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IS, Isil oder Da'esh? Wie heißt der "Islamische Staat" wirklich?

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Ein IS-Kämpfer im irakischen Mossul (Archivbild). Die Stadt wird von der Organisation bis heute gehalten.

(Foto: REUTERS)

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat viele Namen und Abkürzungen: IS, Isis, Isil, Da'esh. Der Grund für das Wirrwarr ist einfach: Die Organisation hat oft ihren Namen gewechselt.

"Das ist ein Akt des Krieges, verübt von einer terroristischen Armee, Daech, einer dschihadistischen Armee", sagte Präsident François Hollande nach den Anschlägen von Paris. Daech? Unter diesem Namen ist der Islamische Staat in Deutschland so gut wie unbekannt.

Es ist eine arabische Bezeichnung, die sich in Frankreich durchgesetzt hat: Da'esh oder Da'ish – auf Französisch meist "daech" – ist ein Akronym, eine Wortschöpfung aus einer früheren Selbstbezeichnung der Dschihadisten: ad-daula al-islamiyya fi-l-iraq wa asch-scham, was so viel heißt wie "Islamischer Stadt im Irak und in Großsyrien". Diesen Namen gab sich die Organisation, die in Deutschland mittlerweile relativ durchgehend als IS abgekürzt wird, im April 2013.

Entstanden ist die Gruppierung sehr viel früher, 1999 in Afghanistan, unter dem Namen "Gemeinschaft der Einheit und des heiligen Kampfes". Nach dem Ende der dortigen Taliban-Herrschaft zogen die Dschihadisten in den Irak, wo sie sich "Al-Kaida im Irak" nannten, obwohl sie nur lose mit dem Terrornetzwerk verbunden waren. 2006, nach dem Tod des Gründers der Organisation, des Jordaniers Abu Musasab al-Sarkawi, änderten die Kämpfer ihren Namen erneut, dieses Mal, um Distanz zu Al-Kaida zu signalisieren: "Islamischer Staat im Irak". Genau das war auch das erklärte Ziel der Organisation: die Errichtung eines islamischen Staats im Irak.

Lange schien es, als habe die Organisation den Mund bei der Wahl ihres Namens ziemlich voll genommen. 2010 hatten die US-Streitkräfte den Großteil der Anführer der Terrorgruppe getötet oder gefangen genommen. Der Neuaufbau gelang, nachdem ehemalige irakische Geheimdienstoffiziere die Führung übernommen hatten. 2012 stieg der "Islamische Staat im Irak" in den syrischen Bürgerkrieg ein, 2013 änderte er seinen Namen entsprechend. Die geografische Beschränkung wurde im Juni 2014 aufgegeben, als Terrorchef Abu Bakr al-Baghdadi das "globale Kalifat" ausrief. Die Selbstbezeichnung lautet nunmehr ad-daula al-islamiyya, "der islamische Staat".

Für "Da'esh" gibt es Peitschenhiebe

In Deutschland folgten Politik und Medien nach und nach dieser Selbstdarstellung und nennen die Organisation mittlerweile relativ einheitlich "Islamischer Staat", abgekürzt IS. In der arabischen Welt blieb es bei da'esh. Dieser Begriff soll zum ersten Mal von syrischen Oppositionellen im arabischen Nachrichtensender Al-Arabiya benutzt worden sein. Das Wort ist mehr als ein Akronym, es klingt genauso böse und aggressiv, wie die Dschihadisten sind. In ihrem Machtbereich ist dieser Name daher streng verboten, die Verwendung des Begriffs wird mit Peitschenhieben bestraft. "Kalifat" oder "Daula", Staat, sind die Bezeichnungen, die die Islamisten akzeptieren.

In Frankreich war es Außenminister Laurent Fabius, der den Anstoß gab, die Organisation "daech" zu nennen, wie "Spiegel"-Reporter Christoph Reuter in seinem Buch "Die schwarze Macht" schreibt. "Ich empfehle nicht, den Terminus 'Islamischer Staat' zu verwenden, denn damit verwischt man die Trennlinien zwischen Islam, Muslimen und Islamisten." Fabius zeigte sich damit in guter französischer Tradition: "Die Dinge falsch zu benennen, heißt das Unglück der Welt zu vergrößern", schrieb der französische Schriftsteller Albert Camus.

Und die anderen Bezeichnungen, Isis und Isil? Das sind Abkürzungen, die sich auf die früheren Namen der Gruppierung beziehen: Isis steht für "Islamischer Staat im Irak und in Syrien", Isil für "Islamischer Staat im Irak und in der Levante". Sowohl "Syrien" als auch "Levante" ist eine Übersetzung für das arabische "al-Scham", eine gängige, aber unscharfe Bezeichnung für ein historisches Großsyrien. Vor allem Isil ist bis heute unter amerikanischen und britischen Politikern populär. Premierminister David Cameron etwa kritisierte im Sommer die BBC, weil ein Moderator des Senders vom "Islamischen Staat" gesprochen hatte. Es sei eben kein "islamischer Staat", sagte Cameron, "sondern ein abstoßendes, barbarisches Regime". Der Name "Isil" sei daher besser.

Quelle: n-tv.de

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