Politik

Angeblich schlechtere Qualität Slowakei befeuert den "Nutella-Krieg"

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Robert Fico agitiert gegen angebliche Lebensmittelungleichheit.

(Foto: AP)

Der slowakische Ministerpräsident Fico ist sauer - in den östlichen Ländern der EU seien Produkte von Jacobs, Iglo und Lenor nicht so hochwertig wie im Westen. Der Politiker befeuert damit einen Streit, der bereits seit Langem schwelt: den sogenannten Nutella-Krieg.

In den sogenannten Nutella-Krieg kommt Bewegung. Sein Land wie auch Polen, Ungarn und Tschechien wollen sich nicht mehr bieten lassen, dass im Osten der EU manche Produkte nicht die gleiche Qualität wie im Westen haben, sagte der Ministerpräsident der Slowakei, Robert Fico. Er kündigte nach einem Treffen mit den Regierungschefs der Visegrad-Gruppe in Budapest an, kommende Woche mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker über die aus seiner Sicht mangelhafte Lebensmittelqualität in den vier Ländern zu sprechen.

Bereits am Vortag hatte Fico heftige Kritik bei der EU-Kommission vorgetragen. Dafür brachte er laut einem ARD-Bericht extra Kaffee von Jacobs, Fischstäbchen von Iglo und Waschmittel von Lenor in doppelter Ausführung mit. Einmal aus der Slowakei, einmal aus Österreich.

Fico verglich die Zutaten und behauptete, die Qualität sei im Westen besser. Er wisse, dass er rechtlich keine Möglichkeit habe, Strafmaßnahmen zu erlassen, sagte er laut "ARD". Wenn sich aber nichts daran ändere, wolle man einen Boykott ins Auge fassen.

Die Krise schwelt schon seit Monaten. Im Februar war es Ungarn, das öffentlich über die Nutella-Qualität klagte. Die Lebensmittelbehörde legte damals einen Bericht vor, demzufolge der Brotaufstrich in Österreich cremiger sei als zu Hause. Auch andere Produkte wurden bemängelt. So schmeckt die Coca-Cola in Ungarn nach Ansicht der Tester "weniger vollmundig". Die Ungarn wollten eine faire Behandlung, hieß es damals von der Lebensmittelbehörde. Es gehe weniger ums Recht als vielmehr um die Moral. Auch in Tschechien und der Slowakei gab es solche Tests - mit ähnlichem Ergebnis.

Orbán: Doppelmoral auf dem EU-Markt

Im März griff auch Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán das Thema auf. "Wir glauben, dass es eine Doppelmoral auf dem Markt der Europäischen Union gibt", sagte dieser laut einem Bericht der "Welt". Es müsse verhindert werden, dass Europa "unsere Länder und Märkte als Müllabladeplatz nutzt", so Orbán. In einer Erklärung verlangten die vier Visegrad-Staaten Ungarn, Polen, Slowakei und Tschechien eindeutige Qualitätsstandards für Produkte, wie sie etwa in der Autoindustrie bereits gelten.

Die Lebensmittelkonzerne weisen die Vorwürfe zurück. Laut "ARD" verweisen sie darauf, dass die Geschmäcker in den einzelnen EU-Staaten verschieden seien und daher die Zusammensetzung mancher Produkte abweiche. Unabhängige Stellen wiesen auf methodische Mängel der selektiven Untersuchungen hin. In der "Welt" hieß es, manche Vertreter der Konzerne hätten allerdings hinter vorgehaltener Hand gesagt, die Qualität der Zutaten könne angesichts niedriger Preise in den betroffenen Ländern nicht immer das gleiche Niveau wie im Westen haben. Westliche Diplomaten befürchteten zudem, dass die Länder das Thema auch deswegen forcieren, um heimische Hersteller zu protegieren.

Dem "ARD"-Bericht zufolge wollen die Visegrad-Staaten nun ihr weiteres Vorgehen beraten. Deutlich geworden ist bereits, wie emotional das Thema besetzt ist. Eine polnische Zeitung sprach gar von "Lebensmittelrassismus". Bis der Nutella-Krieg zum Nutella-Frieden wird, dürfte noch einige Zeit verstreichen.

Quelle: n-tv.de, vpe

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