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Hauptprüfung eingeleitet Uni untersucht von der Leyens Doktorarbeit

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Von der Leyen weist die Plagiatsvorwürfe zurück.

(Foto: imago/IPON)

Die Hochschule, bei der Verteidigungsministerin von der Leyen ihre Doktorarbeit eingereicht hat, prüft diese auf Fehler. Die Prüfung durch eine Kommission lasse jedoch keinen Rückschluss auf das Ergebnis zu, wird betont.

Die Medizinische Hochschule Hannover weitet die Überprüfung der Doktorarbeit von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen aus. Die Ergebnisse einer von der Ministerin selbst angestoßenen Vorprüfung lägen seit Sonntag der Hochschulleitung vor, teilte die Uni-Pressestelle mit. Die Hochschulleitung habe nun entschieden, eine "förmliche Untersuchung" oder "Hauptprüfung" durch eine fünfköpfige Kommission einzuleiten.

Die Hochschule betonte: "Die Einleitung einer Hauptprüfung lässt keinen Rückschluss auf das mögliche Ergebnis des Verfahrens zu." Die Schwelle zur Einleitung einer solchen Prüfung sei "grundsätzlich niedrig".

Inhalt der förmlichen Untersuchung sei in der Regel zunächst die Detailprüfung aller im Raum stehender Vorwürfe durch die Kommissionsmitglieder und deren Einzelbewertungen sowie im zweiten Schritt eine Gesamtbewertung. Der bereits vorliegende Bericht der Ombudsperson zur Vorprüfung enthalte "also keine abschließenden Wertungen zu geäußerten Vorwürfen", betonte die Hochschule. Die Kommission besteht den Angaben zufolge aus fünf Mitgliedern, darunter auch ein Rechtsexperte.

SPD wartet ab

Die SPD will den Täuschungsvorwurf derzeit nicht bewerten. Es seien "schwerwiegende Behauptungen", die nun auf eigenen Wunsch der Ministerin überprüft würden. Dem Ergebnis sollte man nicht vorgreifen: "Ich kenne weder die Doktorarbeit, noch bin ich ein unabhängiger Prüfer", sagte SPD-Vize Ralf Stegner. Ganz kalt lässt es die Genossen natürlich nicht, ob der Vorgang der prominenten Christdemokratin noch gefährlich werden könnte: "Ich bin genauso gespannt auf das Ergebnis wie sie vermutlich auch", schob Stegner auf einer Pressekonferenz nach. Mehrere CDU-Politiker nahmen derweil von der Leyen in Schutz.

Die Ministerin hatte die Hochschule nach eigenen Angaben im August um eine Prüfung ihrer Arbeit gebeten. Dies geschah nach Angaben der Uni durch eine Ombudsperson. Nach Angaben der Internet-Plattform Vroniplag Wiki hat die Ministerin und stellvertretende CDU-Vorsitzende in ihrer medizinischen Doktorarbeit aus dem Jahr 1990 fremde Texte ohne saubere Kennzeichnung übernommen. Zudem seien weitere Fehler gefunden worden. Von der Leyen weist den Plagiatsvorwurf zurück.

Nach Ansicht von zwei Juraprofessoren sind die Plagiatsvorwürfe jedoch gravierend. Er halte die "Mängel für schwerwiegender" als im Fall der deswegen zurückgetretenen früheren Bundesbildungsministerin Annette Schavan, sagte der Berliner Juraprofessor Gerhard Dannemann der "Süddeutschen Zeitung". Er gehört zum Team von Vroniplag Wiki. Dannemann sagte weiter: "Die Häufigkeit und leichte Vermeidbarkeit der Fehler spricht für grobes Schlampen." Er sprach von einem "Muster in der Arbeitsweise". Auch der Plagiatsexperte Volker Rieble bewertet das Vorgehen von der Leyens als "eindeutiges Plagiat".

Quelle: n-tv.de, mli/AFP/dpa

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