Politik

"Wer hilft Deutschland?" Syrer fliehen aus Flüchtlingslagern

64d934e8-7cea-42ae-8eb9-1e8c295af1ef.jpg

Viele Tausend sind noch auf dem Weg nach Europa. Sie fliehen auch vor dem nahenden Winter in ihren maroden Camps.

(Foto: AP)

Aus blanker Not verlassen Zehntausende die Flüchtlingslager rund um Syrien. Die Versorgung vor Ort ist unzureichend, heißt es bei den Vereinten Nationen. Es fehlt schlicht am Geld. Vizekanzler Gabriel will sich das näher ansehen.

Angesichts der steigenden Zahl syrischer Asylbewerber hat SPD-Chef Sigmar Gabriel mehr Geld zur Hilfe in Flüchtlingslagern in den Nachbarstaaten des Bürgerkriegslandes zugesagt. "Deutschland wird seine Mittel erhöhen", sagte der Vizekanzler. Aber Europa, die Golf-Staaten und die USA müssten auch mitmachen. Es sei "eine große Schande", dass das Welternährungsprogramm seine Mittel zur Versorgung der Flüchtlinge habe kürzen müssen, weil die reichen Nationen kein Geld gäben.

*Datenschutz

In der kommenden Woche will Gabriel ein Flüchtlingslager in Jordanien besuchen, um sich selbst ein Bild davon zu machen, welche Hilfe aus Europa gebraucht wird. Er wird zu Beginn kommender Woche zu einer zweitägigen Reise in das Königreich aufbrechen. "Wir treffen uns mit Menschen aus Jordanien, mit Flüchtenden, wir werden eines der ganz großen Flüchtlingscamps besuchen", sagte der SPD-Chef.

Kritik aus anderen EU-Ländern am deutschen Kurs in der Flüchtlingskrise wies der Vizekanzler zurück: "Deutschland hilft. Wer hilft eigentlich Deutschland?" Die Deutschen öffneten ihre Turnhallen, sammelten Spenden, organisierten Sprachunterricht. "Andere ziehen Grenzzäune, verbauen Stacheldraht und schließen ihre Tore."

Zu wenig Geld vor Ort

Nach Einschätzung der Vereinten Nationen sehen sich Zehntausende Syrer auch wegen zunehmender Not in den Aufnahmelagern der Nachbarländer zur Flucht nach Europa gezwungen. UN-Hilfsorganisationen warnen seit Monaten, dass zu wenig Geld zur Versorgung syrischer Flüchtlinge in der Nahost-Region zur Verfügung steht. Die Konsequenzen würden jetzt sichtbar, heißt es. "Die Flüchtlinge, die inzwischen jahrelang in den Nachbarländern wohnen, werden immer ärmer und immer verzweifelter."

Im Libanon zum Beispiel habe man kein Verständnis dafür, wenn in Europa angesichts des Zustroms von Flüchtlingen von einer Krise die Rede sei. "Im Libanon lachen sie darüber, denn sie haben 1,2 Millionen Syrer aufgenommen - ein Land mit einer Bevölkerungszahl von vier Millionen." Viele Syrer hätten eigentlich in der Nähe ihrer Heimat bleiben wollen, würden nun aber nach Europa ziehen. "Sie bleiben nicht mehr in den Nachbarländern, die gesagt haben: 'Es ist genug - wir können nicht mehr aufnehmen.'"

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa/rts

Mehr zum Thema