Politik

Fahndung nach Flüchtigem Terror in Paris: Das Wichtigste im Überblick

Bei einer Terrorserie in Paris sterben 129 Menschen. Die Regierung spricht von Terroranschlägen. Die Extremisten-Miliz Islamischer Staat bekennt sich zu der Tat. Die Spur der Attentäter führt offenbar nach Belgien. Die Faktenlage im Überblick.

Was ist passiert?

Die französische Hauptstadt Paris ist am Freitagabend zur Zielscheibe des islamistischen Terrors geworden. An sechs Orten griffen Anhänger der Terrororganisation "Islamischer Staat" an. In der Konzerthalle Bataclan kam es zu einer blutigen Geiselnahme, hier wurden auch die meisten Menschen ermordet. Zudem gab es Explosionen in der Nähe des Stade de France, während die Nationalmannschaften von Frankreich und Deutschland gegeneinander spielten. Dabei starben vier Personen, drei von ihnen sollen Attentäter gewesen sein.

Wie viele Opfer gibt es?

129 Menschen starben. Mindestens 89 davon wurden in der Konzerthalle Bataclan ermordet. Dutzende wurden schwer verletzt. Einige schweben noch in Lebensgefahr. Unklar ist derzeit noch, ob die Zahl von 129 Toten sich nur auf die Opfer der Angriffe bezieht, oder ob hier auch schon die sieben toten Attentäter eingerechnet sind. Insgesamt konnten bisher 103 Leichen identifiziert werden. Am Morgen bestätigte das Auswärtige Amt, dass unter den Opfern mindestens ein Deutscher ist.

Welche Anschlagsorte gibt es?

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Der für Terrorismus zuständige Staatsanwalt François Molins sprach nach den Angriffen von sechs Anschlagsorten:

  • Konzertsaal "Bataclan" am Boulevard Voltaire
  • Boulevard Voltaire
  • Restaurant "Le Petit Cambodge" / "Café Carillon" in der Rue Alibert
  • "Café Bonne Bière" (Rue du Faubourg du Temple) / Pizzeria "La Casa Nostra"
  • Bar "La Belle Équipe" in der Rue de Charonne
  • Fast-Food-Restaurant am "Stade de France" im Stadtteil Saint Denis

Was ist mit den Attentätern?

Sieben Attentäter sind ums Leben gekommen. Das ist offiziell bestätigt. Sechs haben sich demnach nach dem Überfall auf die Konzerthalle Bataclan oder bei den Anschlägen in der Nähe des Stade de France in die Luft gesprengt haben. Einer wurde von Polizeikräften erschossen.

Einer der Männer wurde schon früh als der Franzose Omar Ismail Mostefai identifiziert. Der 29-Jährige war seit fünf Jahren polizeibekannt und ist den Ermittlern wegen seiner zunehmenden Radikalisierung aufgefallen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Eine Spur der Attentäter führt nach Brüssel. Wie die Staatsanwaltschaft in der belgischen Hauptstadt erklärte, hätten zwei Attentäter in Brüssel gelebt. Sie seien französische Staatsbürger gewesen. Ob Mostefai zu den beiden gehörte, ist unklar.

Wie am frühen Sonntagmorgen bekannt wurde, könnte mindestens einem Terrorkommando die Flucht gelungen zu sein. Französische Ermittler stellten ein Auto östlich von Paris sicher. In dem Wagen wurden mehrere Kalaschnikows gefunden. Der schwarze Seat war im Vorort Montreuil entdeckt worden und soll von den Terroristen benutzt worden sein, die vor mehreren Cafés und Restaurants wahllos Menschen erschossen.

Die belgische Justiz fahndet derzeit nach dem Franzosen Abdeslam Salah. Der 26-Jährige soll ein zweites von den Attentätern genutztes Fahrzeug, einen VW Polo, gemietet haben. Er gilt als gefährlich. Sein Bruder ist laut "Washington Post" Ibrahim Salah; er soll einer der Pariser Selbstmordattentäter gewesen sein. Ein zweiter Bruder Salahs soll einer der bei der Brüsseler Razzia Festgenommenen sein.

Wer steckt hinter den Attentaten?

Die Extremisten-Miliz Islamischer Staat hat sich zu den Anschlägen bekannt. In einem im Internet veröffentlichten Schreiben heißt es "acht Brüder" - der französische Staatsanwalt spricht hingegen von sieben Attentätern - mit Sprengstoffgürteln und Sturmgewehren hätten einen "gesegneten Angriff" auf das "Kreuzzug-Frankreich" verübt. Die Angriffsziele seien "bewusst im Herzen von Paris ausgewählt" worden. Beim Angriff auf das Bataclan sollen die Angreifer einem Augenzeugen zufolge "Allahu akbar" (Gott ist groß) gerufen haben.

Die Attentate sind nach Ansicht des Terrorismus-Experten Peter Neumann möglicherweise von hohen Stellen des IS in Syrien gesteuert worden. "Dieser Anschlag war organisiert und koordiniert", betonte er. "Hier haben unterschiedliche Teams zusammengearbeitet, die offensichtlich relativ gut ausgebildet, sehr routiniert und geschickt waren." Die Täter hätten Expertise und wohl auch militärisches Training gehabt. "Das deutet auf eine andere Qualität hin, möglicherweise sogar auf eine Koordination aus Syrien heraus", sagte er. "Es sah zumindest so aus wie eine Auslandsoperation, die tatsächlich von relativ hohen Stellen im Islamischen Staat abgesegnet und wahrscheinlich auch koordiniert wurde."

Wie reagiert Frankreich?

Für das ganze Land wurde der Ausnahmezustand ausgerufen, der bis einschließlich Montag gelten soll. Präsident Hollande will ihn auf drei Monate ausdehnen. An Straßen, Zuglinien, Häfen und Flughäfen wurden wieder Grenzkontrollen eingeführt. Direkt nach den Anschlägen waren einige U-Bahn-Linien gesperrt worden. Auch heute soll unbestätigten Angaben zufolge noch eine Linie gesperrt sein. Der Flug- und Zugverbindungen ist dagegen kaum eingeschränkt. Die Menschen in Paris wurden aufgerufen, in ihren Wohnungen zu bleiben. In Paris wurden 3000 Reservisten mobilisiert. Die französische Luftwaffe hat zudem begonnen, die syrische IS-Hochburg Rakka zu bombardieren. Dabei zerstörten sie ein IS-Trainingslager und ein Camp, das den Dschihadisten als Kommandozentrale und Waffenlager gedient hat.

Quelle: n-tv.de, tno/jog/kpi