Politik

Nach Armenien-Resolution Türkische Presse zeigt Merkel mit Bärtchen

Merkel muss harte Kritik aus der Türkei einstecken.

Merkel muss harte Kritik aus der Türkei einstecken.

(Foto: dpa)

Das wütende Pressecho in der Türkei spiegelt die große Enttäuschung über Deutschland und die verabschiedete Resolution wider. Es wird von Verrat und zerbrochener Freundschaft gesprochen. Ministerpräsident Yildirim lenkt dagegen ein.

Die Annahme der Völkermord-Resolution zu den Massakern an den Armeniern im Bundestag hat in der Türkei ein verheerendes Presseecho hervorgerufen. Regierungsnahe Zeitungen laufen einhellig Sturm gegen die Resolution. Auch von manchen kritischen Medien wird sie hart verurteilt.

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Die Zeitung "Sabah" - die Positionen der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP wiedergibt - erscheint mit Blick auf das Bündnis zwischen Deutschland und dem Osmanischen Reich im Ersten Weltkrieg mit der Schlagzeile: "Unser Waffenbruder ist uns in den Rücken gefallen".

Zu der Bundestags-Entscheidung meinte das Blatt: "Dadurch ist die Schicksalsgemeinschaft, die im Ersten Weltkrieg begonnen hat, Geschichte. (...) Unsere Soldaten haben ihr Leben offenbar umsonst für Deutschland gegeben."

Die einstmals AKP-kritische Zeitung "Hürriyet", die sich in den vergangenen Monaten Regierungspositionen angenähert hat, trägt vor einem Foto des Bundestags die Schlagzeile: "Schande über Euch". Weiter heißt es: "Der Bundestag hat die Resolution zum Armenier-Genozid angenommen, die eine tiefe Wunde in die jahrhundertealten Beziehungen zur Türkei reißen wird."

Merkel mit Hakenkreuz und Hitlerbart

Im Innenteil schrieb das Blatt vom "Völkermord an der Freundschaft". Die AKP-feindliche und stramm kemalistische Zeitung "Sözcü" druckt eine Fotomontage von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Hitlerbart und in einer Nazi-Uniform vor einer Hakenkreuzflagge. Das Blatt titelt auf Deutsch: "Schämen Sie sich!".

"Sözcü" kritisiert: "Hitlers Enkel haben die Türkei des Genozids bezichtigt. (...) Deutschland, das im Zweiten Weltkrieg Völkermord begangen hat, indem es sechs Millionen Juden massakriert hat, und das mit Waffenlieferungen an die PKK den Weg dafür bereitet hat, dass unsere Kinder zu Märtyrern werden, hat den sogenannten armenischen Genozid ratifiziert...WIR SIND WÜTEND".

Die regierungskritische Zeitung "Cumhuriyet" wählt dagegen eine nüchterne Schlagzeile. "Die Einsamkeit von 1915" schreibt das Blatt in Anspielung auf die zunehmende Isolation der Türkei in der Völkermorddebatte. "Die AKP und (Präsident Recep Tayyip) Erdogan haben einen weiteren Diplomatie-Krieg verloren".

Yildirim zeigt sich versöhnlich

Bei allem Ärger über die Armenier-Resolution des Bundestages will die türkische Regierung die Beziehungen zu Deutschland jedoch vor nachhaltigem Schaden bewahren. "Ungeachtet der Umstände werden wir unsere Beziehungen zu unseren Freunden und Verbündeten fortsetzen", sagte Ministerpräsident Binali Yildirim laut der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu. "Deutschland und die Türkei sind zwei sehr wichtige Verbündete."

Yildirim verwies darauf, dass nur etwa 250 der insgesamt 650 Bundestagsabgeordneten an der Abstimmung über die Armenier-Entscheidung teilgenommen hätten. Die Türkei werde eine "angemessene Antwort" finden, das enge Verhältnis zu Deutschland aber nicht aufs Spiel setzen. "Niemand sollte erwarten, dass sich unsere Beziehungen zu Deutschland durch diese oder ähnliche Entscheidungen von jetzt auf gleich völlig verschlechtern", sagte er.

Am Donnerstag hatten alle Fraktionen im Bundestag nahezu geschlossen für eine Resolution gestimmt, in der die Tötung von bis zu 1,5 Millionen Armeniern sowie Aramäern und Angehörigen weiterer christlicher Minderheiten vor rund hundert Jahren im Osmanischen Reich als Völkermord bezeichnet wird. Ankara lehnt das vehement ab.

Quelle: n-tv.de, sro/dpa/AFP

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