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Wahlschlacht der US-Demokraten Wer in New Hampshire nicht gewinnt, ...

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Wenn Noch-Favorit Joe Biden in New Hampshire kein gutes Ergebnis einfährt, sieht es düster für ihn aus.

(Foto: REUTERS)

Die US-Demokraten haben eine bewegte Woche hinter sich: Auszählungschaos in Iowa, eine aggressive TV-Debatte, Geister der Vergangenheit im Parteivorstand. Nun bestimmen die Wähler im Bundesstaat New Hampshire, wen sie gegen Donald Trump ins Rennen schicken wollen.

Was ist seit dem Caucus in Iowa geschehen?

Im Vorwahlkampf der Demokraten ist der Ton zwischen den Vertretern der beiden Parteiflügeln rauer geworden, das war auch abseits der TV-Debatte am vergangenen Freitag hörbar. Öffentlich attackierte der linke Bernie Sanders, der seinen Wahlkampf vor allem mit vielen Kleinspendern finanziert, den gemäßigten Pete Buttigieg wegen dessen Großspendern. Die beiden sind die Sieger des Iowa Caucus. Der bisherige Favorit und Ex-Vizepräsident Joe Biden scheint derzeit auf dem absteigenden Ast zu sein. Jetzt steht die Vorwahl in New Hampshire an.

Wie ist die Ausgangslage?

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Die Bewerber: Tom Steyer, Elizabeth Warren, Bernie Sanders, Joe Biden, Pete Buttigieg, Mike Bloomberg, Andrew Yang, Amy Klobuchar (von oben links).

(Foto: REUTERS)

Die Zustimmungswerte für Buttigieg sprangen nach seinem starken Abschneiden in Iowa auch in New Hampshire in die Höhe. Interessant ist die Parallele zu 2016: Da verlor Sanders gegen Hillary Clinton denkbar knapp mit 0,2 Prozent in Iowa, holte aber einen Erdrutschsieg in New Hampshire. Allerdings sind diesmal viel mehr ernst zu nehmende Kandidaten im Rennen. National haben im Umfrageschnitt die führenden Biden und Sanders leicht verloren, der Milliardär Mike Bloomberg und Buttigieg hinzugewonnen.

Was ist so besonders an New Hampshire?

Während es in Iowa eher darauf ankam, den Wahlkampf besonders gut durchzuorganisieren, müssen im kleinen Ostküstenstaat vor allem Unabhängige überzeugt werden. Von registrierten Wählern werden 42 Prozent zu dieser Gruppe gezählt. Viele treffen ihre Entscheidung in letzter Minute oder sogar Sekunde in der Wahlkabine. Rund ein Drittel gaben an, noch nicht zu wissen, für wen sie stimmen werden.

Wer hat die besten Chancen?

Sanders gewann New Hampshire im Jahr 2016 im Vorbeigehen mit 60,4 Prozent. Das wird diesmal nicht passieren. Trotzdem führt der Senator aus dem benachbarten Vermont in dortigen Umfragen mit rund 27 Prozent vor Buttigieg mit 21 Prozent. Es folgen die linke Elizabeth Warren und Biden; die moderate Amy Klobuchar machte nach der TV-Debatte einen Satz auf 10 Prozent.

Wie steht es um Biden national?

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Der Ex-Vizepräsident von Barack Obama setzt vor allem auf die Vorwahl in South Carolina am 29. Februar. Es wird die letzte vor dem Super Tuesday sein, wenn 14 Bundesstaaten mehr als ein Drittel der Wahlmännerstimmen festlegen. Biden ist bei Afroamerikanern beliebt und in der Vorwahl 2016 kamen 61 Prozent dort von dieser Wählergruppe. Das Duell Buttigieg gegen Sanders könnte dann auch wieder zum Gruppengerangel werden. Allerdings macht Bloomberg den Super Tuesday zur Blackbox, die alle Vorhersagen und historischen Vergleiche pulverisieren könnte. Er wird begünstigt vom den neuen Wahlkampfregeln des Parteivorstands der Demokraten, des Democratic National Comittee (DNC). Das bringt insbesondere Sanders auf die Palme.

Weshalb die Aufregung?

Wegen der Vorgeschichte aus dem Wahlkampf 2016 ist Sanders gegenüber dem DNC besonders sensibel: Damals hatte der DNC Clinton gegenüber Sanders bevorzugt, weshalb die damalige Vorsitzende zurücktreten musste. Der Vorstand ist zur Neutralität verpflichtet. Nach dem chaotischen Caucus in Iowa vor einer Woche hatte sich zunächst Buttigieg zum Sieger erklärt, obwohl die Auszählung noch nicht beendet war. Buttigieg gewann prozentual hauchdünn, aber Sanders vereinte die meisten abgegebenen Stimmen auf sich. Wegen Ungereimtheiten sprach sich der DNC-Vorsitzende Tom Perez für eine Neuberechnung aus - Sanders' Anhänger sehen sich deshalb benachteiligt. Sanders selbst kritisiert auch, dass der Vorstand die Qualifikationsregeln für die TV-Debatten geändert hat, damit Bloomberg teilnehmen kann.

Was ist dabei neu?

Zuvor mussten Bewerber eine Mindestzahl von Einzelspendern vorweisen, diese Regel gilt nun nicht mehr. Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten finanziert Bloomberg seinen Wahlkampf selbst. Für die kommende Diskussion am 19. Februar reichen schon Umfragewerte von über 10 Prozent.

Kann man nach New Hampshire schon absehen, wer gegen Trump antreten wird?

Jein. Von den Delegierten, die am Ende den Kandidaten wählen, stellt New Hampshire nur 24, insgesamt sind es 3979. Mit Iowa gemeinsam sind das weniger als 2 Prozent. Aber die Historie zeigt, dass die Ergebnisse der Staaten überaus wichtig sind. Außer Bill Clinton 1992 wurde in den vergangenen 40 Jahren immer jemand Kandidat, der zuvor in Iowa oder New Hampshire gewonnen hatte. Ob das so bleibt? Spekulation ist kein Verbrechen, aber einen verlässlichen Trend wird es trotzdem erst nach dem sogenannten Super Tuesday geben.

Und was machen die Republikaner?

US-Präsident Donald Trump ist wie erwartet im Amt geblieben, weil ihn der Senat im Impeachment-Prozess formal entlastet hat. Was aber nicht heißt, dass er unschuldig ist, das geben auch einige hochrangige Republikaner zu. Die Unterstützung der Wählerbasis für Trump ist ungebrochen, auch in New Hampshire. Im Hinblick auf die dortige Vorwahl kommt er in einer Umfrage auf 84 Prozent Zustimmung, sein einziger Konkurrent Bill Weld auf 16 Prozent.

Quelle: ntv.de