Politik

Die Cousine des Mastermind Wer ist die blonde Selbstmordattentäterin?

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Die Explosion, die Aitboulahcen auslöste, war gewaltig.

(Foto: REUTERS)

Selbstmordattentäter sind jung und männlich, so war bisher die Sicht der Terrorexperten. Doch in Paris sprengte sich eine Frau in die Luft und strafte die Erfahrung Lügen. Eine Spurensuche.

Update: Der Französischen Staatsanwaltschaft zufolge wurde die Leiche von Hasna Aitboulahcen im Inneren der Wohnung gefunden und anhand von Fingerabdrücken identifziert. Ob die Person, die die Sprengweste zündete, eine Frau oder ein Mann war, konnten die Ermittler noch nicht endgültig sagen.  

Die erste Selbstmordattentäterin in Westeuropa heißt Hasna Aitboulahcen. Sie ist eine Cousine von Abdelhamid Abaaoud, der als der Drahtzieher der Anschläge von Paris gilt. Nach Berichten französischer Medien wurde sie 1989 in Clichy-la-Garenne im französischen Department Hauts-de-Seine geboren. Die Frau mit marokkanischen Wurzeln hatte als Managerin in einer Baufirma im nördlichen Pariser Vorort Epinay-sur-Seine gearbeitet.

Als die Polizisten im Pariser Vorort Saint-Denis das Versteck der mutmaßlichen Terroristen eingekreist hatten, erschien sie am Fenster im dritten Stock mit erhobenen Händen. Nach Aussagen eines Augenzeugen hatte sie zuvor um Hilfe gerufen. Möglicherweise wollte sie die Beamten in eine Falle locken. Die Polizisten forderten sie auf, sich zu identifizieren. Doch sie habe ihr Gesicht nicht zeigen wollen.

"Die Polizei schrie sie an: Hände hoch!", berichtete zudem ein Augenzeuge. "Sie sagten ihr, wir schießen." Amateur-Videos zeigen, dass die Beamten riefen: "Wo ist dein Freund?" Darauf antwortet sie: "Er ist nicht mein Freund!". Es waren ihre letzten Worte. Plötzlich habe es eine Explosion gegeben. Das sei wohl der Moment gewesen, als die Frau die Sprengsätze zündete. Die Explosion war so stark, dass sich in dem Haus eine tragende Wand verschob. Die sterblichen Überreste der Attentäterin flogen bis auf die andere Straßenseite.

Klare Worte auf Facebook

Jean-Michel Fauvergue, der die Antiterror-Einheit Raid bei diesem Einsatz führte, sagte später der Zeitung "Le Figaro", seine Leute seien davon ausgegangen, dass sich zwei Männer und eine Frau in dem Haus verschanzt hätten. Demnach rechneten die Raid-Spezialisten damit, dass die Terroristen mit Kalaschnikows und Sprengwesten bewaffnet sein würden. Nach Ansicht von Fauvergue sprengte sich Aitboulahcen in die Luft, um die Spezialkräfte mit in den Tod zu reißen.

Unmittelbar vor der Explosion soll Aitboulahcen noch telefoniert haben. Ob sie weitere Mittäter warnte, ist allerdings ebenso unklar wie die Frage, ob sie die Frau war, die mehrere Menschen am Abend der Attentate zusammen mit den Terroristen gesehen haben wollen. Offen ist auch, wie sich Aitboulahcen radikalisierte. In Syrien oder dem Irak soll sie französischen Medien zufolge nicht gewesen sein, obwohl es sie dorthin zog. Ihr Facebook-Profil ist dennoch aufschlussreich. So schrieb sie unter anderem über die "Herrlichkeit" von Hayat Boumeddiene, die Witwe des "Charlie Hebdo"-Attentäters Amédy Coulibaly. Im französischen Fernsehen wurde sie als "besessen vom Dschihad" beschrieben.

Quelle: ntv.de, sba