Amstantritt in Athen vorbeigeschaut.

(Foto: dpa)

Griechenlands Ministerpräsident Tsipras ist auf Konfrontationskurs mit allen, die das Land zu Sparanstrengungen zwingen wollen. Vor allem Kanzlerin Merkel gilt dem Linkspolitiker als verantwortlich für die Misere. EU-Parlamentspräsident Schulz rät zur Mäßigung.

Im Ringen um Erleichterungen beim Schuldenabbau hat EU-Parlamentspräsident Martin Schulz der neuen griechischen Regierung geraten, Angriffe auf Bundeskanzlerin Angela Merkel zu beenden. Er habe Ministerpräsident Alexis Tsipras "nachdrücklich ans Herz gelegt, verbal abzurüsten", sagte Schulz der "Welt am Sonntag". "Schließlich ist es unter anderem die Bundesregierung, die ihm wird helfen müssen." Es möge bei manchen vielleicht gut ankommen, "auf die Deutschen einzuprügeln - aber es ist auch kurzsichtig und bringt uns nicht weiter".

Wenn Tsipras glaube, er könne die Troika nach Hause schicken und die Europäer finanzierten ihm seine Wahlversprechen, habe er sich getäuscht. Der EU-Parlamentspräsident bemängelte, er könne die Konzeption der neuen Regierung in Athen "im Moment noch nicht vollständig erkennen". Dies eröffne aber auch die Chance, gemeinsam eine konstruktive Richtung einzuschlagen, sagte Schulz.

Griechenland hatte am Freitag die Zusammenarbeit mit der Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) aufgekündigt. Auch das laufende Rettungsprogramm, aus dem noch Zahlungen ausstehen, will die neue Regierung nicht mehr verlängern. Finanzminister Giannis Varoufakis trifft am Sonntag mit seinem französischen Kollegen Michel Sapin in Paris zu Beratungen zusammen.

Tsipras: Brauchen mehr Zeit

Griechenland wird seit 2010 mit internationaler Finanzhilfe vor der Pleite bewahrt. Im Gegenzug hat sich das Land zu massiven Einsparungen und Reformen verpflichtet. Tsipras sieht diese als übertrieben an. Deutschland kommt als wirtschaftsstärkstes Euroland im Spar-Streit eine entscheidende Rolle zu. Daher steht die Bundesregierung in der Wahrnehmung vieler Griechen nicht gut da.

Bereits am Samstag schlug Tsipras versöhnlichere Töne an. Niemand wolle Streit, versicherte der Linkspolitiker. Sein Land werde seinen Verpflichtungen nachkommen, benötige aber mehr Zeit für sein Reformprogramm.

Quelle: n-tv.de, jog/dpa/rts

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